Wohin mit der ganzen Trauer?
Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e. V. fordert gesellschaftlichen Wandel:
Trauer braucht Wertschätzung und neue Freiräume
Jährlich sterben in Deutschland fast eine Million Menschen (954.874 in 2018 lt. Stat. Bundesamt), mehrere Millionen trauernde Hinterbliebene bleiben zurück. Doch unterstützt und begleitet die Gesellschaft Trauernde noch richtig? Nur wenn wir deren Bedürfnisse erkennen, verstehen und wertschätzen, können wir sie befähigen, optimal aus ihrer schwierigen Lebensphase herauszufinden. Und diese Bedürfnisse haben sich verändert: Heilsame Trauer braucht neuesten Studien zufolge vor allem individuelle Rituale, wie sie auf Friedhöfen oft (noch) nicht gestattet sind.
Die Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e. V. fordert daher auch angesichts zunehmender privater Konkurrenz, dass sich der Friedhof als immer noch wichtigster Ort der Trauerbewältigung erneuert. Nur so könne aus Trauer unbelastete Erinnerung werden. Denn auch moderne, oft anonyme Varianten der Bestattung böten dafür keine optimalen Voraussetzungen. Zu diesen Ergebnissen kommen aktuell gleich zwei wissenschaftlich fundierte Studien des Trendforschers Matthias Horx und der Soziologen Dr. Thorsten Benkel und Matthias Meitzler.
Studierendenwettbewerb 2020
Thema des Wettbewerbs, dessen Preisträger*innen nun gekürt sind, ist die zeitgemäße Weiterentwicklung von Friedhöfen. Aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer verändern auch die Anforderungen an Begräbnisorte. Deshalb fragen wir nach dem Friedhof der Zukunft. Wie könnte ein Friedhof aussehen, der den Bedürfnissen von Trauernden besser gerecht wird und die psychologischen Funktionen eines Beisetzungsortes berücksichtigt? Was könnte ein solcher Friedhof leisten – nicht als Ort der Toten, sondern als Raum für die Lebenden? Welche Gestaltung und welche Angebote könnten dazu beitragen, der Trauer einen aktiven Ort in der Gesellschaft zu geben und den Tod und die Trauer zu enttabuisieren?
Ziel des Wettbewerbs ist die Gestaltung von geeigneten Orten auch als räumliche Situationen auf dem Friedhof Hamburg-Ohlsdorf, die individuelle oder gemeinschaftliche Rituale und Handlungen des Abschiednehmens ermöglichen. In diesem Sinne suchte der Wettbewerb nach innovativen, experimentellen oder sogar gewagten Konzepten. Zu entwerfen sind Situationen innerhalb einer übergeordneten Struktur, die verschiedenartig gestaltet, wahrgenommen und gehandhabt werden können. Diese Orte, bzw. räumliche Situationen sollen Trauerhandlungen unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen ermöglichen. Die sozialräumliche Struktur soll sich aus privaten, gemeinschaftlichen und öffentlichen Bereichen zusammensetzen. Ein Aufenthalt am Beisetzungsort soll für die Menschen eine heilsame und positive Wirkung haben.




Heilsame Abschiede
25. Oktober 2019 im MATERNUSHAUS, Köln
Friedhöfe neu denken
Der für Menschen hilfreiche Umgang mit Trauer findet auf vielen Friedhöfen nicht die notwendige Berücksichtigung. Viele der dort angebotenen Beisetzungsorte helfen trauernden Hinterbliebenen nicht und sind mitverantwortlich für die mangelnde Attraktivität und die zunehmend schwindende Akzeptanz bestehender Friedhöfe.
DABEI SEIN, WENN ZUKUNFT PASSIERT
Um den Friedhof als gesellschaftlich akzeptierten, für Hinterbliebene attraktiven „Raum für Trauer“ zu gestalten und ihn als wertgeschätzten Ort für trauernde Menschen zu etablieren, muss es gelingen, ihn im Zentrum der Gesellschaft selbst zu etablieren. Im Mittelpunkt des Friedhofs der Zukunft stehen die Bedürfnisse der Menschen. Wissenschaftlich fundierte Studien zeigen, dass die auf Friedhöfen angebotenen Beisetzungsorte, den Erfordernisse einer als gelungen angesehenen Trauerarbeit gerecht werden müssen. Nur so kann der Friedhof als Ort der Beisetzung nützlich und für die Trauer der Hinterbliebenen attraktiv und hilfreich sein. Es kann gelingen, die Attraktivität bestehender Friedhöfe zu steigern, wenn ihr immaterieller Nutzen, das heißt die wirkungsspezifische Funktion der dort angebotenen Beisetzungsorte in den Mittelpunkt rückt.
Auf Friedhöfen entstehen in Zukunft „Orte der Trauer“, die Menschen helfen. Was Friedhöfe leisten, und wie für Menschen hilfreiche Beisetzungsorte aussehen, erfahren Sie am 25. Oktober 2019 in Köln.
Dr. Dirk Pörschmann, Geschäftsführer Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e. V., Direktor Zentralinstitut und Museum für Sepulkralkultur
Matthias Horx, Pionier der Zukunftsforschung, Gründer Zukunftsinstitut
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trauer/now
Welche Orte braucht die Trauer? Welche Rituale helfen? Wie gehen andere Menschen oder Kulturen mit der Trauer um?
Das Onlinemagazin Trauer/Now gibt Antworten und ermöglicht eine neue Klarheit. Wir beleuchten das Thema in all seinen Facetten. Wir zeigen Lösungswege und geben Inspirationen, wie heilsames Trauern beim Abschied von einem Menschen gelingen kann.
Heilsame Abschiede
These 1
These 2
These 3
These 4
These 5
These 6
These 7
These 8
Publikation
Dieser Band stellt Forschungsergebnisse und psychologische Analysen in den Mittelpunkt, die zeigen, dass bei der Bewältigung von Trauer, heute die Individualität der Hinterbliebenen in den Vordergrund tritt und welche Rolle hierbei der Friedhof zu erfu?llen hat. Im Mittelpunkt steht dabei die zentrale Bedeutung, die der „aktive Umgang“ mit Trauer und somit auch der „aktive Umgang“ mit dem Trauer- und Beisetzungsort auf dem Friedhof hat.
Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e. V., Kassel
ISBN: 978-3-924447-56-4
Preis: 22,80 Euro inkl. MwSt.
Material
- Acht Thesen zur Trauerkultur im Zeitalter der Individualität – Matthias Horx
- Pressebericht
- Pressebericht: Bundesverband Bestattungsbedarf
- Postkarte: Wohin mit der ganzen Trauer?
- Postkarte: Wenn du stirbst, trauern andere
- Postkarte: Alle 33 Sekunden stirbt ein Mensch in Deutschland
- Poster: Wohin mit der ganzen Trauer?
- Poster: Nicht die Toten trauern