Memento – Im Kraftfeld der Erinnerungen
© Lucy Powell
Foto: Henrik Strömberg

 

17. Oktober 2020 – 28. Februar 2021

Memento

Im Kraftfeld der Erinnerungen

Eine Ausstellung zu individuellen Formen des Erinnerns und Gedenkens

Das Museum für Sepulkralkultur widmet sich in der Ausstellung „MEMENTO – Im Kraftfeld der Erinnerungen“ mit einer Auswahl von internationalen zeitgenössischen Kunstwerken und kulturhistorischen Zeugnissen individuellen Formen des Erinnerns und Gedenkens. Der Titel verweist zugleich auf die anziehende und abstoßende Wirkung von Erinnerungen an Menschen und Erlebnisse, die im Strom der Zeit verloren gingen. Die Anziehungskraft von Gedanken an das Vergangene und von Erinnerungsbildern, die aufgrund ihres schmerzhaft psychischen und emotionalen Potenzials häufig auch mit inneren Abwehrmechanismen einhergehen können, lässt Menschen ihre präsente Gegenwart – das Hier und Jetzt – verlassen. Dies kann eine Flucht vor aktuellen Lebenssituationen sein, doch bietet es im Rahmen von Trauerarbeit zugleich einen Schlüssel, um nach einem schweren Verlust in ein bewusstes und präsentes Leben zurückkehren zu können.

Nachdem die Ausstellung LAMENTO – Trauer und Tränen (11/2019 – 03/2020) im Museum für Sepulkralkultur dem Phänomen des Weinens und den unmittelbaren Affekten und Emotionen, die der Tod eines nahen Menschen auslöst, gewidmet war, wird sich die inhaltlich anschließende Ausstellung MEMENTO – Im Kraftfeld der Erinnerungen mit unterschiedlichsten Formen des individuellen Erinnerns und Gedenkens an Verstorbene auseinandersetzen.

 

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Die Art und Weise, wie Menschen den Verlust von vertrauten und geliebten Personen verarbeiten und darin ihre emotionale Betroffenheit zum Ausdruck bringen, wird neben kulturellen Traditionen, ideologischen und gesellschaftlichen Werten oder kollektivem Geschichtsbewusstsein maßgeblich von individuellen Wesenszügen und von den jeweiligen Lebenssituationen geprägt. Erinnerungen unterliegen – je nach Situation und Lebensphase – einem stetigen Wandel, der ihre Bedeutungen und auch ihren Sinn umfasst. Viele Menschen suchen daher eine persönliche Sprache und Form der Vergegenwärtigung des Vergangenen, indem sie Erinnerungen in sinnliche erlebbare Handlungen transformieren oder persönliche Hinterlassenschaften als plastische Erinnerungsträger sorgsam aufbewahren. Feierlich, traurig, lamentierend und klagend, laut und extrovertiert, tänzerisch, im Stillen oder in Form von rituellen Handlungen erinnern und gedenken Angehörige und Freunde*innen ihren Verstorbenen und reaktivieren über das Erinnern die Vergangenheit in der Gegenwart. Aktives Erinnern und Gedenken vergegenwärtigt wiederholt und dauerhaft, wer und was in einer familiären, sozialen, religiösen oder nationalen/ethnischen Gemeinschaft nicht in Vergessenheit geraten soll.

Der Tod eines vertrauten Menschen und die damit untrennbar verbundene Performanz von memorialen Praktiken waren und sind fortwährend Anlass kultureller Produktion in Form von individuellen Ritualen, wie etwa dem Besuch persönlicher Gedenkorte, dem Verwahren von Hinterlassenschaften oder dem jährlichen Erinnern an Todestagen. Individuelle memoriale Handlungen begleiten, animieren und ermöglichen den persönlichen Prozess des Erinnerns und integrieren diesen in unser Leben, das nach einer Verlusterfahrung wieder in ruhige Bahnen gelenkt werden möchte.

Literatur, Musik und die Bildenden Künste können durch Bild- und Schriftwerke oder durch Kompositionen Erinnerungen in ästhetische Formate transformieren. Diese können einerseits selbst Erinnerungsarbeit sein und diese im Werk nachvollziehbar machen und andererseits das motivierende Potenzial in sich tragen, selbst persönliche memoriale Formen zu entwickeln.

Die Dialoge zwischen internationalen künstlerischen Werken in den Medien Fotografie, Video/Film, Skulptur, Installation, Grafik und Performance und kulturhistorischen Objekten aus der Sammlung des Museums, entfalten einen kulturhistorischen Referenzraum für die zeitgenössische Kunst, die poetische Trägerin von subjektiven Erinnerungen ist. Neben historischen Zeugnissen und künstlerischen Werken werden wir ausgewählte virtuelle Erinnerungsformate wie Trauerforen im Internet, Erinnerungsvideos auf YouTube und interaktive Webseiten, die individuelle Erinnerungsprozesse initiieren und begleiten, vorstellen. Des Weiteren informieren wir über die Pilotstudie „Familienhörbuch“ des Universitätsklinikums Bonn, die schwer erkrankten Eltern die Möglichkeit gibt, ihre ganz persönliche Lebensgeschichte für Kinder und Angehörige in einem Tonstudio mit einer Hörfunkjournalistin aufzuzeichnen.

 

Künstler*innen: Christian Boltanski (F) | Karolin Bräg (D) | Sofia Hultén (SE) | Andrew Kotting (GB) | Karsten Krause (D) | Martin Kreuels (D) | Lucy Powell (GB) | Maud Quaedvlieg (NL) | Tina Ruisinger (CH) | Stefanie Silber (D) |Jaan Toomik (ES) | Timm Ulrichs (D) | Catrine Val (D) | Lorenz Widmaier (D) | Dorothee von Windheim (D)

PROJEKTE: Familienhörbuch, Judith Grümmer (D), Dear Photograph, Taylor Jones (CA), Rest in Vinyl / Andvinyly, Jason Leach (GB), Memorabilia, Museum für Sepulkralkultur

Konzeption

Dr. Dirk Pörschmann / Ella Ziegler

Fotografie: IN THE WAKE OF A DEADAD, Andrew Kötting, 2006
Der britische Künstler Andrew Kötting begibt sich mit zwei 4 m hohen aufblasbaren Figuren, die seinen verstorbenen Vater und Großvater abbilden, auf Weltreise, bei der er Orte bereiste, die für seine Familie von Bedeutung waren.

Foto: Leila Badblood
© Andrew Kötting / Ella Ziegler

Memorabilia. Dinge, die Halt geben

Stirbt ein Mensch, bleiben die Angehörigen in Trauer zurück. Nichts ist mehr, wie es war, und alles erinnert an den geliebten Menschen. In seiner ewigen Abwesenheit steigert sich seine aktuelle Präsenz. Schmerz und Trauer werden durch verschiedenste Strategien oder Rituale zu einem Teil des neuen Lebens, das sich nun wandelt. Hilfreich können für die Verlustbewältigung bereits einfache Alltagsgegenstände sein. Ein Taschenmesser des Vaters, das den Sohn ständig begleitet, eine Uhr, Schmuck- oder etwa ausgesuchte Kleidungsstücke vermögen Trost zu entfalten und das Gedenken an einen geliebten Menschen auf besondere Weise zu bewahren. Alles ist hier vorstellbar.

Wir möchten unsere Besucher*innen in der KW 36 ermutigen, uns solch einen Gegenstand, der Kraft geschenkt hat, für die Ausstellung "MEMENTO. Im Kraftfeld der Erinnerungen" zur Verfügung zu stellen. Gerne möchten wir diese Dinge zusammen mit Statements und Anekdoten präsentieren. Hierfür würden wir im Rahmen der KW 36 kurze Video-Interviews durchführen, für die Interessent*innen sehr gern auch schon im Vorfeld mit uns in Kontakt treten können.

 

Kontakt

Dr. Ulrike Neurath

Position: Kustodin

Telefon: 0561 / 918 93 20

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Impressionen

Hr-Podcast: Memento – Im Kraftfeld der Erinnerungen

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Die Ausstellung wird gefördert von

                     

                                                                            

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Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V.

Zentralinstitut für Sepulkralkultur

Museum für Sepulkralkultur

Weinbergstraße 25–27
D-34117 Kassel | Germany
Tel. +49 (0)561 918 93-0
info@sepulkralmuseum.de

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