REMEMBER ME: Holocaust-Gedenkkonzert REMEMBER ME: Holocaust-Gedenkkonzert
REMEMBER ME: Holocaust-Gedenkkonzert

25. Januar 2026 | 17 Uhr

Eintritt frei!

REMEMBER ME: Holocaust-Gedenkkonzert

Zwei Tage vor dem Holocaust-Gedenktag 2026 lädt das Evangelische Forum zu einem Gedenkkonzert mit der Sopranistin Marcia Lemke-Kern in die Kasseler Karlskirche ein. Es spielen Milena Hoge (Harfe) und Kerstin Petersen (Orgel).

Programm

Carlo Sigmund Taube (1897-1944): Ein jüdisches Kind (1942) für Stimme und Orgel
Text: Erika Taube (1913-1944)

„Du bist ein Kind wie all die vielen, / die auf der ganzen Erde sind, / wie all die anderen Gespielen / und doch bist du so anders, Kind. / Du bist ein Kind, dem Heimat fehlt. / In allen Städten bist du fremd, / solang dich nicht das Wort beseelt: / ‚Heimat‘, dein Herz ist ungehemmt.“

„Ein jüdisches Kind“ schufen Carlo und Erika Taube im November 1942 in Theresienstadt als Wiegenlied für ihren gemeinsamen Sohn. Die ganze Familie wurde in Auschwitz ermordet. „Ein jüdisches Kind“ ist als einziges ihrer im Lager geschaffenen Werke erhalten.

Improvisation Remember me für Stimme, Harfe, Orgel

James Simon (1880-1944): Weltende (1903) und Die Liebe (1934)
aus Sechs Lieder op. 43 für Sopran und Orgel (1934)
Text: Else Lasker-Schüler (1869-1945)

Weltende
„Es ist ein Weinen in der Welt, als ob der liebe Gott gestorben wär,  / Und der bleierne Schatten, der niederfällt, / Lastet grabesschwer. / Komm, wir wollen uns näher verbergen ... / Das Leben liegt in aller Herzen wie in Särgen. / Du, wir wollen uns tief küssen. / Es pocht eine Sehnsucht an die Welt, / An der wir sterben müssen.“

Die Liebe
„Es rauscht durch unseren Schlaf / Ein feines Wehen wie Seide / Wie pochendes Erblühen / Über uns beide. / Und ich werde heimwärts / Von deinem Atem getragen, / Durch verzauberte Märchen, / Durch verschüttete Sagen. / Und ein Dornenlächeln spielt / Mit deinen urtiefen Zügen, / Und es kommen die Erden / Sich an uns zu schmiegen. / Es rauscht durch unseren Schlaf / Ein feines Wehen wie Seide / Der weltalte Traum / Segnet uns beide.“

James Simon studierte Klavier und Komposition bei Conrad Ansorge und Max Bruch. 1933 mußte er nach Amsterdam fliehen, wo er sein Schaffen als Komponist und Pianist fortsetzte. Über Westerbork und Theresienstadt wurde er schließlich nach Auschwitz deportiert, wo er 1944 ermordet wurde.

Ami Maayani (1936-2019): Maqamat (1961, rev. 1984) für Harfe solo

Ami Maayani zählt zu den prägenden Figuren des israelischen Musiklebens. Seine Kompositionen für Harfe erkunden die klanglichen Möglichkeiten des Instruments auf besonders tiefgründige Weise. Das Werk basiert auf dem arabischen Maqam. Maqamat sind Melodiemodi, die in der traditionellen improvisierten Musik des Nahen Ostens verwendet werden. Jeder Maqam wird mit einer Farbe oder „Seele“ assoziiert. Maayani verwendete die traditionelle rhythmische Form mit ihrem 10/8-Takt (samai thaqil), der in 3-2-2-3 unterteilt ist. Seit 1984 unterrichtete Maayani an der Academy of Music in Tel Aviv und an der Rubin Academy of Music and Dance in Jerusalem Theorie und Komposition. 1993 bis 2003 war er Leiter der Akad. in Tel Aviv. Während dieser Zeit arbeitete er mit dem Architekten Yoram Raz beim Entwurf des Auditoriums der Rubin Academy of Music in Tel Aviv zusammen. Mayani gewann den ACUM Prize (1974), den internationalen Wettbewerb Holocaust and Rebirth und den IBA Prize (1973) zum 25. Jubiläum des Staates Israels. 

Ruth Wiesenfeld (*1972): Ruins (2014) for female voice and paper
Text: William Butler Yeats (1865-1939): The Cloak, The Boat and The Shoes

„What do you make so fair and bright?
„I make the cloak of Sorrow:
O lovely to see in all men’s sight
Shall be the cloak of Sorrow,
In all men’s sight.” 

„What do you build with sails for flight?”
„I build a boat for Sorrow:
O swift on the seas all day and night
Saileth the rover Sorrow,
All day and night.”

„What do you weave with wool so white?”
„I weave the shoes of Sorrow:
Soundless shall be the footfall light
In all men’s ears of Sorrow,
Sudden and light.” 

Die Komponistin Ruth Wiesenfeld lebt in Berlin. Ihr künstlerisches Werk bewegt sich zwischen Musik, Skulptur, Installation und Performance. Sie arbeitete mit dem Streichquartett des Mahler Chamber Orchestra, PHØNIX16, Kaleidoskop, sowie mit diversen Solisten und Dirigenten (Titus Engel, Steffen Schreyer, Robyn Schulkowsky, Hilary Jeffery). Zu ihrem Streichquartett Hautfelder entwarf Sasha Waltz eine Choreographie für die Projekte DIALOGE 09 und Métamorphoses. Ihre Kompositionen werden vom Verlag Neue Musik verlegt. Als Gründerin von TOWARDS SOUND sammelt die Komponistin seit 2020 visuelle Spuren von kreativen Prozessen internationaler zeitgenössicher Klangschaffender und machte diese in partizipativen Veranstaltungen für die Öffentlichkeit zugänglich. Das ständig wachsende Archiv wurde bisher im ZAK Zentrum für Aktuelle Kunst (Berlin), LTK4 (Köln), HilbertRaum (Berlin), Audiograft Festival (Oxford), der Hochschule für Musik und Tanz (Köln) und im re:future Lab (Berlin) gezeigt.

Oskar Gottlieb Blarr (*1934): Lieder aus Jerusalem (1981) für hohe Singstimme, Harfe und Orgel

Prélude (Dialog) „Was ich zu Ende brachte” für Sopran, Orgel, Harfe
Text: David Rokeah (1916-1985)

„Was ich zu Ende brachte, nenne ich meine guten Taten. Meine schlechten habe ich noch nicht gezählt. So oder so verlege ich meine Wohnstätte auf den Hügel, der zur Windmühle von Jerusalem blickt, hinterlasse dem Mieter, der mir nachfolgt, zurückgezogene Vorhänge, den herben Geruch deines Haares aus den Nächten voll Mond. Die Abschiedsworte, die ich an die Füße der Tauben binden wollte, lege ich in den Wunschkasten am Berge Zion.“

Orgellied „Ich suche allerlanden eine Stadt“ (Gebet) für Sopran und Orgel
Text (1917): Else Lasker-Schüler (1869-1945)

„Ich suche allerlanden eine Stadt, / Die einen Engel vor der Pforte hat. / Ich trage seinen grossen Flügel / Gebrochen schwer am Schulterblatt / Und in der Stirne seinen Stern als Siegel. / Und wandle immer in die Nacht ... / Ich habe Liebe in die Welt gebracht / – Dass blau zu blühen jedes Herz vermag, / Und hab ein Leben müde mich gewacht, / In Gott gehüllt den dunklen Atemschlag. / O Gott, schließ um mich deinen Mantel fest; / Ich weiss, ich bin im Kugelglas der Rest, / Und wenn der letzte Mensch die Welt vergießt, / Du mich nicht wieder aus der Allmacht läßt / Und sich ein neuer Erdball um mich schließt.“

Harfenlied „Wann werden wir die kranke Erde heilen“ für Sopran und Harfe
Text: Lola Landau (1892-1990)

„Wie kann in dieser Welt zusammen wohnen? Krieg und Musik? Bomben und Anemonen? Leiber zerfetzt. Auf sanftem Gras Kanonen. Wie mögen Menschen noch in Gärten wohnen? Ein junges Herz, durchbohrt vom Bajonett, ein altes Herz, gerettet durch Stilett ärztliche Kunst hat es dem Tod entwendet, wenn tausend Herzen in der Schlacht verschwendet. Wie kostbar ist der Mensch, nicht zu entbehren. Doch Menschenheere sich verzehren und verheeren. In dieser Welt gibt es noch Spiel und Lachen. Ein Mund zerschossen gähnt als leerer Rachen. Der Höllenlärm des Kriegs kreischt durch den Abend, wenn himmlische Musik die Seele labend erquickt die Lauschenden mit edlen Chören. Am gleichen Abend, wenn sie Leib und Seele zerstören. Warum ist diese Welt in sich zer gegeben? Ist sie uns zu halten und verwalten, sie zu befruchten nicht, sie zu zerteilen. Wann werden wir die kranke Erde heilen?“

„Glöckchen in Jerusalem“ für Sopran, Orgel, Harfe
Text: aus dem Buch „Auf der Treppe“ von Recha Freier (1892-1984) 

Milan Slavicky (1947-2009): Die Augen – Memento für Orgel (1983)

Slavicky wurde in Prag geboren. Er war leitender Regisseur für ernste Musik im Verlag, Supraphon und Dramaturg für elektroakustische Musik im tschechoslowakischen Rundfunk Prag. In seinem Orgelwerk setzt er erweiterte Spieltechniken wie Cluster und aleatorische Elemente ein. Er schreibt über die Entstehung:

„Vor einiger Zeit besuchte ich das ehemalige KZ-Lager Mauthausen. Es war an einem sonnigen Sommertag, und das Donautal strahlt Ruhe und Frieden aus. Ich stand eine Weile am Tor des Lagers, an den Baracken, an den Denkmälern der einzelnen Nationen und stieg sodann auf den berüchtigten „Todestreppen“ nach unten in den Steinbruch, in dem Tausende von Menschen umgekommen sind. Es herrschte Totenstille. Da erfasste mich das schockierende Gefühl, als ob mich aus allen Richtungen der Steinwände - der Zeugen so viel menschlicher Tragödien - tausende Augen stumm anschauen. Ohne Vorwurf oder Schmerz, jedoch mit der unendlichen Trauer derer, die leben und sich freuen wollten, stattdessen aber die letzte Zeit ihres Daseins in Furcht, Erniedrigung und Leiden zubringen mussten. Diese tausende von Menschenaugen blickten mich an - den ausgeglichenen, zufriedenen und in Geborgenheit lebenden Menschen, der nicht leichten, aber der bisher doch friedlich verlaufende Nachkriegszeit. Es beschlich mich ein beschämendes und zugleich verpflichtendes Gefühl. Es vergegenwärtigte mir die ganzen vergangenen und derzeitigen menschlichen Leiden - ein Gefühl, das mich monatelang verfolgte und das ich in diesem Orgelstück wenigstens zu einem Teil auszudrücken suche.“ 

Eduard Birnbaum (1855-1920) Hashkivenu für Sopran und Orgel

„Give us peaceful rest. And in the morning, Awaken us to the good life, And to peace. We need you To guide us, And to assist us. Protect us in the night. Keep us in health, And safe from ensnarement. Guard our coming and leaving, As You have, up to now. Barukh attah Yah Shomer et Ammo Yisrael la’ad. [Blessed are you YHVH, who guards their people Yisrael forever.]“

Eduard Birnbaum wurde 1855 in Krakau geboren und studierte synagogalen liturgischen Gesang in Wien. Als liberaler Chasan und Komponist, arbeitete er sein Leben lang nicht nur als Kantor, sondern war auch einer der ersten Erforscher jüdischer Musik. Er überlieferte wertvolle Quellen liturgischer Gesänge und widmete sich eigenen Kompositionen. 1879 wurde er als Nachfolger von Zvi Hirsch Weintraub Hauptkantor in der jüdischen Gemeinde Königsberg. Diese Stelle hatte er bis zum Ende seines Lebens inne.

Eva-Maria Houben (*1955): in pace 2 (2025) für Stimme, Orgel, Orgelpositiv, Harfe

Programmänderung vorbehalten, Stand Dezember 2025

 

In Kooperation mit 
Sara Nussbaum Zentrum Kassel | Verein zur Rettung der Synagoge Felsberg e.V. | Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Kassel | Gedenkstätte Breitenau | Judaica in Meimbressen | vhs Volkshochschule Region Kassel | Deutsch-Israelische Gesellschaft | Katholische Kirche Kassel | Volksbund | Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge | Museum für Sepulkralkultur | Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V.

Marcia Lemke-Kern (Sopran)
© Dirk Bartschat
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