Rana Matloub: Grabe keine Löcher neben die Gräber
Sie dort, ich hier. Während ihres Studiums an der Kunsthochschule Kassel verfolgte Rana Matloub den Irakkrieg, der mit dem Einmarsch der USA und Großbritanniens im März 2003 begann. „Ich erinnere mich, dass ich vor dem Fernseher saß und die Meldungen in den Nachrichten verfolgte.“ Angst, Schmerz, Fragen kamen in ihr auf. Wie geht es ihren Verwandten im Irak? Auch weckten die Nachrichten eigene Erinnerungen: Den Irak-Iran-Krieg in den 1980er-Jahren hatte sie in ihrer Geburtsstadt Bagdad erlebt; der Zweite Golfkrieg im Jahr 1990 war letztlich der Anlass, mit ihrer Familie nach Deutschland zu kommen.
Während des Irakkriegs in 2003 flossen die aktuellen Ereignisse, Meldungen über die vielen Toten und ihre eigenen Empfindungen nun ein in ihre künstlerische Arbeit. Es entstanden Skizzen, Miniaturen und Figuren aus ungebranntem Ton. Der Bezug zum Thema Tod schwingt dabei oftmals mit, ohne sich aufzudrängen. Die Fragilität des Lebens wird für die Betrachter*innen greifbar.
Eröffnung am 21. August, 18.30 Uhr, im Rahmen des Galeriefests auf den Weinbergterrassen
Unsere Öffnungszeiten während Galeriefests:
Freitag, 21. August 2026 | 10 bis 22 Uhr
Samstag, 22. August 2026 | 10 bis 19 Uhr
Rana Matloub, geboren 1975 in Bagdad, wohnhaft in Kassel, studierte Kunstpädagogik an der Universität Dortmund und Freie Kunst an der Kunsthochschule Kassel. 2006 war sie Meisterschülerin bei Prof. Norbert Radermacher. Seit 2017 lehrt sie am Fachgebiet Kunst der Universität Erfurt. In ihren Arbeiten als selbständige Künstlerin widmet sie sich ausgehend von dem Medium Zeichnung, in ortsbezogenen Installationen politisch und gesellschaftlich relevanten Themen wie Krieg, geschlechtliche Identität, Vielfalt der Kulturen und Religiosität. Sie realisierte zahlreiche Gruppen- und Einzelausstellungen im In- und Ausland.
Weitere Informationen zur Ausstellung
In der Rotunde des Museums für Sepulkralkultur zeigt die Künstlerin drei voneinander unabhängige Arbeiten. Der Bezug zum Thema Tod schwingt dabei oftmals mit, ohne sich aufzudrängen. Die Fragilität des Lebens wird für die Betrachter*innen greifbar.
„Die Toten“ sind Figuren aus ungebranntem Ton, die zwischen Geschirrtüchern in einer Kiste liegen. Die Tücher erinnern an die im Irak üblichen Leichentücher, die im Krieg jedoch nicht mehr ausreichend verfügbar waren. „Es sind Geschirrtücher aus meiner damaligen WG, in die ich ‚Die Toten‘ legte. Sinnbildlich dafür, dass auch im Krieg die Leichentücher knapp werden. Wenn man nichts hat, dann nimmt man, was da ist.“
Zeichnungen aus Skizzentagebüchern von 2003 werden als Projektion gezeigt. Die Zeichnungen wurden so aus den Tagebüchern gescannt, dass die nächsten Seiten jeweils noch durchschimmern. „Es geht hier nicht um die einzelne Zeichnung, sondern um den Prozess, dass eine aus der anderen entsteht, dass sie zusammenhängen und sich immer wieder aufeinander beziehen.“
Gesprochene Miniaturen (Texte) hören die Besucher*innen über Kopfhörer. Es sind poetische Fragmente, die die Künstlerin selbst eingesprochen hat. „Es sind innere Bilder, die durch die Worte sichtbar werden. Sie sind nicht ablösbar von meiner Betonung.“ Auf einem Podest sitzend, mit Blick auf die Südstadt, tauchen die Besucher*innen hier ein in die Gedanken- und Gefühlswelt von Rana Matloub.