- Ausstellungen gestalten
- Objekte suchen & erforschen
- Spiele spielen
- Das Museum erkunden
Rethink Rebuild Restart!
Rethink: Das Museum neu denken – im virtuellen Raum
3D Raum
In der virtuellen Welt ist vieles möglich, was im physischen Raum undenkbar wäre. Und vieles geht schneller, einfacher, ebenso wie Digitalität aber auch das Leben verkomplizieren kann. Um das Museum neu zu denken und Möglichkeiten auszuloten, haben wir daher einen virtuellen Zwilling erstellen lassen, der sich von seinem realen Abbild allerdings unterscheidet. Denn: der Ort, so getreu er auch nachgebildet ist, birgt die Möglichkeit, in kurzer Zeit Ausstellungen zu entwickeln, für die normalerweise jahre- oder monatelange Vorbereitung, Leihanfragen, Sockelbau und Unzähliges mehr nötig sind. Wer das virtuelle Museum betritt, wird mit einer Ansammlung von Exponaten, welche im realen Museum zu finden sind, zum Teil aber auch mit Heimsuchungen konfrontiert, die es im realen Raum gar nicht gibt: zum Beispiel einer blauen Blume, hinter der sich ein leise plätschernder Fluss verbirgt oder einer roten Tür, die aus dem Museum hinaus- und in ein jüdisches Trauerhaus hineinführt. Im Garten des virtuellen Museum steht übrigens etwas, das alle unsere Möglichkeiten im wirklichen Raum weit hinter sich lässt– und unser Vorstellungsvermögen herausfordert.
Basierend auf einem dreidimensionalen Raummodell des Museums können Besucher*innen und Interessierte die Ausstellungsräume und Sammlungsobjekte des Museums über Computer oder Tablet besuchen und erfahren. Dies kann unabhängig von einem Museumsbesuch passieren, aber auch in Kombination zur Vertiefung oder Vorbereitung eines Besuchs vor Ort. Zusätzlich zu den digitalen Räumlichkeiten können im virtuellen Depot auch Sammlungsstücke erforscht sowie eigene Ausstellungen kuratiert, gebaut und mit anderen geteilt werden.
1. Bestandsaufnahme: messen, messen, messen
2. Innenausstattung
3. Atmosphäre
3D Sammlung
1. Die Qual der Wahl: aus unseren 30.000 Objekten die ersten auswählen
2. Scannen, scannen, scannen
3. Datenerfassung muss sein
Rebuild: Mitmachen, mitdenken, gemeinsam neu gestalten
Memorabilia
Für die Verlustbewältigung bei einem Todesfall können bereits einfache Alltagsgegenstände sehr hilfreich sein, sogenannte “Memorabilia”. Ein Taschenmesser des Vaters, das den Sohn ständig begleitet, eine Uhr, Schmuck oder etwa ausgesuchte Kleidungsstücke vermögen Trost zu entfalten und das Gedenken an einen geliebten Menschen auf besondere Weise zu bewahren.
In Anlehnung an das bestehende Projekt „Memorabilia. Dinge, die Halt geben“ lädt das Museum für Sepulkralkultur dazu ein, mit eigenen Erinnerungsstücken und Anekdoten Teil der Museumssammlung zu werden. Unsere Mitarbeiter*innen nehmen Objekte, die Sie uns als “digitale Leihgabe” zur Verfügung stellen möchten entgegen und verwahren sie sicher im Depot, bis sie von uns per 3D-Scan digitalisiert werden können. Anschließend erhalten Sie eine Empfangsbestätigung und werden informiert, sobald Ihre Objekte digitalisiert wurden und Sie diese wieder mit nach Hause nehmen können. Ihr Erinnerungsstück wird so innerhalb der virtuellen Museumsumgebung auch für andere Besucher*innen sichtbar und erweitert die digitale Museumssammlung um ein wertvolles Stück Erinnerungskultur. Ihre Memorabilia können Sie außerdem mit ihren persönlichen Geschichten versehen, je nach Wunsch auch anonym.Es wird auch Gelegenheiten geben, Ihre Objekte direkt vor Ort selbst zu scannen. Wann solche öffentlichen Scan-Tage stattfinden, teilen wir hier regelmäßig mit! Oder Sie nehmen direkt mit uns Kontakt auf, wenn Sie ein Objekt haben, das Sie gerne teilen möchten.
Wo: Museum für SepulkralkulturWie: per Mail anmelden, Objekt mitbringen, scannen!
Afterlife
Nicht nur im Museum für Sepulkralkultur, sondern auch in Videospielen nimmt der Tod oft eine zentrale Rolle inmitten des Spielgeschehens ein. Kaum ein Game kommt ohne den Tod der Spielfigur aus. In den meisten Spielen ist der „in game death“ nicht etwa als Endpunkt gedacht, sondern zunächst nur als temporäres Hindernis. Eine Funktion, welche es den Spieler*innen ermöglicht, neue Herangehensweisen zum Überwinden von Problemen zu finden oder neue Methoden für das Meistern schwieriger Situationen anzuwenden. Auch das Ausprobieren alternativer Entscheidungen ist hierdurch möglich, teilweise sogar implizit von den Spieleentwickler*innen angestrebt. Manche Spiele bestrafen die Spielenden jedoch auch für mehrfaches oder sogar schon für einmaliges Versagen mit dem Löschen des aktuellen Spielstands und der Spielfigur, dem sogenannten Permadeath, nach dem das gesamte Spiel neu begonnen werden muss. All diese Ansätze geben den Spielenden durch ein direktes Feedback die Option, aus getroffenen Entscheidungen zu lernen und die eigenen Erfahrungen letztendlich für ein optimales Vorgehen zu nutzen. Eine Möglichkeit, die uns der reale Tod nicht gestattet.
Innerhalb des Projektes Rethink, Rebuild, Restart! entstehen unter dem Titel Aftlerlife künstlerische Auseinandersetzungen mit dem Tod im Medium des Computerspiels. Der Titel Afterlife spielt dabei sowohl auf die Frage nach dem, was nach dem Tod folgt (ein Jenseits, ein Nach-dem-Leben?) an, als auch auf das neue Museum, wie es aus der Sanierungs- und Umgestaltungsphase der Neukonzeption wieder hervortreten wird. Unter Afterlife entwickeln seit Anfang 2021 junge Künstler*innen der Klasse für Computerspiele an der Kunsthochschule Kassel eigene Spiele, die in der virtuellen Museumsumgebung eingebettet werden.
Der Tod als handlungstreibendes narratives Element und spielbestimmendes Motiv spielt daher bei allen im Rahmen von Afterlife entwickelten Arbeiten eine Rolle. Aus ganz unterschiedlichen Richtungen nähern sich die Studierenden den Thematiken und zeigen diverse Methoden der künstlerischen Auseinandersetzung und Aufarbeitung. Mit Sitting Shiva etwa beleuchtet Joshua Gundlach in seiner Arbeit eine jüdische Tradition im Umgang mit dem Tod von Angehörigen und das wortwörtliche Durchschreiten eines Trauerprozesses als hinterbliebene Person. Albert Gesk untersucht in seiner Arbeit hingegen die Fragen, was bleibt, wenn die Merkmale der physischen Existenz verschwinden, das Überdauern einer spirituellen Existenz nicht rational geklärt werden kann und wie das Erhalten der Erinnerung an einen Menschen hier die Angst vor dem Tod nehmen kann.
Die Frage, ob Videospiele als eigenständige Kunstform oder eher als interaktives Medium für künstlerisches Erzählen betrachtet werden können, wird nach wie vor, teilweise
durchaus kontrovers, diskutiert. Spätestens seit Bill Violas sogenanntem experimentellem „Art- Game“ The Night Journey (2007–2018) sind Games jedoch im kunstwissenschaftlichen Diskurs angekommen. Fernab etablierter bildender Künstler*innen setzt sich eine vielfältige Industrie mit der Entwicklung ganz eigener Ästhetiken, Form- und Bildsprachen auseinander und lässt so erzählerisch und visuell dichte digitale Werke entstehen, welche mit dem überholten Vorurteil seichter Nischenunterhaltung für Kinder rein gar nichts zu tun haben.
Joshua Gundlachs Arbeit Sitting Shiva thematisiert das Trauern einer Person, welche „Shiva sitzt“. Eine jüdische Tradition der Trauerzeit, in der die Hinterbliebenen eine Woche nach der Beisetzung einer geliebten Person zu Hause bleiben, sich nicht mit professioneller oder häuslicher Arbeit beschäftigen sollen und sich während dieser Zeit auf das Trauern konzentrieren können. Freunde und die Gemeinde kommen in dieser Zeit zusammen, um die Trauernden zu unterstützen, zu trösten und zu signalisieren, dass Sie in ihrem Schmerz nicht alleine sind. Zu den Trauerriten gehört ebenfalls das gemeinsame Sprechen spezieller Gebete.
In Sitting Shiva taucht die spielende Person in die Rolle einer trauernden Person ein, welche die psychischen Effekte der Trauer in allegorischer Weise in durchschreitet und nach einem Ausgang, dem Ende der Trauerzeit sucht. Wie der Zustand der Trauer selbst folgt auch die Spielumgebung von Sitting Shiva dabei nicht immer den physischen Regeln von Raum und Zeit.Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenAls gedankliche Ausgangslage für Yifan Zhous Memory Bouquet dienten mit Wachs überzogene Blumensträuße einer Friedhofsgärtnerei der Künstlerin Karoline Bräg.
Wie die wächsernen Blumensträuße bleiben Erinnerung an Verstorbenen in Ihrer Form und Bedeutung erhalten, auch wenn Farben, Intensität und Klarheit im Laufe der Zeit verblassen. Die Grabblumen repräsentieren dabei ebenfalls den Kummer und die Sehnsucht der Hinterbliebenen, als auch das Gedenken an die geliebte verstorbene Person. Gleichzeitig verwebt Zhou traditionelle chinesische Aspekte im Umgang mit dem Tod in ihre Arbeit ein. Kleine Wasserlilien können mit Nachrichten versehen und in den Fluss gelegt werden. So entsteht ein intimer Trauerraum, der nur für die Person sichtbar ist, die ihn angelegt hat. Ob die kurzen Nachrichten dabei einen Dialog, eine Erinnerung oder auch nur den Namen einer verstorbenen Person enthalten, ist dabei freigestellt. Der Wachsfluss wird zu einem digitalen Kondolenzbuch in dem Betrachter*innen die Möglichkeit haben, noch einmal Verbindung zu geliebten Verstorbenen herzustellen, Ungesagtes zu teilen oder Anteil an der Trauer Anderer zu nehmen.
Albert Gesk setzt sich in seiner Arbeit Desperate Attempt mit der grundlegenden Frage nach dem persönlichen Umgang mit Tod und Vergänglichkeit auseinander. Was bleibt nach dem Tod einer Person und ihrer Identität übrig, wenn sie nicht an ein Jenseits oder eine Existenz nach dem Tod glaubt? Was macht eine Person unsterblich? Sind es die Erinnerungen der Verbliebenen, nachdem die physischen Beweise eines Lebens nicht mehr existieren? Gibt es eine Möglichkeit einen dauerhaften Abdruck der eigenen Existenz für die Nachwelt zu hinterlassen und könnte eine solche Option die Angst vor der eigenen Vergänglichkeit nehmen?
In Desperate Attempt erklimmen Spieler*innen eine Treppe über den Dächern Kassels. Diese schraubt sich um einen fremdartigen Monolithen, welcher das Ziel der Spielenden ist. Auf jeder neuen Etage werden die Spielenden mit Fragen zur ihrem persönlichen Umgang mit dem Tod konfrontiert. Erreichen Spieler*innen das Ende des Weges, können sie selbst eine überdauernde Nachricht auf der Oberfläche des Monolithen hinterlassen. Doch was wollen wir unserer Nachwelt hinterlassen und lässt sich die Essenz eines Daseins in 300 Zeichen fassen?
Wie der Name bereits verrät, handelt es sich beim “Quiz des Todes” um ein klassisches Quiz, welches den Besucher*innen die Möglichkeit bietet, ihr Wissen zu den Themen des Museums für Sepulkralkultur zu testen. Die Idee ergab sich aus einer Recherche zum Thema Tod, aus welcher eine Menge interessanten Wissens, aber auch „Fun Facts“ hervorgingen. Wer schonmal im Museum war, hat sicher einen Vorteil, aber auch für alle anderen gibt es knifflige und weniger knifflige Fragen – und vor allem ausführliche Erläuterungen zu den richtigen Antworten.
Löchrig, zerschlissen, verknittert: Das ist es vermutlich, was den Stil dieses Spiels am besten beschreibt. Für den Friedhof wurden die Lutherkirche in Kassel und umliegende Grabsteine mithilfe von Photogrammetrie (auf Grundlage vieler Fotos eines realen Objekts wird ein digitales Abbild erstellt) „eingescannt“. So entstand eine lokal bekannte, atmosphärische Umgebung, die den Rahmen für drei gegeneinander antretende Figuren schafft.
Mitmachen für Schulen
Schulklassen von Grundschule bis Berufsschule lernen und forschen bei uns seit 30 Jahren. Mit dem virtuellen Museum gibt es nun ganz neue Möglichkeiten. Die Schüler*innen können sich vor Ort im Museum IPads ausleihen und mit diesen das virtuelle und das reale Museum zugleich erkunden. Sie können digital mehr über die Exponate erfahren, die sie real finden können oder eigene Ausstellungen kuratieren. Hierfür können Themen aus dem Religions-, Ethik- oder auch Geschichtsunterricht Anreize geben. Vielleicht befasst sich aber auch die Schulklasse mit Digitalität und Digitalisierung? Immerhin sind dies Themen, die momentan verstärkt viele Innovationen, Veränderungen aber auch Fragen hervorrufen.
Wenn Sie das Museum nicht vor Ort besuchen können oder wollen, kann das Projekt selbstverständlich auch vollkommen digital stattfinden. Das virtuelle Museum kann über jeden Webbrowser genutzt werden. Zudem bieten wir schon länger auch Online-Führungen oder -Seminare an, sodass auch Schulstunden auf diese Weise möglich geworden sind – und für Lehrer*innen und Schüler*innen in den letzten Monaten alltägliche Realität.
Gemeinsam mit Schulen möchten wir auch das Lehr- und Lernangebot mit der neuen virtuellen Museumsversion stetig erweitern. Daher freuen wir uns auch über engere und längerfristige Partnerschaften zum gemeinsamen Entwickeln und Erweitern.Wenn Sie als Schulleiter*in, Lehrer*in oder auch Schülersprecher*in gerne mit uns am virtuellen Museum arbeiten wollen, kontaktieren Sie uns.
Wir freuen uns auf Ihre Fragen und Ideen!
Restart: umbauen, entstauben, erweitern und neu eröffnen!
Neukonzeption
Wir bauen das Museum und die Dauerausstellung um – und proben schonmal virtuell!
Das Museum wird Ende 2023 geschlossen und von Grund auf saniert, modernisiert und vor allem mit einer neuen Dauerausstellung ausgestattet. Denn: Die bisherige Dauerausstellung dauert schon zu lange. Sie bildet nicht ausreichend die Sepulkralkultur unserer Gesellschaft ab, in der neben neuen Wegen der Friedhofs- und Grabmalgestaltung und des Umgangs mit Trauernden auch der Einfluss von Migration auf die religiöse und kulturelle Vielfalt oder aktuelle Erkenntnisse der Medizin sich unmittelbar bemerkbar machen und transformative Prozesse in Gang bringen und brachten.
Das Museum für Sepulkralkultur ist ein Ort, der für alle gedacht ist. Es ist eine Plattform des Austauschens, Forschens und Vermittelns und natürlich der kontinuierlichen Erweiterung seiner Bestände zum Zweck einer immer am Zeitgeschehen teilhabenden Ausstellungsarbeit. Daher erleben wir es als logische Konsequenz, auch alle, die dies gern möchten am Vorhaben der Neukonzeption der Dauerausstellung mitwirken zu lassen.
Das Programm „Rethink, Rebuild, Restart!” steht für den Prozess hin zu diesem neuen Museum. Wir überdenken, gestalten neu und starten dann 2025 mit einer nagelneuen Dauerpräsentation.In einem Jahr haben wir nun das Museum virtuell nachgebaut und begonnen, unsere Bestände mit 3D-Technik zu virtualisieren. Junge Künstler*innen haben kleine oder größere Games entwickelt, die die digitalen Räume beleben. Und wir haben eine Schnittstelle geschaffen, über die alle, die Lust haben, ihre eigene Vorstellung von einer interessanten Ausstellung im Museum für Sepulkralkultur zu teilen, genau dies tun können. Kurzum, jede*r kann nun mit uns fragen: Wie kann die neue Dauerausstellung im Museum für Sepulkralkultur aussehen? Welche Themen sind essenziell?
In der Anwendung können wir Objekte zur virtuellen Sammlung hinzufügen, die wir bisher vielleicht vermisst haben. Wir können uns in die ästhetische Welt der künstlerischen Games mitnehmen lassen und ein jüdisches Trauerhaus betreten oder letzte Gedanken miteinander ins All schießen. Und wir können Ausstellungen mit den Exponaten der digitalen Sammlung gestalten, Wandtexte schreiben und uns ansehen, welche Ideen und Ansätze andere Besucher*innen des virtuellen Museums umgesetzt haben. All das hilft uns, das Museum nach den Bedürfnissen vieler umzugestalten.Förderer & Partner*innen
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