Helden. Verehrt – verkannt – vergessen
Aber wer sind eigentlich diese Helden aus Stein? Wer hat sie gemacht?
Als am 9. Mai 1929 das Ehrenmal für die Helden des Ersten Weltkrieges eingeweiht wurde, führte die Darstellungsform des „Gefallenen“ in Kassel zu Irritationen. Ein Teil der Bevölkerung sah in der Figur die gefallenen Helden verunglimpft. Einzelne sprachen von „pazifistischem Dreck“ oder von der „Sautter-Leiche“. Die Nationalsozialisten erwogen sogar, die Skulptur zu beseitigen.
Als Pina und Via Lewandowsky 1992 ihren Vorschlag für die documenta IX präsentierten, hatten sich die Traditionsverbände mit dem „Gefallenen“ ausgesöhnt. Die Identifikation mit der Figur war mittlerweile so groß, dass gegen die künstlerische Aktion Klage eingereicht wurde. Die Gefallenen, so lautete der Vorwurf, würden durch das documenta-Kunstwerk verleumdet, was einer Grabschändung gleichkäme. Die Künstlerinnen verbargen Sautters Skulptur unter einer Kopie aus Paraffin, die heute im Museum für Sepulkralkultur zu sehen ist. Das formbare Material kann in diesem Zusammenhang als Analogie zu der Unzuverlässigkeit des menschlichen Erinnerungsvermögens stehen.
Die „Helden“-Führung beginnt als kleine Zeitreise im Museum für Sepulkralkultur beim documenta-Kunstwerk von Pina und Via Lewandowsky. Sie führt über das Mahnmal für die Opfer des Faschismus von Hans Sautter zurück zu seinem Ehrenmal am Hang zur Karlsaue. Dabei wird der Begriff des Helden, der sich im Umgang mit der Gedenkstätte und dem documenta-Kunstwerk zeigte, aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet.