Galeriefest: Grabe keine Löcher neben Gräber

Eine winzige Tonfigur liegt auf einem Geschirrtuch.

Rana Matloub: Grabe keine Löcher neben Gräber

GALERIEFEST-Künstlerin Rana Matloub zu Gast im Museum für Sepulkralkultur

Vom 21. bis zum 23. August 2026 lädt das Galeriefest unter dem Motto „Südflash“ in die Galerien und Ausstellungsräume in und um die Südstadt herum ein. Im Museum für Sepulkralkultur zeigt die aus dem Irak stammende Künstlerin Rana Matloub bis zum 4. Oktober 2026 ältere und neuere Arbeiten, die sich mit den Themen Tod, Krieg und Erinnerung auseinandersetzen.

Das Thema Tod begleitet sie schon lange, insbesondere durch die verschiedenen Kriege. Den Irak-Iran-Krieg in den 1980er Jahren erlebte sie in ihrer Geburtsstadt Bagdad. Mit Beginn des Ersten Golfkriegs im Jahr 1990 kam sie mit ihrer Familie nach Deutschland. Diesen Krieg und den Zweiten Golfkrieg ab 2003 erlebte sie aus der Ferne; die Meldungen beschäftigten sie dennoch sehr – auch wegen ihrer im Irak verbliebenen Familienmitglieder.

Insbesondere ab 2003, also während ihres Studiums an der Kunsthochschule Kassel, integrierte sie die Ereignisse, Meldungen über die vielen Toten und ihre eigenen Empfindungen in ihre künstlerische Arbeit.

Gezeigt werden drei voneinander unabhängige Arbeiten:

„Die Toten“: Figuren aus ungebranntem Ton, die zwischen Geschirrtüchern in einer Kiste liegen. Die Tücher erinnern an die im Irak üblichen Leichentücher, die im Krieg jedoch nicht mehr ausreichend verfügbar waren. Matloub stellte sich vor, dass stattdessen alltägliche Tücher genutzt wurden. Fortan erinnerten sie diese auch an den Tod.

Zeichnungen aus Skizzenbüchern von 2003, die über einen Beamer als große Projektion gezeigt werden. Die Zeichnungen wurden so aus den Tagebüchern gescannt, dass die nächsten Seiten jeweils noch durchschimmern. Dadurch wird deutlich, dass es nicht nur um die einzelne Zeichnung geht, sondern um den Prozess, um die Folge von Zeichnungen. Die Zeichnungen beziehen sich immer wieder aufeinander.

Gesprochene Miniaturgeschichten als Audio über Kopfhörer. Diese poetischen Fragmente präsentiert die Künstlerin bewusst als hörbare Werke. Ihr geht es um die inneren Bilder, die im Kopf entstehen, und um die Geschichten, die sich beim Hören und insbesondere in den dazwischenliegenden Pausen im Kopf der Zuhörenden entwickeln.

Der Bezug zum Thema Tod ist dabei nicht immer ganz direkt. Gerade der indirekte Bezug spiegelt das Erleben der Künstlerin in den Jahren dieser Kriege wider. Auch Alltägliches bekam für sie angesichts der Allgegenwart des Todes plötzlich und überraschend eine Bedeutung im Hinblick auf das Thema Tod.

Die Arbeiten sind nicht unbedingt aktuell. Sie beziehen sich auf inzwischen historische Situationen, die jedoch mit aktuellen Situationen vergleichbar sind. Die historische Distanz verändert die Beschäftigung mit den Themen; gerade das Vergleichen ermöglicht einen Erkenntnisgewinn.

Über die Künstlerin

Rana Matloub, wohnhaft in Kassel, wurde 1975 in Bagdad geboren und übersiedelte 1990 nach Deutschland. Sie studierte Kunstpädagogik an der Universität Dortmund und Freie Kunst an der Kunsthochschule Kassel. 2006 war sie Meisterschülerin bei Prof. Norbert Radermacher.

Seitdem realisierte sie zahlreiche Gruppen- und Einzelausstellungen im In- und Ausland. Von ihrem Ausgangspunkt Zeichnung aus arbeitet sie mit ortsbezogenen Installationen, in die oft Audio oder Video einbezogen werden. Sie widmet sich politisch und gesellschaftlich relevanten Themen wie Krieg, geschlechtliche Identität, Vielfalt der Kulturen und Religiosität.

Neben Ihrer Tätigkeit als selbständige Bildende Künstlerin war sie u.a. 2009-10 wissenschaftliche künstlerische Mitarbeiterin an der Kunsthochschule Kassel und arbeitete 2014-16 als freie Mitarbeiterin in der Kunstvermittlung am Fridericianum. Seit 2017 lehrt sie am Fachgebiet Kunst der Universität Erfurt.

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