FRIEDHÖFE AUS ALLER WELT
© Museum für Sepulkralkultur, Kassel, Bildarchiv

FRIEDHÖFE AUS ALLER WELT

Wir sind auf der ganzen Welt unterwegs und berichten von der Bestattungs- und Friedhofskultur der Länder, Religionen und Kulturen. Die Fotoreisen werden für ihre besondere Aktualität oder Besonderheiten ausgewählt. Die hier gezeigten Sammlungen sollen transformative Prozesse und fortgeführte Traditionen dokumentieren. Die Fotografien und Reiseberichte gewähren so einen Einblick in die Vielfalt der Sepulkralkultur.

 

Der Cemitério dos Prazeres

"Friedhof der Freuden"

Der Cemitério dos Prazeres ("Friedhof der Freuden") ist der beeindruckendste „Totenacker" der portugiesischen Hauptstadt. Der 1833 nach einer Cholera-Epidemie angelegte Friedhof ist eine Begräbnisstätte für Aristokraten sowie großbürgerliche Intellektuelle und Künstler*innen. Er liegt im Westen der Stadt und zeichnet sich durch seine überirdischen Gruften aus, den sogenannten Begräbnisvillen, die in Straßen und Alleen angeordnet sind. Sie sind abgeschlossen, jedoch bieten sie den Angehörigen die Möglichkeit, einzutreten, um an kleinen Altären in Gegenwart der offen aufgestellten Särgen ihre Toten zu betrauern. Die Nähe zu den Verstorbenen beeindruckt, macht sie doch deutlich, dass sie nicht als bedrohlich, unhygienisch oder störend wahrgenommen wird. Ganz im Gegenteil: Sie offenbart die Verbindung der Lebenden zu den Toten.

Fotos: Dirk Pörschmann

 

Reise durch Bosnien und Herzegowina

Kriegsgedenken und ein Nebeneinander der Religionen

Serb*innen, Kroat*innen und Bosnier*innen leben im bosnischen Brčko-Distrikt an der Grenzregion der drei Länder eng beieinander. Bei der Reise quer durch die Region Brčko wechseln sich muslimische, katholische und serbisch-orthodoxe Friedhöfe ab. Und damit meist auch weiße Steinstelen der muslimischen Bevölkerung und schwarze Grabsteine mit Fotogravuren aus dem Leben der Verstorbenen auf den christlichen Friedhöfen.

Ein kleiner Friedhof nahe Brčko mit hauptsächlich serbisch-orthodoxen Gräbern liegt zwischen Feldern und Hügeln. Auf den Vorderseiten der rot-schwarzen Grabsteine sind oft kleine Emailleplatten mit Porträt-Fotos der Verstorbenen angebracht, auf den Rückseiten große fotorealistische Gravuren aus dem Alltag – mit Musikinstrument, Flinte oder Tasse in der Hand. In den Metallhäuschen neben den Familiengräbern liegen Reste vom Anzünden der mitgebrachten gelben Kerzenstäbchen und von Weihrauch und Kohle.

Auf dem Bare Friedhof in Sarajevo hingegen liegen die unterschiedlichen Bestattungstraditionen eng beieinander. Der 1962 eröffnete Friedhof ist einer der größten Europas. Er erstreckt sich – nach Konfessionen aufgeteilt – über die Hügel nahe der Stadt und gibt ein Bild der Gräber-Vielfalt und auch der Opfermassen der Jugoslawienkriege. In der Mitte stehen im Halbkreis angeordnete, organisch wirkende Kapellen für die Angehörigen der jeweiligen Konfessionen zur Verfügung – muslimisch, orthodox, atheistisch, katholisch und jüdisch. Eigene Gräberfelder gibt es zudem noch für Adventist*innen, Evangelist*innen und Altkatholik*innen. Auch hier finden sich die schwarz-roten Grabsteine auf den Feldern der katholischen und orthodoxen Bevölkerung. Aber auch Grabsteine mit Fotogravuren und dem Halbmond des Islam stehen dort verteilt. Die Grenzen zwischen den Bestattungstraditionen sind bei genauerem Blick manchmal fließend. Was sich beim Verlassen oder Hineinfahren in die Stadt aber am stärksten einprägt, sind die endlosen Gräberreihen der Opfer der Jugoslawienkriege.

Fotos: Tatjana Ahle

 

Reise zur isle of Lewis

Zwischen Himmel und Meer

Die drei Anlagen von Callanish (auch Calanais)  bilden die größte heute bekannte Steinformation der Megalithkultur auf den britischen Inseln. Sie stammt aus der Bronzezeit (ca. 5000 v. u. Z.) und besteht nicht aus einem Kreis, sondern aus mehreren in sich verwobenen Formen. Der größte Monolith ist 4,5m hoch. Der Sinn hinter der Erschaffung der Steinformation liegt im Dunkeln. Die populärste Theorie besagt, dass sich die Steine auf den Verlauf des Mondes beziehen. Aufgrund ihrer Abgeschiedenheit auf den Äußeren Hebriden, ist Callanish weniger bekannt als Stonehenge, jedoch  besser zugänglich. Die Besucher*innen kommen – im Gegensatz zum abgesperrten Stonehenge – direkt an die Steine heran und der Zutritt ist (noch) kostenlos. 

Der Friedhof von Bosta auf der Great Bernera Halbinsel der Isle of Lewis beherbergt wie so viele Orte in Schottland Kriegsgräber. Sie wurden von der Commonwealth War Graves Commission gekennzeichnet, die sich für diese Gräber verantwortlich zeichnet. Die Gräber der im Ersten und Zweiten Weltkrieg Gefallenen sind besonders geschützt.

Direkt am Meer liegt einer der Friedhöfe der Bhaltos Halbinsel. Viele Friedhöfe auf den Äußeren Hebriden zeichnen sich durch die Begrenzung durch eine Steinmauer aus. Sie liegen häufig außerhalb der Dörfer. Da auf den Hebriden das Meer nicht weit ist, haben sie oft einen Strand in der Nähe und einen wunderschönen Blick aufs Meer.

Fotos: Isabel von Papen

 

mehr zur Isle of Lewis

 

Die Äußeren Hebriden sind Inseln 60km vor der Westküste Schottlands, die sich wie auf einer Perlenkette über 208km durch den Atlantik ziehen. Die nördlichste und gleichzeitig größte dieser Inseln ist die Isle of Lewis, die zusammen mit der Isle of Harris eine Doppelinsel bildet. Da Harris durch ein Gebirge getrennt ist, haben die Menschen ihnen zwei Namen gegeben. Insgesamt leben 18.500 Menschen auf der Insel. Ihre Sprachen sind sowohl Englisch als auch Schottisches Gälisch. Der Hauptort von Lewis ist Stornoway. Im Gegensatz zu den weiter südlich gelegenen Hebrideninseln, hat Lewis eine Presbyterianische Tradition (Protestantisch), die bis heute klar auf die Einhaltung des Sabbaths pocht: An Sonntagen steht das öffentliche Inselleben still.

 
 
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