Ruhe sanft.
Der Umgang mit Tod Trauer und Gedenken
Die Einstellung zum Tod hat sich gewandelt.
Was man heute noch in vielen südlichen Ländern sehen kann, nämlich Frauen in schwarzer Kleidung, war auch bei uns bis vor ca. 50 Jahren ganz normaler „grauer“ Alltag. Man zeigte einfach, dass jemand Nahestehender verstorben war. Der Tod war präsenter – allgegenwärtiger. Kirchliche Lehre, Volksglaube und vor allem Beobachtungen, die auf Erfahrungen des Alltags basieren, prägten das Verhältnis des Menschen zum Tod. Die Konfrontation mit Sterben und Tod ist eine Grenzsituation, für die Menschen zu allen Zeiten verbindliche Handlungen geschaffen haben, um mit den damit verbundenen Gefühlen von Trauer, Angst, Unsicherheit und Ratlosigkeit besser umgehen zu können. Sätze wie: „Die Beisetzung fand in aller Stille statt.“ oder: „Von Beileidsbezeugungen am Grabe bitten wir Abstand zu nehmen.“ findet man erst auf Traueranzeigen in heutiger Zeit. Damit verzichtet man aber bewusst auf Schutz und Stütze durch die Gemeinschaft.
Richtiges Verhalten wurde früher „eingeübt“
Nicht in die Hölle zu kommen, auch nicht übermäßig lange im Fegefeuer verharren zu müssen, war lebenslange Motivation für eine entsprechende Lebenshaltung, für Beichte und Buße. Hieraus entstanden unzählige Bilder, Sprüche und Gebete um einen „glückseligen“ Tod, mit der Möglichkeit Ablass für sich oder die Armen Seelen zu erlangen, mit Verweis auf Joseph als Sterbepatron und auf Maria als ganz besondere Fürsprecherin, gewissermaßen eine gedruckte Lebenshilfe, die man täglich vor Augen hatte. Die große Bedeutung eines guten (richtigen) Sterbens und die Vorstellung von einem regelrechten Kampf zwischen Gottes Engeln und dem Teufel um die Seele des Sterbenden im Augenblick seines Todes führte zu etlichen Handlungen, die dem Sterbenden Hilfe und Erleichterung bringen sollte. Kirchliche Unterstützung sollte das Versehen der Sterbenden mit den Sterbesakramenten durch einen herbeigerufenen Priester bewirken. Das Versehgerät und evtl. auch das Versehtuch gehörten spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts zu jedem katholischen Haushalt und waren meist Teil der Aussteuer oder bereits zur Kommunion geschenkt. Ein weiteres Indiz für die Präsenz des Todes während des Lebens. Nach Eintreten des Todes wird der Leichnam versorgt. Er wird gewaschen und aufgebahrt, bekommt Sterbekreuz und Rosenkranz in die gefalteten Hände, aber ab jetzt gehört er einer anderen Welt an und die Gemeinschaft rückt zusammen in gemeinsamer Totenwache und etlichen Brauchhandlungen; nicht nur um den Toten zu seiner letzten Ruhe zu geleiten, sondern auch um die Lebenden vor den Toten zu schützen, die sich – so sie nicht sanft ruhen können – eventuell gegen sie wenden könnten (Leichenabwehr).
Ruhe sanft!
Der mittelalterliche Friedhof kannte weder eine Grabmalkunst noch eine Heraushebung des Einzelgrabes. Vielerorts setzten diese erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts ein, sodass das 19. Jahrhundert schließlich ein Übermaß an Grabmalkunst hervorbrachte. Hierzu gehören Grabsteine, Kreuze, Grabgitter, Engel und eine symbolhafte Bepflanzung wie zum Beispiel die Trauerweide, die schnell auch in der Erinnerungskultur zum Sinnbild für Tod und Trauer wurde. Als sich das Familienleben im städtischen Bürgertum immer mehr der Öffentlichkeit entzog, und die Betonung des eigenen Heimes immer mehr Gewicht erlangte, verloren auch Tod und Sterben ihren öffentlichen Charakter, wurden gewissermaßen verprivatisiert und auf eine stärker familiäre Gefühlsebene verlagert. Dies leistete wiederum dem privaten Gedenken in den eigenen vier Wänden entsprechenden Vorschub. Und so ist es nicht verwunderlich, dass viele Totengedenken, ob als individuelle Haararbeit oder als standartisierte Prägedrucke, Friedhofsmotive wie Grabstein, Urne oder Trauerweide aufweisen. Das öffentliche Denkmalzeichen wurde in klein in die gute Stube geholt. Sogenannte Kranzkästen, zunächst in Kirchen ausgestellt, wanderten ebenfalls in den Privatbereich ab. Nur die erst aus dem 19. Jahrhundert stammende Fotografie beschritt den Weg umgekehrt vom privaten Album auf das Grabmalmedaillon.
Technische Angaben
Die Ausstellung wurde in der Zeit vom 25.05. bis 17.09.2006 erstmals in Burghausen, im dortigen Stadtmuseum, gezeigt: www.burghausen.de/stadtmuseum.
Sie umfasst im Kern 5 Tischvitrinen und 8 Spezialvitrinen. Zuzüglich können ggf. Särge, Grabkreuze, Grabgitter, Engel und 2 Großbilder (200 x 300) gezeigt werden. Der benötigte Flächenbedarf liegt zwischen ca. 50 und 150 qm.
Interessenten wenden sich bitte an Bitte aktivieren Sie JavaScript..

„Die Armen Seelen im Fegefeuer“, Gemälde aus dem Bestand des Museums

Privates Totengedenken, Haarbild aus dem Bestand des Museums

