8. Oktober 2026 | 9.30 – 17 Uhr
Kosten:
160 €
Anmeldung über hering@sepulkralmuseum.de
Die Friedhofsverwalter*innentagung 2026 befindet sich in Planung. Thema und Programm der Tagung finden Sie zu gegebener Zeit an dieser Stelle.
Veranstaltet von der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e. V. und dem Zentralinstitut und Museum für Sepulkralkultur, Kassel
Donnerstag, 9. Oktober 2025, von 9.30 – 17 Uhr
Museum für Sepulkralkultur, Weinbergstraße 25 -27, 34117 Kassel
Friedhofsverwalter*innen, Beauftragte für die Digitalisierung von Friedhöfen, Mitarbeitende in der Verwaltungsdigitalisierung, Mitarbeitende im Bereich Öffentlichkeitsarbeit für Friedhöfe
Durch Impulsvorträge Einblicke gewinnen in digitale Techniken in der Friedhofsverwaltung, für den Kundenservice, für Öffentlichkeitsarbeit und Bewirtschaftung des Friedhofs. Digitale Tools sinnvoll in die Friedhofsverwaltung integrieren. Eindrücke gewinnen, wie KI die Trauerkultur verändern könnte.
Die Friedhofskultur in Deutschland befindet sich im Wandel. Veränderungen in der Bestattungskultur, demografische Entwicklungen sowie steigende Anforderungen an Transparenz und Effizienz stellen Friedhofsverwaltungen vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig eröffnen digitale Werkzeuge neue Möglichkeiten, um Prozesse zu optimieren, Ressourcen nachhaltiger zu nutzen und den Service für Bürger*innen zu verbessern. In unserer Tagung wollen wir einen praxisnahen Blick auf die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung in der Friedhofsverwaltung werfen.
Folgende Themenfelder stehen im Fokus:
Digitalisierung und Verwaltung: Wie verändern digitale Tools die tägliche Verwaltungsarbeit? Welche Potenziale bieten digitale Pläne, Terminplanungstools und automatisierte Prozesse für eine effiziente Organisation? Wie gehen Friedhofsverwaltungen die Umstellung in der Praxis an?
Digitalisierung und Service: Können digitale Angebote den Kontakt zur Friedhofsverwaltung vereinfachen? Was braucht es, um Friedhöfe virtuell zu erkunden und Gräber online zu (be)suchen?
Digitalisierung und Öffentlichkeitsarbeit: Friedhöfe sind nicht nur Orte der Ruhe, sondern auch der Begegnung mit Geschichte und Kultur. Welche Rolle spielt die digitale Kommunikation – etwa über Websites, soziale Medien oder virtuelle Rundgänge – in der öffentlichen Wahrnehmung und im Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern?
Smarte Bewirtschaftung: Wie kann die Bewirtschaftung des Friedhofs von automatisierter Technik profitieren? Und worauf ist dabei zu achten?
Digitalisierung und Trauerkultur: QR-Codes am Grab, digitale Gedenkseiten oder Kondolenz online – digitale Formen der Erinnerungskultur verändern das Trauern. Welche Bedeutung haben diese Entwicklungen für den Umgang mit Verlust und für die Gestaltung von Friedhöfen als Orte des Gedenkens? Und wie könnte KI die Gedenk- und Trauerkultur verändern?
Die Friedhofsverwalter*innentagung bietet Raum für Fachvorträge, Praxisbeispiele, Austausch und lebendiges Netzwerken. Ziel ist es, gemeinsam Perspektiven für eine zukunftsorientierte Friedhofsarbeit zu entwickeln, die digitale Möglichkeiten sinnvoll integriert – ohne die emotionale und soziale Dimension der Friedhöfe aus dem Blick zu verlieren.
Veranstaltet von der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e. V. und dem Zentralinstitut und Museum für Sepulkralkultur, Kassel
Von Stefanie Saur
Die Digitalisierung ist in vielen Lebensbereichen angekommen, in welchen hat sie bei den Friedhofsverwaltungen Einzug genommen? Wo macht sie Sinn, entlastet das Team, schafft neue Zeiträume? Spart man durch sie Mitarbeiter ein oder schafft sie mehr Raum und Zeit für Beratung und Marketing und generiert damit letztlich mehr Einnahmen? Was ist die Rolle der Digitalisierung und wo hat sie sich bereits in der Praxis erfolgreich durchgesetzt? Gerold Eppler und Dr. Dagmar Kuhle von der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal hatten zu den Themenfeldern Digitalisierung und Verwaltung, Service, Öffentlichkeitsarbeit, Trauerkultur und smarte Bewirtschaftung neun Vortragende aus ganz Deutschland nach Kassel eingeladen: Zur Friedhofsverwalter*innen-Tagung im Museum für Sepulkralkultur am 9. Oktober 2025 reisten über 40 externe Gäste aus der gesamten Bundesrepublik an, darunter zahlreiche Mitarbeiter*innen von Verwaltungen und aus weiteren Branchen. In zehn Impulsvorträgen wurden Chancen, Herausforderungen und praktische Ansätze im Umgang mit digitalen Technologien vorgestellt und diskutiert.
Gerold Eppler, stellvertretender Direktor im Museum für Sepulkralkultur, eröffnete die Tagung mit dem Hinweis auf eine Studie, nach der ein hoher Anteil der Bevölkerung erwartet, dass Verwaltungsangebote genauso bequem online nutzbar sein sollten wie in der Wirtschaft. Da diese Erwartungvon vielen Kommunen aufgrund von Fachkräftemangel und fehlender finanzieller Mittel nicht erfüllt werden kann, bedarf es der Eigeninitiative, Kreativität, Engagement und Begeisterungsfähigkeit, so sein Credo. Wie genau das in Bezug auf Digitalisierungsprozesse gehen kann, zeigten ganz konkret die Impulsvorträge aus Großstädten wie Mannheim und Hamburg wie auch kleineren Kommunen wie Rietberg und Hemer.
Markus Falk, Standesbeamter und Friedhofsverwalter der Stadt Hemer und leidenschaftlicher Digitalisierer, zeigte im ersten Impulsvortrag, mit welchen konkreten Schritten die Friedhofsverwaltung Hemer ab 2014 die Digitalisierung vorbereitete und es geschafft hat, heute im gesamten Fachbearbeitungsprozesses papierlos zu arbeiten. Er erklärte: „Herausforderungen: Die technische Infrastruktur muss mitwachsen, die Mitarbeiter, interne und externe Partner müssen mitgenommen werden, dann sollte man einen Kostenrahmen setzen und das Projekt auf mehrere Jahre in den Haushalt einstellen.“ Der klare Fokus lag hierfür auf einer Priorisierung, welche Bereiche aufeinander aufbauend digitalisiert werden sollten und auf einer passenden, individuellen Software-Lösung zur Umsetzung. „Die Chancen: Kosteneinsparungen, effiziente Prozesse, mehr Zeit für Kunden und vor allem: zufriedenere Kunden durch transparente und zuverlässige Prozesse“, fasst Markus Falk zusammen. Sein Team entschied sich für den individuellen Softwareanbieter Gisme (Senden). „Wir haben durch die Digitalisierung Zeit gewonnen und können diese Zeit wieder in den Kundenservice und ins Marketing investieren,“ so sein Fazit. Die restlichen Akten wurden im letzten Schritt eingescannt und als PDF archiviert.
Dr. Michael Albrecht, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Verband der Friedhofsverwalter Deutschlands e.V. und Inhaber des Planungsbüros entera, ist Experte für Friedhofsentwicklungsplanung, Umweltplanung und IT. Digitalisierung ist für ihn eine wichtige Basis für das Friedhofsmanagement und die -entwicklungsplanung. „Der Friedhof ist viel mehr als reine Grabverwaltung, er ist kommunale Daseinsvorsorge“, so Albrecht. Seine Vision: Um Daten für alle Friedhofträger nutzbar zu machen, könnten alle Planungsdaten –also Sachdaten und Geodaten sowie das geografische Informationssystem (GIS) – aktiv in die Verwaltungsplanung integriert werden. Das Ergebnis sei ein zentraler Datenpool mit Zugriffsmöglichkeiten für weitere Fachstellen wie Baumschutz, Wegeplanung, Grünpflege, Tiefbau etc. „Dafür brauchen wir offene Schnittstellen“, so Albrecht. Sein Fazit: „Ich kann keine Planung machen, wenn ich keinen digitalen Plan habe.“ Aus seiner Sicht lohne sich die Digitalisierung auch für kleine Friedhöfe, sagte er auf Nachfrage.
Niclas Thiele, zuständig für Friedhöfe und Bestattungen bei der Stadtverwaltung Rietberg in Nordrhein-Westfalen, stand 2018 mit seinem Team vor der Situation, dass die katholische Kirchengemeinde der Kommune die Friedhofsträgerschaft übertrug. Für ihn und sein junges Team war klar: „Wir setzen mit einem One Place Management von Anfang an auf digitale Friedhofssoftware.“ Niclas Thiele erklärte, wie die Friedhofsverwaltung Rietberg es mit konsequenter Digitalisierung geschafft hat, Gebühren langfristig zu senken. Die Anforderungen des Teams an die Friedhofssoftware: Sie soll eine übersichtliche Struktur bieten, die Terminfestsetzung soll via digitalem Kalender erfolgen, die Gebührenberechnung im System, die Schnittstellenübergabe von Abrechnungen via Export an die Stadtkasse, ein GIS für die städtischen Friedhofsflächen soll integriert sein und die Flächenbedarfsplanung soll aus dem System erfolgen. Das Team von Thiele benutzte dazu weiter die Friedhofsverwaltersoftware HADES X. Die Verwaltungsarbeitsplätze wurden digitalisiert und die Arbeitsprozesse damit optimiert. Klar wurde: Digitalisierung spart Zeit. „Wir erreichten damit nahezu 50 Prozent Zeitersparnis in den einzelnen Geschäftsfeldern“, so das Fazit von Niclas Thiele. Weitere Einflüsse auf die Kosten sind üblicherweise die Anzahl der Bestattungen, die Fixkosten für die Unterhaltung, die Flächenbedarfsplanung und die Entgelttarife für die Angestellten. Gleichzeitig hat das Team ein Maximum an Grabarten im Angebot. So entstanden durch die Digitalisierung letztlich „mehr Einnahmen durch verbesserten Service und Marketing.“
Dr. Hedda Scherres arbeitet seit fast 20 Jahren in der Unternehmenskommunikation bei den Hamburger Friedhöfen mit dem Schwerpunkt Online-Kommunikation. Denn hier ist bereits dies möglich: Die Kundin oder der Kunde kommen in einen Online-Shop und kaufen ihr Wunschgrab per Mausklick. Hedda Scherres beschrieb den Weg dorthin: Die als selbst wirtschaftende Einheit organisierten Friedhöfe wurden bereits früh in Bezug auf die Öffentlichkeitsarbeit digitalisiert. 2009 gab es für den Internetauftritt der sieben Friedhöfe auf www.friedhof-hamburg.de einen Relaunch. Auf Social Media mit Facebook gestartet, kam später YouTube dazu, LinkedIn für die Zielgruppen Pressevertreter, Behörden und Gewerke sowie Instagram. Mit allen Friedhöfen, Krematorien, Kapellen und Feierhallen haben die Hamburger Friedhöfe heute 29 Einträge bei Google, die via Social Hub gemanagt werden. Außerdem werden die Zielgruppen 4-mal pro Jahr via eines Newsletters mit relevanten Infos versorgt. Seit April 2021 gibt es für die rund 220 Mitarbeiter ein Social Intranet. Wie es zu dem Grabkauf online kam? Da war ein Bedarf zur Vorsorge und Grabreservierung. Heute kann man auf der Website unter dem Reiter „Vorsorge“ den Link „Grabkauf online“ anklicken. Unter der Seite „Online-Grabanlagen“ kommt man auf 17 verschiedene Themengrabstätten und Grabformen, die jeweils anklickbar sind. Man kann aber auch verschiedene Filtersysteme für die optimale Auswahl nutzen, etwa, ob das Grab wassernah, pflegefrei, unter Bäumen u.v.m. ist. Jede Grabform ist mit einem so genannten Onepager hinterlegt, auf dem alle relevanten Infos dazu präsent sind. Ist die Auswahl des Kunden getroffen, wird hier ein Preis errechnet. Kommt es dann zu dem online-Kauf, geht eine Mail an den Kunden und eine zum Berater. Das System hatte Erfolg: Im ersten Jahr gab es 193 Buchungen, erzählt Hedda Scherres. „Es spart viel Zeit in der Beratung.“ Denn der Kunde bekommt auf der Website bereits sehr gut aufbereitete Informationen präsentiert. Das ist auch die Voraussetzung dafür, dass er bereits dort eine passende und gute Kaufentscheidung treffen kann.
Markus Falk von der Stadt Hemer zeigte, wie die Möglichkeit eines digitalen Friedhofrundgangs mit 360-Grad-Bildern die Arbeit für Friedhofsverwaltungen, externe Partner wie Bestatter, Steinmetze, Friedhofsgärtner und Kunden erleichtern kann. Sie ermöglicht die Lokalisierung und Visualisierung von Grabstätten, Feierhallen und Kapellen, ohne eine Sichtung vor Ort vorzunehmen. Auch die Suche nach Gräbern ist dadurch möglich. Allerdings empfahl Falk, die Fotos alle zwei Jahre auf Aktualität zu überprüfen und gegebenenfalls durch neue zu ersetzen.
Elisabeth Dietz, Referentin für Online-Kommunikation und Digitale Medien bei der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e. V., Kassel, erläuterte, wie Friedhofsverwalter*innen ihren Friedhof von der Pike auf mit Instagram öffentlichkeitswirksam präsent machen können. Alles beginne mit den Vorbereitungen – mit Recherchen zu anderen relevanten Accounts, zu Institutionen, mit denen man zusammenarbeitet, zu Accounts mit ähnlichen Themen, zu Medien und der Stadt/Kommune, rät Dietz. Auch auf z. B. diese Fragen sollte man Antworten finden: Welche Zielgruppen möchte ich erreichen? Welche Sprache sprechen diese Menschen? Welchen Accounts folgen sie? Für welche Themen interessieren sie sich (noch)? Und welche Formate und Inhalte sprechen sie an? Erst danach gehe es an das Anlegen des Accounts. Auch hierfür gab es Tipps, ebenso wie zu den Fragen: Wie baue ich ein tragendes Netzwerk auf, das sich gegenseitig potenziert? Welchen Regeln folgt der Algorithmus? Mit welchen konkreten Mitteln bekomme ich Reichweite? Bewährte Hilfsmittel für die Produktion der Beiträge sind die Apps Canva und Capcut. Auf die Frage: Wie viel Zeit sollte ich zu Beginn für Insta einkalkulieren? war die Einschätzung, eine Stunde pro Tag sei zu Beginn ein gutes Investment. Und dabei „am besten feste, einfache Formate verwenden, einen Redaktionsplan pflegen, lieber seltener, aber dafür regelmäßig posten und nach Möglichkeit Beiträge vorproduzieren“, so Elisabeth Dietz.
Alexander Koslov von der Friedhofsentwicklungsplanung Friedhöfe Mannheim zeigte anhand seines Vortrags Ein nahezu perfekter Internetauftritt, wie der Eigenbetrieb in Mannheim mit dem modularen Aufbau ihrer Website gleichzeitig für Barrierefreiheit und für nutzerfreundliche Bedienung sorgt. Der Eigenbetrieb bewirtschaftet 10 aktive Friedhöfe, bietet 70.000 Grabstätten und hat 100 Mitarbeitende. 2018 gab es ein Relaunch der Website. Die Klarheit und der modulare Aufbau der Website ermöglicht nun eine einfache Navigation durch die Seiten. Onlinedienste wurden integriert. Die Rubriken Friedhöfe, Krematorium, Bestattungen leiten konsequent durch die Seiten. Mit der Software HADES X wurde digitalisiert, es gibt PDFs und Formulare zum Download und einen digitalen Bestattungskalender, der, so Koslov, am meisten Aufrufe verzeichne. Friedhofsrundgänge werden angeboten, auch mit dem Besuch von Gräbern Prominenter, es können Patenschaften für historische Grabstätten übernommen werden, es gibt die Möglichkeit für Bank- oder Baumspenden. Neu ist die Seite zur insektenfreundlichen Grabbepflanzung. Voraussetzung für die modulare Website sei eine gute Qualität von Fotos und eine gelungene Auswahl von Motiven.
Nina Lachenicht, Sachgebietsleiterin für mehrere Länder beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., brachte spannende Ergebnisse zum Thema „Smarte Bewirtschaftung“. Sie erläuterte die Ergebnisse und Erkenntnisse aus zwei Feldversuchen mit Mährobotern auf Kriegsgräberflächen in Neuville-Saint-Vaast in Frankreich aus dem Jahr 2023. Zwei verschiedene Mähroboter wurden auf verschiedenen Abschnitten der insgesamt 4.000 Quadratmeter großen Fläche getestet: Das Modell Honda Miimo HRM 3000 LIVE und der STIHL iMOW 7 EVO. Beide Modelle wurden jeweils 8-10 Stunden tagsüber betrieben, beide wurden auf 45 mm Schnitthöhe eingestellt. Das Fazit: Es gab 44 Vorfälle aufgrund von Struktur des Friedhofs, Wetter, Biodiversität, und durch menschliches Eingreifen. Im Herbst wurde beim zweiten Feldversuch mit zwei Honda Mährobotern das Mähverhalten bei Laubeinfall getestet. Learnings aus beiden Feldversuchen: Grundvoraussetzung ist eine Stromquelle, die hohe Qualität der Internetverbindung sowie Personal vor Ort. Denn es sind Eingriffe durch Personal nötig bei der Vorbereitung der Fläche, zur Programmierung des Roboters, zur Wartung sowie zum Ingangsetzen bei Verkeilung und Verschlammung oder einer Kollision mit einem Grabzeichen. Und: Je geringer der Baumbestand, desto weniger Vorfälle gab es. Auch zeigte sich, dass batteriebetriebene Modelle sowie solche mit schwenkbaren Messern besser abschnitten. Es gilt auch, Wetterbedingungen und die heimische Fauna zu berücksichtigen. In jedem Fall empfehle sich auch ein Diebstahlschutzsystem. „Fragen Sie zur Auswahl des Modells einen Fachmann an“, riet Nina Lachenicht. Die fachliche Auseinandersetzung mit den Standortbedingungen sei schließlich ausschlaggebend. Zu den Kosten: Hätte man die Fläche mit Mährobotern pflegen wollen, hätte man eine Flotte von 25 Exemplaren gebraucht und dafür eine Summe von rund 81.000 Euro in die Hand nehmen müssen.
Christoph Keldenich, Vorsitzender und Geschäftsführer von Aeternitas e. V. (Königswinter) gab Einblicke in Geschichte und die juristische Betrachtungsweise im Umgang mit QR-Codes auf Grabmalen. Ein Kölner Steinmetz hatte 2011 mit einem auf einem Grabstein eingearbeiteten QR-Code in Kreuzform den Stein hierfür ins Rollen gebracht. Die Debatte begann, denn ein QR-Code machte den Friedhof digital. Es kam bei den Verantwortlichen die Unsicherheit auf, die hinterlegten Inhalte nicht kontrollieren zu können. In der Stadtverordnetenversammlung wurde diskutiert, in die Friedhofsverwaltungsordnung einen Passus einzufügen, der die Einbringung von QR-Codes bei der Gestaltung von Grabstätten grundsätzlich untersage. Doch die Überlegungen erledigten sich Anfang 2014, denn im November 2013 hat der Deutsche Städtetag seine Empfehlung abgegeben: Die Installation von QR-Coden werde zukünftig zum Bestandteil des Grabmalantrags und der -genehmigung. Der Antragssteller habe den Inhalt der hinterlegten Internetseite zum Zeitpunkt des Antrages vollständig abzugeben. Der Code sei als Grabmalinschrift / -gestaltung zu werten. Eine Kontrolle des QR-Codes findet nicht statt. Christoph Keldenich zeigte, wie der Umgang mit QR-Codes heute unter dem Punkt Haftung und Zustimmungserfordernis rechtssicher in die Friedhofssatzung zu integrieren ist.
Mirco Spiegel ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität Dortmund, Fakultät für Sozialwissenschaften, Wissenschafts- und Techniksoziologie. Er gab einen Ausblick, wie künstliche Intelligenz die Trauerkultur beeinflusst und welche Möglichkeiten sie eröffnet. Sein Promotionsprojekt befasst sich u. a. mit KIs im Bereich des Digitalen Weiterlebens. Mirco Spiegel schl ug den Bogen vom Medium in der Séance und der spiritistischen Deutung zur Erklärung sich manifestierender Phänomene des 19. Jahrhunderts hin zum technischen Medium auf (Abbildung von Personen) und fernab des Friedhofs (Todesanzeige in der Zeitung) und schließlich zur Nutzung von virtuellen Räumen wie die einer virtuellen Gedenkseite. Der Aschediamant als Bedürfnis nach der „Bildung eines zweiten Körpers als kognitive Leistungen der Überlebenden, geknüpft an materielle Bezugspunkte und Bilder“ ist heute möglich. Auch wichtig zu wissen: Datenschutzrechte gelten für die Lebenden, nicht jedoch für Tote. Auch das macht digitales Weiterleben möglich. Apps wie HereAfter AI können mit Geschichten eines Menschen und dessen Stimme „gefüttert“ werden und stehen nach dem Tod der Person der Familie weiterhin zur Verfügung. Die Systeme der KI entwickeln sich immer weiter durch Interaktion und Feedback. Die Virtual Reality lässt Menschen virtuell wieder auferstehen. „Wie das Medium in der Séance wirkt auch die KI auf die Situation mit ein“, so die Schlussfolgerung von Mirco Spiegel.
Die nächste Friedhofsverwalter*innentagung ist für den 8. Oktober 2026 geplant.
Veranstaltet von der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e. V. und dem Zentralinstitut und Museum für Sepulkralkultur, Kassel
Über viele Jahrzehnte wurden Friedhöfe sowohl von Kirchen als auch von Kommunen zur Verfügung gestellt. Mittlerweile unterliegt die Trägerschaft einem Wandel: Immer häufiger wechseln kirchliche Friedhöfe in die kommunale Hand. Was ändert sich damit für den Betrieb der Friedhöfe? Wie läuft eine Übernahme ab? Können die Gründung eines Friedhofswerkes oder der Beitritt in einen kirchlichen Friedhofsverbund eine Alternative sein?
Die diesjährige Tagung der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal richtet sich an Friedhofsverwalter*innen. Sie treffen dort auf Expert*innen, die gegenwärtige Fragen rund um die Trägerschaft diskutieren und Ihnen mit ihrer Expertise beratend zur Verfügung stehen.
Katholische und evangelische Träger übernehmen mit der Bereitstellung kirchlicher Friedhöfe für die Kommune einen wichtigen Aspekt in der allgemeinen Daseinsvorsorge. Sie stellen allen Bürger*innen einer Gemeinde einen Friedhof bereit – auch jenen, die nicht einer der beiden Konfessionen angehören. Viele kirchliche Friedhöfe sehen sich oftmals nicht mehr in der Lage, ihre Aufgaben als Friedhofsträger vollumfänglich erfüllen zu können. Sie stehen im Begriff, ihre Autonomie zu verlieren. Insbesondere in einem säkularen Umfeld müssen sich kirchliche Friedhöfe beweisen. Im Extremfall kann die Übernahme eines kirchlichen Friedhofs durch die Kommune sinnvoll erscheinen. Musterhafte Lösungen gibt es für dieses Problem nicht – dafür sind die Voraussetzungen auf den entsprechenden Friedhöfen zu unterschiedlich.
Ist ein kirchlicher Friedhof für die jeweilige Glaubensgemeinschaft identitätsstiftend, könnte mit der Übernahme eine wichtige Identifikationsmöglichkeit verloren gehen. Werden im anderen Fall Mittel und Wege gefunden, kirchliche Friedhöfe durch neue Formen der Verwaltung zu erhalten, müssen regionale Eigenheiten der einzelnen Friedhöfe in ein gemeinschaftliches Konzept integriert werden.
Für den 10. Oktober 2024 haben wir Referent*innen mit Erfahrungen zur Praxis und zur Theorie eingeladen, um über gegenwärtige Herausforderungen in der Verwaltung kirchlicher Friedhöfe zu sprechen. Sie schildern, wie sich der Wechsel der Trägerschaft gestalten lässt, welche Lösungen es gibt, um beispielsweise durch neue Formen der Verwaltung kirchliche Trägerschaft beizubehalten, und welche Möglichkeiten einer gemeinschaftlichen Zusammenarbeit denkbar sind.
Veranstaltet von der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e. V. und dem Zentralinstitut und Museum für Sepulkralkultur, Kassel
BLEIBEN, ANDERS WERDEN ODER GEHEN?
Von Dagmar Kuhle und Anna Lischper
Rund 30.000 Friedhöfe gibt es in Deutschland, 3600 davon sind katholisch, 7900 evangelisch und weitere befinden sich in kommunaler Trägerschaft. Den 11.500 von Kirchengemeinden getragenen Friedhöfen widmete sich die diesjährige Tagung für Friedhofsverwalter*innen im Museum für Sepulkralkultur. Das Thema: „Übernahme kirchlicher Friedhöfe: Das Dilemma der Trägerschaft“ zog rund 70 externe Gäste aus der gesamten Bundesrepublik an, darunter zahlreiche Mitarbeiter*innen von Verwaltungen, Kirchengemeinden sowie Bestatter*innen und weitere Interessierte.
Als Gemeinschaft vereint auf den jüngsten Tag der Auferstehung warten – ein Gedanke, der einst zur Bildung gemeinschaftlicher Grabstätten führte, ist heute längst nicht mehr der einzige Grund für Kirchengemeinden, einen Friedhofsbetrieb größtenteils ehrenamtlich weiterzuführen. Identifikation, die geografische Lage, die Einbettung in die dörfliche und teils familiale Struktur sind weitere Gründe für den Bedarf an kirchlichen Friedhöfen. Aber: Vielerorts haben Kirchengemeinden große Probleme, ihre stark auf Verwaltung ausgerichteten Aufgaben zu erfüllen.
Wie steht es um die katholischen und evangelischen Friedhöfe in Deutschland? Vor welchen Herausforderungen stehen sie? Diesen Fragen widmeten sich Rainer Grönewäller vom Referat Organisation und Steuerungsunterstützung im Bischöflichen Generalvikariat Münster und Adalbert Schmidt, Oberlandeskirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers. Rainer Grönewällers Ausführungen basierten auf den 230 katholischen Friedhöfen des Bistums Münster. Obgleich viele Verwaltungen durch Digitalisierung modernisiert wurden, sei die wirtschaftliche Situation der meisten Friedhöfe defizitär. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Sie reichen von konkurrierenden Bestattungsorten über schwindendes ehrenamtliches Engagement bis hin zu allgemein festzustellenden Veränderungen wie einer Zunahme der Feuerbestattung auf einen Anteil von 70 – 80 Prozent der Begräbnisse und einem damit einhergehenden, geringer werdenden Flächenbedarf. Vielerorts werde die prekäre Situation an dauerhaft aufgestellten Bauzäunen sichtbar, hinter denen sich verfallende Denkmäler verbergen, und an Überhangflächen, die den Friedhof mosaikartig durchziehen. Friedhofsentwicklungsplanung als ein Vorgehen, das viele dieser Aspekte in den Blick nimmt, sei nicht wegzudenken.
Ein Dilemma wurde zudem deutlich: Das Ehrenamt, bisher maßgeblich zur charakteristischen Struktur katholischer Friedhöfe gehörig, ist stark rückläufig – gerade das Ehrenamt jedoch werde als „gelebte Kirche“ als etwas spezifisch Kirchliches gesehen. Wenn es schwindet, wie dann könnte der katholische Friedhof denn weiterhin als eben solcher erkennbar bleiben? Ein Augenmerk, so der Referent, gilt bei der Einführung neuer Grabformen deren Gestaltung: Nicht alle – zum Beispiel anonyme Aschestreufelder – werden für den katholischen Friedhof als geeignet angesehen und dementsprechend nicht umgesetzt.
Menschen brauchen Rituale
Es gebe viele Rahmenbedingungen, die sich für alle, und damit auch für die kirchlichen Friedhöfe permanent veränderten. Gleichwohl, so Adalbert Schmidt, brauche es in der Bestattungskultur Rituale und Orte für Rituale. Die aktuelle Lage der kirchlichen Friedhöfe sei zum Teil deutlich angespannt und Lösungen müssten für jeden Friedhof einzeln gefunden werden. Nach sorgfältiger Abwägung von Chancen und Risiken könne am Ende auch eine Übertragung an die Kommune stehen, wobei dann zwischen einer Übertragung von Trägerschaft und einer Übertragung von Flächen zu unterscheiden ist. Eine solche Übertragung sei jedoch keine Strategie der Kirchen.
Grundsätzlich bieten drei Motive für christlich-gemeindliches Handeln für Verstorbene die Argumente für die Anlage und den Erhalt eines evangelischen Friedhofs. Dies seien erstens das diakonische Motiv – den Toten versorgen und die Trauernden umsorgen –, zweitens die Sorge um den Verstorbenen über seinen Tod hinaus als Glied der Gemeinschaft der Heiligen, und drittens der Umgang mit den Toten als Anlass der Verkündigung der Auferstehung. Weil Friedhöfe, und insbesondere kirchliche Friedhöfe, in der Gesellschaft oftmals mit inhaltlicher Enge, fehlender Individualität und übermäßiger Reglementierung assoziiert würden, gelte es, die Bedürfnisse der Hinterbliebenen neu in den Blick zu nehmen.
Friedhöfe können sich beraten lassen
Eine, die in ihrer täglichen Arbeit nah dran ist an den Friedhofsverwaltungen, ist Manuela Siedenschnur. Für den Hessischen Städte- und Gemeindebund berät und begleitet sie Kirchengemeinden beim Wechsel der Trägerschaft. Dazu gehören (rechtliche) Beratungen und Begleitungen bezüglich Vertragsverhandlungen, der Bestimmung von Wegerechten und Änderungen an der Friedhofs- und Gebührensatzung.
Ein Beispiel: Schlüchtern. In dieser im Main-Kinzig-Kreis gelegenen Stadt mit etwa 17.000 Einwohnern, bestehend aus 13 Ortsteilen, wurden von den ehemals 11 kirchlichen Friedhöfen bereits sechs in städtische Trägerschaft übernommen, und weitere sollen folgen. Siedenschnur wies auf die Herausforderungen der Übernahme hin: Uneinheitliche Satzungen und Regelungen, nicht kostendeckende Gebühren, fehlende Akzeptanz in der Bürgerschaft bezüglich einer Satzungsänderung sowie viel Klärungsbedarf hinsichtlich Eigentümerstellungen hätten den Prozess der Übernahme erschwert. In Schlüchtern habe man in Rücksprache mit der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck einen Muster-Nutzungsvertrag entwickelt. Die Hilfestellung des Hessischen Städte- und Gemeindebundes für die Gemeinde umfasste Beratungen und Begleitungen bezüglich Vertragsverhandlungen, der Bestimmung von Wegerechten, der Änderung der Friedhofs- und Gebührensatzung und anfallender rechtlicher Probleme im Zuge des Übergangs.
In der 29.000-Einwohner-Stadt Rietberg in Nordrhein-Westfalen hingegen ist der komplexe Vorgang des Trägerwechsels seit 2020 in Gang. Sechs Friedhöfe, die vormals von der katholischen Kirche betrieben wurden, befinden sich dort mittlerweile in der Hand der Stadt. Eine gute Erfahrung, wie Niclas Thiele, Mitarbeiter der dreiköpfigen Abteilung Öffentliches Grün, in seinem Vortrag berichtete. Für die Übernahme der Friedhöfe wurden zwischen Kommune und Kirche zunächst Vorvereinbarungen getroffen, betreffend die Aushändigung von Friedhofsinventar, die Übergabe von Daten und die Kündigung aller bis dahin beauftragten Dienstleister. Nach einer Restwertermittlung der Bestandsgräber, des Friedhofsinventares und vorhandener Gebäude wurde ein endgültiger Überlassungsvertrag für die Friedhöfe geschlossen. Der Restwert bildete den Gegenwert für geeignete Grundstücke, welche die katholische Kirche für die Friedhofsflächen erhielt. Die Kommune gründete hierfür eine Fachabteilung, erarbeitete eine Friedhofs- und Gebührensatzung und implementierte eine Friedhofssoftware, in die Bestandsgräber sowie personenbezogene Daten in einem arbeitsintensiven Prozess importiert wurden. Nach anfänglicher Unter- und Überdeckung wird dank Gebührenanpassung mittlerweile kostendeckend gewirtschaftet.
Weitere Option: Neuorganisation der Friedhofsverwaltung
Neuorganisation der kirchlichen Friedhofsverwaltung statt kompletter Abgabe der Trägerschaft an die Kommune – auch das geht. So gehören 42 Friedhöfe in Nordfriesland mittlerweile dem Evangelisch-Lutherischen Nordfriesischen Friedhofswerk an. Dessen Geschäftsführer Roger Bodin hat diesen Prozess begleitet und führte auf der Tagung die Vorteile eines solchen Zusammenschlusses aus. Ralph Kruse von der Friedhofsverwaltung Heide betrachtete das Modell Friedhofswerk aus Dithmarscher Perspektive.
Das Nordfriesische Friedhofswerk wurde 2017 als unselbständige Anstalt öffentlichen Rechts des Kirchenkreises Nordfriesland gegründet. Das Werk übernimmt, vertraglich geregelt, Friedhöfe von den Kirchengemeinden, zum Teil mit Eigentumsübergang – etwa zugunsten kostendeckender Gebühren, einheitlicher Wirtschaftsführung und Personalmanagement, aber auch für ein bedarfsorientiertes, abgestimmtes Flächenmanagement mit Entwicklungskonzepten, einem abgestimmten Maschinenmanagement mit einer damit einhergehenden Entlastung der Mitarbeiter*innen von schwerer körperlicher Arbeit und einem koordinierten Vorgehen beim Defizitausgleich. Voraussetzung zur Übernahme eines Friedhofs in das Friedhofswerk ist, dass für den Friedhof ein Kofinanzierungsvertrag mit den Kommunen vorliegt. Ein Jahr später, 2018, wurde das südlicher gelegene Dithmarscher Friedhofswerk als unselbständiges Werk des Kirchenkreises Dithmarschen, dem kleinsten Kirchenkreis der Nordkirche, gegründet. Für viele kirchliche Friedhöfe bestehe bereits mit den Kommunen ein Vertrag zum Defizitausgleich, führte Ralph Kruse aus. Dem Dithmarscher Friedhofswerk gehören sechs Friedhöfe an, drei Friedhöfe befinden sich in Betreuung.
Friedhofswerk und Friedhofsverband
Eine andere Strategie zum Erhalt kirchlicher Friedhöfe ist der Friedhofsverband. Joachim Volkmann, Vorsitzender des Friedhofsverbands Wuppertal, und dessen Geschäftsführer Ingo Schellenberg zeigten auf, dass immer mehr Friedhöfe diesem 1984 gegründeten ökumenischen Zusammenschluss folgten, der wie das Friedhofswerk vor allem von Synergieeffekten profitiert. Die Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit dem Friedhofsverband reichen von der Beauftragung einzelner Projekte, über zeitlich befristeter Auftragsverwaltung bis hin zum Beitritt in den Verband.
Ein ganz anderes Beispiel aus Dresden brachte Holger Enke vom Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamt mit zur Friedhofsverwalter*innentagung. Von der Stadt, die mehr als 50 Friedhöfe hat, sind 44 in kirchlicher Hand – trotz einer weitgehend säkularisierten Stadtgesellschaft. Wie geht das? Enke erläuterte, dass es für Dresden ein Friedhofsentwicklungskonzept gibt, in dem für die Friedhöfe Leitsätze formuliert sind. Darin werden Friedhöfe in ihrem sekundären Nutzen mit steuerfinanzierten Park- oder Grünanlagen gleichgesetzt; der jetzige Friedhofsbestand, auch wenn es langfristig Überhangflächen gibt, ist als Grünfläche zu erhalten; für das zukünftige Friedhofswesen wird von dezentralen Angeboten, also Stadtteilfriedhöfen ausgegangen; und die Denkmalsubstanz auf Friedhöfen wird als kulturhistorisch wertvoll eingeschätzt und ist für nachfolgende Generationen zu erhalten. Diese Sichtweise spiegelt eine relative Wertschätzung der Friedhöfe. Für den Erhalt der Friedhöfe werden langfristig das Miteinander von Kirche und Kommune und das gemeinsame Gestalten entscheidend sein.
Ganz anders sieht es in der Stadt Kassel aus. Die Kasseler Friedhöfe sind allesamt in evangelischer Hand. Vor dem Hintergrund einer pluralen Stadtgesellschaft stellt dies vor ganz neue Herausforderungen. Wie etwa reagieren auf die multikulturellen Anforderungen an den Friedhof von heute? Bevor es in der Diskussion um Fragen und Anmerkungen zu den gesellschaftlichen Anforderungen an den Träger ging und darum, wie die Stadt darauf reagiert, stellte Stadtklimarätin Simone Fedderke die Verwaltungsstruktur dar. Seit 1843, mit Eröffnung des Hauptfriedhofs gibt es eine Kontinuität in der gemeinsamen Verantwortung von Kirche und Stadt für das Friedhofswesen. Seit 2004 über nimmt die Stadt auch finanziell einen stärkeren Anteil an der Verantwortung, was unter anderem in einer Friedhofsentwicklungsplanung Ausdruck findet.
Tipps vom Juristen
Mit einem Vortrag des ausgewiesenen Experten in Sachen Trägerschaft und Friedhofsbetrieb, Prof. Dr. Thorsten Bartel, endete die diesjährige Friedhofsverwalter*innentagung. Barthel, ordentlicher Professor für Verwaltungsrecht an der HSVN Hannover und Justiziar der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V. betreut deutschlandweit Klient*innen, wenn es um rechtliche Fragen zu Überführungen kirchlicher Friedhöfe in kommunale Trägerschaft geht. Als Basis einer Verständigung führte er einige Definitionen aus: So steht das für einen Friedhof erforderliche Grundstück idealerweise im Eigentum des Friedhofsträgers, wobei die Eigentumssituation im Unterschied zur bürgerlich-rechtlichen eine öffentlich-rechtliche ist. Als Wert eines solchen Grundstückes setzen Gutachterausschüsse einen Quadratmeterpreis von 1,50 € an. Als Friedhofsträger fungierten rechtliche juristische Gewährspersonen, während dem Friedhofsbetreiber die Durchführung des Friedhofsbetriebes obliege.
Motive für eine Übertragung könnten laut Barthel neben den genannten zudem das Verbot der Verwendung von Kirchensteuermitteln und haushaltsrechtliche Inflexibilität sein. Barthel wies darauf hin, dass Kirchen nicht zur Friedhofsträgerschaft verpflichtet seien. Auch eine Schließung von Friedhöfen könne in Aussicht gestellt werden. In einigen Bundesländern gebe es einen Anspruch auf staatliche Beihilfen. Insgesamt, fasste der Justiziar zusammen, sei eine recht gute Durchsetzbarkeit kirchlicher Ansprüche gegeben.
Veranstaltet von der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e. V. und dem Zentralinstitut und Museum für Sepulkralkultur, Kassel
Wassermangel an der einen Stelle, zu viel Wasser durch Unwetter an anderer: Der Klimawandel macht auch vor den Friedhöfen nicht Halt. Die diesjährige Tagung für Friedhofsverwalter*innen der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V. verfolgt das Ziel, sich diesem Thema auf vielfältige Weise zu widmen – Expert*innen berichten aus der Praxis und geben Antworten auf gegenwärtige Fragen.
Im Rahmen der Ökologie ist der mit dem Klimawandel verbundene Wassermangel auf Friedhöfen mittlerweile eines der zentralen Themen bei der Unterhaltung und Pflege von Friedhöfen. Die damit verbundenen Herausforderungen sind Inhalt der Tagung. Ebenso Erfahrungsberichte und die Vorstellung von Lösungsansätzen von Praktiker*innen für Praktiker*innen.
Im März 2023 veröffentlichte das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz die Nationale Wasserstrategie mit zehn Themenschwerpunkten, deren Umsetzung am Ende auch Friedhofsträger betreffen wird. Durch das verstärkte Interesse an Begrünungen im Stadtraum könnten Friedhöfe den politischen Entscheidungsträgern deutlich machen, dass sie zwar als klimarelevanter Faktor schon jetzt einen wesentlichen Beitrag zum Stadtklima leisten. Jedoch sind weitere Maßnahmen notwendig, damit dieser Beitrag nicht nur erhalten bleibt, sondern nach Möglichkeit noch erhöht wird.
Das heißt: Auch die Bestattungsplätze müssen sich den klimatischen Veränderungen anpassen. Sei es durch neue Formen den Wassermanagements, durch die Neuanpflanzung klimaresistenter Bäume oder mit neuen Konzepten zur Grabbepflanzung. Immer häufiger stellt sich auch die Frage, wie sich die Friedhofsträger auf sinkende Grundwasserspiegel oder Unwetter einstellen, bei denen Hagelschlag und gewaltige Niederschlagsmengen schon jetzt örtlich immense Schäden anrichten.
Für den 5. Oktober 2023 haben wir Referent*innen mit theoretischem und praktischem Knowhow eingeladen, um über Herausforderungen, Ziele und mögliche Lösungen zu sprechen.
Am 5. Oktober 2023 lud die Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V. zur jährlichen Friedhofsverwaltertagung ein. Die diesjährige Versammlung widmete sich dem Thema Wasser – wie eine zukunftszugewandte Nutzung auf dem Friedhof damit aussehen kann, welche großen Potenziale es birgt und auch welche Gefahren. In elf Vorträgen aus der Forschung und vor allem der Praxis wurden wissenschaftliche Perspektiven sowie individuelle Herausforderungen und Erfolge im Umgang mit Wasser sichtbar. Durch den Tag zogen sich vor allem der potenzielle Wert von Friedhöfen in Städten angesichts rasanter klimatischer Veränderungen sowie das Ringen um eine angemessene gesellschaftliche und politische Wertschätzung dessen – auch finanziell.
Zunächst aber fanden sich ab 9:30 Uhr rund 50 Berufsschaffende aus dem Feld Friedhofspflege und Bestattung, Landschaftsplanung und -forschung und sogar aus der Kunst im Innenhof des Sepulkralmuseums zu Kaffee, Sekt und lockeren Gesprächen ein. Zur Tagung versammelten sich die Teilnehmenden im Untergeschoss des Museums.
Inmitten der Dauerausstellung eröffnete Museumdirektor Dr. Dirk Pörschmann um 10 Uhr die Versammlung. Pörschmann hierbei auf die jahrtausendelange Historie der Bestattungskultur, die weiter zurückgeht als die Existenz des modernen Menschen und betonte vor diesem Hintergrund den großen Wert, den das gemeinsame Erforschen und Erproben der Bestattungspraxis darstelle.
Weiter durch den Tag führte Anna Lischper, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Museum für Sepulkralkultur.
Prof. Dr.-Ing. Jens Lüdeke, Professor für urbanen Raum an der Berliner Hochschule für Technik, widmete sich der Notwendigkeit der Anpassung an den Klimawandel. Lüdeke tätigte über den Faktor Wasser hinaus einen Rundumschlag durch die besorgniserregenden und umfassenden Veränderungen des Klimas. Über den Klimaschutz hinaus seien bereits jetzt Anpassungsmaßnahmen an neue klimatische Bedingungen nötig. In diesem Sinne riet Lüdeke zu einer möglichst geringen Versiegelung der Böden, auch auf dem Friedhof, und der Kühlung von Städten durch Luftkorridore, Verschattung und Begrünung.
Einen Blick in die Politik tätigten die Friedhofsexpert*innen Dagmar Kuhle und Gerold Eppler mit ihren Ausführungen zur Nationalen Wasserstrategie und ihrer Bedeutung für Friedhöfe. Die nationale Wasserstrategie sei im März dieses Jahres beschlossen worden und umfasse 78 Punkte in 10 Themen rund um einen verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Wasser. Es gehe hierbei etwa um den Schutz naturnaher Wasserhaushalte, eine gewässerverträgliche Flächennutzung im urbanen Raum, die Minimierung von Risiken und Schadstoffen und viele weitere Ziele, die bis 2058 erreicht werden sollen.
Eckehardt C. Göritz, Leiter der Friedhofsverwaltung Kassel, hatte dieses Jahr einige Herausforderungen zu stemmenzu stemmen. Er beschrieb umfangreiche Schäden an Kassels Friedhöfen, nachdem im Juni ein schweres Unwetter mit Starkregen und Hagel die Stadt unter Wasser gesetzt hatte. Göritz berichtete von beschädigten Gebäuden, vom Wasser herausgerissenen Gehwegen, zerstörter Bepflanzung und umgestürzten Bäumen. Berührend und besorgniserregend zugleich war seine Erzählung von Angehörigen, die jedem Unwetter zum Trotz die Gräber ihrer Verstorbenen besuchen – auch wenn es dabei geschlossene Friedhofsmauern zu überwinden gilt.
Jörn Asendorf hingegen beschrieb das andere Extrem an Wassermenge: den Wassermangel und seine Folgen auf Bremer Friedhöfen. Asendorf leitet den Bereich Bestattung und Krematorium des Umweltbetriebs Bremen. Er berichtete von einem Rückgang der ständigen Wassermengen und einem sinkenden Grundwasserspiegel auf dem Friedhof Riensberg. Schwankende Wasserstände, Algenbildung und Trockenheitsschäden bis hin zu umgestürzten Bäumen erfordern eine Reihe von Maßnahmen, wie Wassermonitoring und -Filterung, reichlich Baumpflege, auch die Nutzung eines Tiefbrunnens ist angedacht. Das kostet – im Moment besonders die Gebührenträger.
Vor der Mittagspause rundete Dr.-Ing. Martin Venne den Vormittag ab. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V. zeigte Handlungsmöglichkeiten in der Friedhofsentwicklung auf, wie den Rückbau von ungenutzten Wegen für weniger versiegelte Fläche, das Anlegen von Gräbern in einem lückenlosen Kernbereich, die regelmäßige Datenauswertung des Wasserverbrauchs, die Nutzung von Zisternen, um Trinkwasser zu sparen und vieles mehr. Den ökologischen Wert des Friedhofs hochzuhalten und vor allem in Zahlen zu haben sei das beste Argument in der Aushandlung unverzichtbarer öffentlicher Gelder, so Venne.
Mit viel Stoff zum Nachdenken ging die Versammlung in die Pause. Bei einem Mittagessen konnte die Aussicht von der Museumsterrasse genossen werden, bevor es gestärkt wieder ans Thema ging.
Tillman Wagner, Geschäftsführer des Evangelischen Friedhofsverbandes Berlin, berichtete von dem Vorhaben, den Friedhof Friedrichshain-Kreuzberg klimafit zu machen. Neben diversen landschaftlichen Maßnahmen erwies sich hauptsächlich ein Nachbarschaftsdeal als hilfreich. Der Besitzer eines nebenstehenden, fast gänzlich versiegelten Grundstücks übernahm zwei Drittel der Kosten für eine Regenwasserzisterne auf dem Friedhof, um dorthin sein eigenes Versickerungswasser loszuwerden. Für den Friedhof bedeutete das eine langfristige und kostengünstige Wasserquelle auf dem eigenen Gelände. Vor diesem Hintergrund betont Wagner den großen Wert von Partnerschaften und kreativen Lösungsansätzen.
Auch Peter Affée aus Heusenstamm, südlich von Frankfurt, zeigte am eigenen Friedhof erprobte Anpassungen im Wasserhaushalt auf. Zum Beispiel sorge ein durchmischter, von Kompost und Mulch durchsetzter Boden für weniger Verdunstung, somit auch für Wassereinsparungen und gesunde Bäume. Auch die Nutzung von Spülwasser des Wasserwerks stellte er vor. Dabei handele es sich um gefiltertes Brunnenwasser, das nach einem mehrschrittigen Reinigungsprozess wieder Trinkwasserqualität habe. Es ließe sich entweder beim Wasserwerk abpumpen oder nach Absprache mit diesem durch lange Leitungen verlegen.
Landschaftsarchitekt Volker Lange bot eine umfassende Übersicht verschiedener Baumarten und ihren Potenzialen in klimaveränderten Städten. Da hier viel Rede- und Beratungsbedarf bestand, kam die Empfehlung der GALK-Straßenbaumliste als hilfreiches Verzeichnis gerade recht. Lange betonte jedoch mehrfach, dass neben der Wahl zwischen Ungarischer Eiche, Silber-Linde, Schnurbaum oder Bienenbaum hauptsächlich ein guter und ausreichend großer Standort wichtig sei.
Matthew Lynch und Stefan Grob von der Arbeitsgemeinschaft Wiesbadener Friedhöfe e.V. gaben einen Einblick in ihre Erforschung nachhaltiger Pflanzenpflege. Nach der nachmittäglichen Kaffeepause stellten sie eine Versuchsreihe vor, mit der sie ein optimales Gießverhalten zu ermitteln versuchten. Getestet wurden verschiedene Wassermengen und Gießzeiten an Substraten, Beetpflanzen, Bodendecken und Stauden. Die Forschungen laufen noch, inzwischen auch unter Begleitung der Uni, vorläufiges Fazit war jedoch: Torffreie Substrate funktionieren einwandfrei, sparsam gießen lohnt sich und intensive Angießphasen sorgen für eine langfristig resistentere Pflanze.
Mit seinem zweiten Beitrag am Tag wagte Gerold Eppler einen Blick auf den Markt der potenziellen Hilfsgeräte im Friedhofsalltag. Star der Vorstellung war der Gießroboter, der seit 2020 auf einzelnen Friedhöfen Handwagen und Traktoren im Wassertransport ersetzt. Der Gießroboter arbeite selbstständig und geräuscharm und gieße Gräber mit einer Präzision von bis zu 2cm Abweichung, wobei er laut Hersteller etwa 25 Prozent Wasser einsparen könnte. Nachteilig ist allerdings, dass zur Programmierung zunächst mehrere tausend Messpunkte erfasst werden müssen, ganz zu schweigen vom Preis in einem noch weit größeren Zahlenbereich.
Als letzter Referent des Tages zeigte Dr. René Burghardt, Landschaftsplaner und Stadtklimatologe, worauf es beim Friedhof als Schatz im Stadtklima ankommt. Entscheidend für das Kühlungsvermögen eines Geländes sei die Verschattung, etwa durch hohe Bäume. Zugleich verhinderten durchgehende Mauern die Verteilung kalter Friedhofsluft wie auch die Synergie mit der umliegenden Biodiversität. Diese Faktoren zeigen: wie hoch der ökologische Wert eines Friedhofs tatsächlich ist, ist ganz unterschiedlich. Statt Friedhöfe pauschal zu betrachten, brauche es die individuelle Aktivierung seiner Potenziale.
Die Veranstaltung endete pünktlich um 17 Uhr. Es blieb eine Fülle an Denkanstößen aus Theorie und Praxis. Während von Beginn an klar zu sein schien, dass der Umgang mit Wasser auch auf dem Friedhof im Kontext der Klimakatastrophe zu sehen ist, zeigte sich im Laufe des Tages: Handlungsmöglichkeiten gibt es viele. Diese sind aber weder pauschal anzuwenden noch immer einfach und noch seltener kostengünstig. Hier wird eine Spannung spürbar zwischen ökologischem und sozialem Wert von Friedhöfen und ihrem Ansehen in der Politik. Es gilt, gerade dem großen Potenzial, das Friedhöfe angesichts des Klimawandels mitbringen, gerecht zu werden und sich weiter für die angemessene Wertschätzung durch öffentliche Gelder einzusetzen.
Von Marlene Horn
Veranstaltet von der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e. V. Zentralinstitut und Museum für Sepulkralkultur, Kassel in Kooperation mit der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) an der Goethe-Universität Frankfurt am Main
Noch immer werden viele Muslim*innen, die in Deutschland sterben, zur Bestattung in Länder überführt, aus denen eine frühere Generation eingewandert ist. Ein Grund dafür ist das deutsche Bestattungsrecht, denn dieses lässt sich schwer mit einem großen Teil muslimischer Bestattungsriten vereinbaren. Dies betrifft zum Beispiel die Wünsche nach einer sarglosen Bestattung, nach einer Beerdigung innerhalb eines Tages, das Grab selbst auszuheben und nach ewiger Ruhe für das Grab. Doch werden mittlerweile in Deutschland immer mehr islamische Friedhöfe oder Grabfelder errichtet, um auch Muslim*innen die Möglichkeit zu geben - zumindest weitgehend - nach den Regeln ihrer Religion bestattet zu werden. Dann sind Friedhofsverwaltungen gefordert, ein Nebeneinander unterschiedlicher Kulturen für alle Beteiligten verträglich zu gestalten. Im Rahmen der Friedhofsverwaltertagung geben Expert*innen einen Einblick in die Religion des Islam und die kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklungen bezogen auf das Bestattungsverhalten von Menschen muslimischen Glaubens in Deutschland. Neben theologischen und religionsrechtlichen Aspekten zeigen Berichte aus der Bestattungspraxis exemplarisch für Groß- und Kleinstädte Lösungsansätze in friedhofsrechtlichen Konfliktfeldern.
Mit freundlicher Unterstützung durch den Hessischen Städte- und Gemeindebund.
Am 25. Oktober 2019 fand in Köln der Kongress Heilsame Abschiede statt, in dem erörtert wurde, wie man Friedhöfe als attraktiven „Raum für Trauer“ etablieren könnte. Im Anschluss an den Kongress waren bundesweit Maßnahmen geplant, um die Ergebnisse der Tagung in die Praxis umzusetzen. Die Mehrzahl der Vorhaben konnte nicht realisiert werden. Aber im Bundesland Hessen nahm der von Stefan Friedel, Treuhandstelle für Dauergrabpflege Hessen Thüringen, initiierte Arbeitskreis Hessendialog die Impulse auf. Es entstand die Überlegung, auf sogenannten Pilotfriedhöfen zu prüfen, inwiefern wesentliche Aspekte im Umgang mit Trauernden in die betrieblichen Abläufe der Bestattungsplätze übernommen werden könnten.
Die Verwaltungen von drei Friedhöfen unterschiedlicher Größe erklärten sich zur Durchführung des Projekts bereit. Auf den Friedhöfen in Frankfurt, Offenbach und Heusenstamm soll versucht werden, bei den am Friedhofsgeschehen Beteiligten ein neues Selbstverständnis für den Umgang mit Trauernden zu entwickeln. Die Tagung wird Kriterien vermitteln, die beim Start eines Projektes zu bedenken sind, das zum Ziel hat, den veränderten Bedürfnissen Trauernder besser zu entsprechen und damit die Akzeptanz der Friedhöfe zu steigern.
Zum Abschluss ist ein Blick auf weitere Projektideen, die sich aus dem Projekt „Raum für Trauer“ entwickelt haben, geplant.
Bereits im Jahr 2016 hat der Hessische Städte- und Gemeindebund in Zusammenarbeit mit den Hessendialog im Netzwerk Friedhof und Dr. Martin Venne eine Strukturdatenerhebung im Zusammenhang mit dem Bestand und der Entwicklung im Bereich des Friedhofswesens in Hessen durchgeführt. Das Ergebnis war eine Bestandsaufnahme und die Ermittlung belastbaren Datenmaterials, die es ermöglichte, entsprechende Entwicklungen aufzuzeigen. Ergebnisse einer Strukturdatenerhebung des Städte- und Gemeindebundes Nordrhein-Westfalen werden dieses Jahr vorgelegt.
Diese Bestandsdatenerhebungen bilden neben dem Projekt „Pilotfriedhöfe“ eine Grundlage, Strategien zur Wertigkeit und Weiterentwicklung der Friedhöfe zu schaffen, um den Friedhof als Teil der kommunalen Daseinsvorsorge bzw. Infrastruktur wieder in das Bewusstsein der Bürger*innen zu bringen.
Ökologie als Chance für den Friedhof
8. Oktober 2019
Das Thema Neo-Ökologie gehört derzeit zu den so genannten Megatrends. Vor dem Hintergrund einer allgemein zunehmenden Sensibilisierung in Bezug auf einen verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen der Erde ist es höchste Zeit, zu fragen, was auch auf dem Friedhof in dieser Hinsicht geleistet und verändert werden kann. Angesichts der Bedeutung der Thematik gerät es eigentlich schon zur Nebensache, dass es dem Friedhof im Hinblick auf seine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit natürlich gut steht, sich mit umweltbewusstem Handeln auf der Höhe der Zeit zu zeigen.
Uns interessiert, welche Bedeutung Natur auf dem Friedhof für die Trauer haben kann. Weiter möchten wir wissen, welche Erkenntnisse bundes- und landesweit agierende Institutionen für einen praktischen Naturschutz auf Friedhöfen vermitteln können. Welche Projekte im Hinblick auf Artenvielfalt und Materialbewusstsein werden in den Bereichen, die unmittelbar Anschluss an den Friedhof haben, entwickelt – also für Grabbepflanzung, Grabzeichen und Bestattung? Kann ein Umwelt-Management-Siegel für den Friedhof etwas bewegen? Wie lässt sich Naturerleben friedhofsspezifisch didaktisch vermitteln? Am Schluss sind wieder Sie gefragt: Gibt es von Ihrem Friedhof Bemerkenswertes zu umweltbewusstem Handeln zu berichten?
Birgit Aurelia Janetzky ist Diplomtheologin, Referentin und Seminarleiterin. Sie führt Schulungen für Friedhofsmitarbeiter*innen durch. Als freie Autorin schreibt sie zu den Themen Trauer und Bestattungskultur.
Dr. Inge Gotzmann ist promovierte Biologin und seit 2007 Geschäftsführerin des Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU). Neben der Mitarbeit in zahlreichen Gremien ist sie Vize-Präsidentin des europäischen Verbands CIVILSCAPE sowie Schatzmeisterin von Europa Nostra Deutschland.
Annika Hennemuth hat an der Universität Kassel ihren Master in Umweltplanung und Landschaftsmanagement absolviert. Seit 2018 arbeitet sie für den Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Landesverband Niedersachsen und setzt sich hier für den Wildbienen- und Streuobstwiesenschutz ein.
Werner Kentrup führt als Bestattermeister seit über 15 Jahren zusammen mit seiner Frau Editha Kentrup-Bentzien ein traditionsreiches Bestattungshaus in Bonn. Mit der Idee des neuen Netzwerks „Grüne Linie“ wird nun Tradition, Ökologie und Enkeltauglichkeit zusammengefasst.
Birgit Ehlers-Ascherfeld, Blumen Ehlers-Ascherfeld (Langenhagen), Joachim Meyer-Rehberg, Nordwestdeutsche Treuhandstelle für Dauergrabpflege GmbH (Bremen), Uwe Stapelmann, Treuhandstelle für Dauergrabpflege Niedersachsen/Sachsen-Anhalt GmbH (Hannover). Den Verantwortlichen der Treuhandstellen war es zu ihren 50-jährigen Firmenjubiläen wichtig, etwas Beständiges zu schaffen. Bereits 2016 begannen die Planungen zu dem Projekt Bienengartenpate. Durch großes Engagement der angeschlossenen Friedhofsgärtnereien konnten 2018 über 100 Bienengärten auf Friedhöfen errichtet werden. Bis Ende 2019 sollen es mehr als 200 Gärten sein.
Dr. Heinecke Werner hat einen Hintergrund in der internationalen Entwicklungshilfe. Im Rahmen eines Entwicklungsprojektes seiner Unterneh mens beratung WiN=WiN, baute er Fair Stone – den internationalen Sozial- und Umweltstandard für Natursteinimporte aus Entwicklungs- und Schwellenländern – auf. Daraus ging wiederum das jüngste Projekt, der Verein „Biodiversität auf Friedhöfen“ hervor, mit dem das Potential der Naturnähe von Friedhöfen bis hin zu Grabmalen aus Naturstein thematisiert wird.
Reinhard Benhöfer leitet die Umweltarbeit in der Ev.-luth. Landeskirche Hannover und ist Vorstand und Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Er hat das kirchliche Umweltmanagementsystem „Der Grüne Hahn“ für Friedhöfe weiterentwickelt und auf etwa zehn Friedhöfen Norddeutschlands eingeführt.
Hansjörg Hauser, Dipl.-Ing. agr. (FH), ist Schlosser und Landwirt, Museumspädagoge und Gästeführer. Nach Berufstätigkeiten zum Beispiel in einer Landvolkshochschule und im Projektmanagement arbeitet er freiberuflich in den Bereichen Ethnobotanik, Führungs- und Exkursionsdidaktik, Projektentwicklung, Museumspädagogik und Publishing.
Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V.
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