tanz & tod
© Corinna Rosteck

 

25. Mai 2013 – 8. September 2013

Historische und aktuelle Choreografien zum Unausweichlichen          

Ganz gleich, in welchen Situationen Menschen tanzen, ob aus reiner Spontanität oder bei einstudierten Tanzchoreografien, ob im therapeutischen Setting oder beim öffentlichen Rave: ohne Einsatz des Körpers ist Tanz nicht möglich. Tanz ist ein Ausdruck der Lebendigkeit. Was aber hat Tanz mit dem Tod zu tun? In der Kunst sind Totentanz-Darstellungen schon seit dem 14. Jahrhundert bekannt:

Das Sterben gilt als letzter Tanz mit dem Tod. Doch die Bezüge zwischen Tanz und Tod sind weit vielfältiger und reichen über das klassische Genre hinaus. Die Faszination für das Thema scheint bei Künstler*innen und Publikum bis heute ungebrochen. Ausgehend von Totentanz-Grafiken aus der Sammlung des Museums für Sepulkralkultur spannt die Ausstellung tanz&tod einen Bogen von den darstellenden und bildenden Künsten bis zu Phänomenen der Alltagskultur. Entstanden ist eine Collage aus u. a. dokumentarischem Filmmaterial, Fotografien, Künstlervideos, Kunstinstallationen, Tanzsequenzen und Videoclips.

Ursprünglich waren Tänze reine Kulthandlungen und somit grundlegendes Element religiösen Handelns. In einer Welt, in der Feste und Rituale das Leben strukturierten, wurden Übergänge und Veränderungen mit Tänzen begleitet: Geburt, Initiation, Hochzeit – aber auch der Tod. Im Trauerzeremoniell vieler Kulturen spielt der Tanz eine wichtige Rolle, wie Beispiele aus Ghana, Mexiko, Tibet und Taiwan zeigen. Die Mexikaner*innen feiern einmal im Jahr den Día de los Muertos (Tag der Toten) ausgiebig mit Musik, Tanz und Speisen.

In einer Show der österreichischen Modedesignerin Lena Hoschek 2012 tauchten Motive des mexikanischen Totenfests wieder auf. Die Models verblüfften auf dem Laufsteg mit einem skurrilen Totenkopf-Make-up, das an die kultige Skelett-Dame und Symbolfigur La Catrina erinnerte. Ein moderner Totentanz?

Im Bereich der darstellenden Künste mit klassischem Ballett, Ausdruckstanz und Tanztheater ist das Thema Tod allgegenwärtig. Immer wieder wurden auch Sujets aus Mythologie und Kunstgeschichte in Choreografien neu bearbeitet. Die Ausstellung zeichnet die Entwicklungslinien seit 1900 schlaglichtartig nach und stellt eindrucksvolle Beispiele von Anna Pavlova, Mary Wigman, Kurt Jooss, Pina Bausch, Christian Spuck und Johannes Wieland vor. In einer assoziativen Gegenüberstellung werden die performativen Arbeiten überwiegend durch Tanzfotografien, Filmsequenzen und Bühnenbilder visualisiert.

Ein ganzer Raum ist dem Butoh gewidmet, einem Tanz zwischen den Kulturen, der seine Inspiration beim deutschen Ausdruckstanz fand. Sanzu no Kawa ist der Fluss, den die Menschen, der buddhistischen Tradition in Japan folgend, nach ihrem Tod durchqueren müssen, sagt der Butoh-Tänzer Tadashi Endo. Über den Tod und die Begegnungen mit Menschen auf der anderen Seite des Flusses erzählt der 64-Jährige, der durch Doris Dörries Film Kirschblüten-Hanami in Deutschland bekannt wurde, auch in seinem Tanz.

Die österreichische Künstlerin Anja Manfredi begreift den menschlichen Körper und seine Bewegung als System, das mit gesellschaftlichen Normen verwoben ist, hier in ihrer Fotoarbeit Re-Enacting (2007–2009). Die Künstlerin Marlen Seubert bringt in ihrer Installation Bewegte weiße Kleider-Objekte von ausdrucksstarker Eleganz in eine rhythmische Bewegung. Anknüpfungspunkte zur Bildhauerei bieten Arbeiten wie Gummitod I–III von Alfred Hrdlicka. Dieser Bronzeabguss einer ausgemeißelten Marmorskulptur ging in die Gestaltung der Grabstätte für seine verstorbene Frau ein. Das Motiv des Totentanzes taucht auch in Harry Kramers Film Die Schleuse wieder auf: mechanische, automobile Drahtskulpturen führen einen grotesken Totentanz auf.

Bei Ugo Dossis Videoprojektionen Danse Macabre sind es die grafischen Gesichter des Todes, die sich in Form von Piktogrammen in seinem Grabmal für die Künstler-Nekropole wiederfinden. An der Nekropole schließt sich der Kreis zum rituellen Totentanz mit dem Werk Schreittanz, nach Entwürfen des Künstlers und Architekten Werner Ruhnau.

Gezeigt wurden Arbeiten von:

Robert Budzinski, Ugo Dossi, Hosoe Eiko, Tadashi Endo, Valeska Gert, Alfred Hrdlicka, Tatsumi Hijikata, Angela Hiß, Lena Hoschek, Horst Janssen, Kurt Jooss, Harry Kramer, Anja Manfredi, Kazuo Ohno, Ulrike Rosenbach, Corinna Rosteck/Tanztheater Kassel, Thomas Rowlandson, Werner Ruhnau, Marlen Seubert, Christian Spuck/Stuttgarter Ballett Staatstheater Stuttgart, Bettina Stöß/Tanztheater Wuppertal Pina Bausch, Mary Wigman, Michael Wolgemut

 

Kooperationspartner:

Bali Kinos & Filmladen Kassel | documenta Archiv, Kassel

Galerie Melchior, Kassel | Staatstheater Kassel, Internationales Tanzfestival Kassel, Achim Rache

MAMU Butoh-Centrum, Göttingen | Akademie der Künste,

Berlin | Deutsches Tanzarchiv Köln SK-Stiftung Kultur

 

Das Projekt tanz&tod wurde gefördert durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und durch Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst Stadt Kassel | EKD Evangelische Kirche in Deutschland.

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Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V.

Zentralinstitut für Sepulkralkultur

Museum für Sepulkralkultur

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