Heft 3/4 2022, 67. Jahrgang

Artikelnummer: 5013422
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Schwerpunktthema: “Die Trauer ist der Feind der Effizienz.”

Ist menschliches Leben nachhaltig? Kann der tod nachhaltig sein? Nachhaltigkeit ist kein neuer Begriff. Die Forstwirtschaft kennt ihn schon seit Jahrhunderten. Zugleich ist er aktuell in aller Munde, denn wir erkennen, dass unser modernes, technisiertes und auf Konsum ausgerichtetes Leben uns nicht in die Zukunft denken lässt.Wenn wir an die denken, die noch nicht leben und noch nicht gestorben sind, dann müssen wir nachdenklich werden. Können wir weiterhin so tun, als gäbe es kein Ende der Ressourcen auf unserem Planeten? Können wir weiterhin alles verbrauchen, was uns die Natur, was uns die Erde schenkt? Nachthaltigkeit heißt, nicht mehr zu verbrauchen, als durch natürliche Prozesse neu wächst bzw. entsteht. Wenn wir an unsere Kinder und deren Kinder denken, muss uns bange werden, denn wir leben so, als gäbe es keine Endlichkeit in allem. Holz für Särge und anschließend die Särge selbst reisen unnötig tausende Kilometer durch Europa. Mit Leichen darin reisen sie teils wieder zu günstigeren Krematorien, um am Ende verbrannt zu werden. Diese Reisen finden meist unsichtbar auf unseren Autobahnen und Landstraßen statt.

Wir erfrischend überraschend kann es sein, wenn man einen Sarg auf einem Fahrrad sieht. Mit Menschenkraft angetrieben, sichtbar für die Öffentlichkeit geht es damit auf die letzte Reise zur letzten Heimat eines Menschen. Der Tod ist Teil des Lebens und somit aucch den Anforderungen eines nachhaltigen Denkens und Handelns unterworfen. Neben den üblichen Anforderungen der Nachhaltigkeit in den Bereichen Ökologie, Soziales und Ökonomie ist es wichtig, dass wir die Endlichkeit tatsächlich akzeptieren. Hier können die tägliche Arbeit unseres Vereins, die Forschung im Zentralinstitut für Sepulkralkultur sowie die kulturelle Bildung im Museum Wesentliches beitragen, damit wir auf einer persönlichen wie gesellschaftlichen Ebene verstehen und akzeptieren, dass Beschränkung immer eine gute Sache ist. Leben ist in vielerlei Hinsicht beschränkt, und erst die unüberwindbaren Grenzen des Lebens fordern uns heraus und können unserem Sein und Handeln einen Sinn geben. Einstellungen zum Leben, die ein Immer-Mehr oder Immer-Weiter-So propagieren führen am Ende dazu, dass wir nicht nur unser eigenes Leben verlieren, sondern zugleich das Leben an sich in Frage stellen und gefährden.

Sehe ich einen Sarf auf einem selbst konstruierten Fahrrad erkenne ich die gestaltende Kraft, die in uns wohnt und uns die Chance bietet, unser Handeln zu überdenken und zu verändern. Wir haben die notwendigen Möglichkeiten, denn wir sind selbst Teil des Lebens und dazu fähig, es positiv zu gestalten: im Wachsen wie im Vergehen.

(Aus dem Editorial von Dr. Dirk Pörschmann)

Artikelnummer
5013422

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