Wohin mit dem Hund? – dazwischen 4.0 Wohin mit dem Hund? – dazwischen 4.0
Wohin mit dem Hund? – dazwischen 4.0

 

7. Mai – 1. November 2026

Update 4.0 der fortlaufenden Sonderausstellung "dazwischen. Du, das Leben und die Endlichkeit"

Wohin mit dem Hund?

dazwischen 4.0
Du, das Leben und die Endlichkeit

Er war ein Teil der Familie.
Er war Dir ein treuer Freund.
Er begleitete Dich seit Deiner Kindheit.
Jetzt ist er tot.
Wohin mit dem Hund?

Die Anzahl der Beine beeinflusst nicht die Intensität des Verlustschmerzes. Würdest Du Dein Haustier bestatten? Wie erinnerst Du Dich daran? Und was macht der Tod eines Menschen mit seinem tierischen Begleiter? In einem Bereich der dazwischen 4.0 widmen wir uns der Mensch-Tier-Beziehung – im Leben wie im Tod. Lerne die Beziehungen kennen, die Mensch und Tier zu Lebzeiten prägen und erfahre, wie Du Abschied gestalten kannst.

Anhand von Interviews und Exponaten erfährst Du außerdem mehr über Orte, an denen wir sterben. Du siehst Fotografien von Sibylle Fendt, die Menschen, die zu Hause sterben wollen, mit der Kamera begleitet hat. Nimm an den bewegenden Momenten ihres letzten Lebensabschnitts teil und spüre, wie die häusliche Umgebung und das Beisein lieber Menschen ein tröstlicher Anker sein können.

In einem weiteren Ausstellungsbereich erfährst du, wie der Mensch anhand von Lifestyle-Produkten versucht, dem Tode zu trotzen. All dies erwartet Dich in der Ausstellung – präsentiert anhand von Exponaten, Dioramen und künstlerischen Beiträgen.

Hast Du Antworten? Dann teile sie mit uns! Unsere Sonderausstellung gibt Dir die Möglichkeit, Dich mit Stift und Papier oder via Social Media einzumischen.

Komm mit auf unser Experimentierfeld.
Es geht um Dich, Dein Leben und die Endlichkeit.

Projekte und Räume

Die Sonderausstellung dazwischen. Du, das Leben und die Endlichkeit gestaltet sich fortlaufend neu. Neue Fragen, neue Themen, neue Beiträge aus Kunst und Alltag laden zu immer wieder neuem Entdecken ein. Hier findet ihr eine Übersicht über aktuelle Projekte, die wir in Kooperationen mit Vereinen, Künstler*innen oder Privatpersonen entwickelt haben. Dazu gibt es natürlich noch viel mehr zu entdecken, aber das müsst ihr im Museum erkunden.

Sibylle Fendt – Bevor es soweit ist

Er stand noch mal auf, weil er vergessen hatte, die Dachluke zu öffnen, damit nachher die Seele umstandslos hinausfliegen konnte.
(Mariana Leky – Was man von hier aus sehen kann)

Meine Arbeit mit dem Titel „Bevor es soweit ist“ widmet sich Menschen, die in absehbarer Zeit zuhause sterben werden, bzw. die als „austherapiert“ gelten. Ich begleitete sie und ihre Angehörigen/Freunden während ihrer letzten Lebenstage (manchmal auch Wochen und Monate). Im Jahr 2024 ist mein Mann nach langer Krankheit im Kreise der Familie zu Hause verstorben. Nach einer jahrelangen Odyssee von Krankenhausbesuchen, Therapien und Therapieabbrüchen waren wir an dem Punkt, an dem uns klar wurde, dass es zu Ende geht. Der Moment, an dem die Entscheidung fiel, wir bleiben jetzt zu Hause, hat in gewisser Weise Erleichterung gebracht, auch wenn wir ahnten, was uns bevorsteht. So konnten meine Kinder und ich ihn begleiten in dieser letzten Lebensphase. Wir konnten sein Entweichen aus der Welt begleiten und hatten trotzdem den Halt des geliebten Zuhauses, den auch er hatte. Ich war bei ihm, als er starb, und wir konnten Abschied nehmen in einer Umgebung, in der wir uns trotz der unbeschreiblichen Trauer geborgen fühlten. In den vergangenen Monaten habe ich Menschen besucht, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Sie sind zu Hause geblieben oder wieder nach Hause zurück gekehrt. Sie sind heimgekehrt. Um zur Ruhe zu kommen, um noch einmal aufzuatmen. Das Zuhause ist der Ort, an dem sie mehr als sonst irgendwo ihren Liebsten nahe sein können. Der Ort, an dem sie Regisseur*in und nicht Gast sind. Ihr Zuhause wurde zu dem Ort, an dem sie ein letztes Mal seufzen, ein letztes Mal lachen, ein letztes Mal die Hand des Wegbegleiters halten, und dann – so hoffen sie – ganz sanft hinüber gleiten in den Tod.

Sterben ist ein (Tabu-)Thema, mit dem sich jede*r einzelne von uns irgendwann auseinandersetzen muss. Wo und wie will ich sterben. Und in der Rolle einer*es Angehörigen werden wir uns vielleicht sogar mehr als einmal mit einer solchen Situation auseinandersetzen müssen. Die eigene Wohnung spielt in Bezug auf Alte oder Sterbende eine große Rolle. Kann er*sie noch zu Hause bleiben? Wer kümmert sich um ihn*sie? Die Wohnungen die ich besuchte, tragen eine lange Geschichte in sich. Viele Menschen lebten seit Jahrzehnten in ihnen. Das Zuhause, das in der Regel eine sehr positive Konnotation hat, das mit Begriffen wie Heimat, Geborgensein, Vertrautsein, uvm. in Verbindung gebracht wird, kann in dem Moment des Abschiednehmens die selbe positive Ausstrahlung haben. Darum geht es mir in meiner Arbeit: Diesen Halt, diese Heimat spürbar zu machen trotz des Abschieds und Schmerzes. Während meiner Besuche habe ich unzählige besondere Momente erlebt, weil alles so existentiell und intensiv war. Ich war überrascht, wie klar und bereit manche Menschen ihrem baldigen Tod entgegen blickten. Ich spürte aber auch den Kummer und die Verzweiflung über ihr Schicksal. Ich habe eine Weichheit gespürt in Menschen, die so abgebrüht und unnahbar schienen, und sie haben so kluge und weise Dinge gesagt. Ich konnte Fragen stellen, die ich meinem Mann nie stellen konnte. Ich habe so unglaublich viel Dankbarkeit erfahren für meine Arbeit, und ich bin diesen Menschen so dankbar, dass sie mich teilhaben ließen. Kein Weg ist wie ein anderer. Niemand hat keine Angst.

Sibylle Fendt wurde 1974 in Karlsruhe geboren. Nach einem Diplomstudiengang der Fotografie an der Fachhochschule Bielefeld, ist sie im Jahr 2002 nach Berlin gezogen, wo sie bis heute lebt. Für ihr Abschlussarbeit „Uneins“ hat sie zahlreiche nationale und internationale Preise gewonnen. Im Jahr 2003 war sie Teil der World Press Photo Masterclass. In den Jahren 2003-2005 war Sibylle Fendt Gaststudentin in der Klasse Wolfgang Tillmans an der Kunstakademie Frankfurt. Seit 2010 ist sie Mitglied der Fotograf*innen-Agentur Ostkreuz, seit 2023 deren Geschäftsführerin. Sibylle Fendt fotografiert im Editorial Bereich für Magazine, unterrichtet Fotografie an verschiedenen Hochschulen und arbeitet kontinuierlich an freien Langzeitprojekten, die international ausgestellt werden. Ihre Themen sind soziale Ausgrenzung, Gender-Studies, psychische, soziale, krankheitbedingte Krisen und einfach nur das ganz „normale“ Leben. Das Portrait steht dabei im Mittelpunkt ihrer Arbeit.

Bibliografische Informationen

Sibylle Fendt: Bevor es so weit ist
Kehrer Verlag, 140 Seiten, 48 Euro

Fotografin Sibylle Fendt
Fotografin Sibylle Fendt
© privat

Eröffnung

Mittwoch, 6. Mai 2026

17 Uhr | Kindervernissage: Mein Freund, das Kaninchen
In Mexiko denken die Menschen, dass Tiere, die sterben, uns aus dem Jenseits noch einmal besuchen kommen. Wir haben dafür einen Altar vorbereitet, auf dem all die Dinge stehen, die die Tiere mochten oder mögen. Modelliere etwas, was dein Tier liebt oder gestalte ein Andenken an ein verstorbenes Tier. Das Ergebnis darfst Du mit nach Hause nehmen oder auf unsere Ofrenda stellen. Kommen und gehen jederzeit möglich!

19 Uhr | Eröffnung

Musik I Per Nørgård, Waves, Part 1
Wo ist der Beginn von einem Rhythmus und wann verändert sich dieser? Welche Klangerinnerungen tragen wir in uns? Akzentuierungen verändern die Wahrnehmung der Besucher*innen und sensibilisieren für Anfang und Ende einer strukturierten Zeit. Wie klingt es, wenn Steinchen aufeinandertreffen und alle mit einstimmen? In drei Kompositionen bedient sich Olaf Pyras vertrauter und überraschender Instrumente und erzeugt Geräusch, Klang und Atmosphäre.

Olaf Pyras arbeitet als Schlagwerker, Komponist und Musikpädagoge am Institut für Musik der Universität Kassel und an der Universität der Künste in Berlin. Sein Interesse gilt der zeitgenössischen Musik, der Soundrecherche und der Klangkunst. Er studierte Musik und Kunst in Kassel, Schlagzeug in Münster.

Begrüßung
Dr. Dirk Pörschmann | Direktor des Museums für Sepulkralkultur

Grußwort
Martin Bach | Leiter des Kulturamts der Stadt Kassel 

Musik II | Olaf Pyras, Maurerlied
für elektrische Maurerkellen und Fugeisen

Einführung in die Ausstellung
Tatjana Ahle-Rosental und Dr. Ulrike Neurath

Gespräch
Dr. Dirk Pörschmann und Sibylle Fendt

„Sie sind heimgekehrt, um zur Ruhe zu kommen, um noch einmal aufzuatmen“ – das oftmals ersehnte Sterben im heimischen Umfeld thematisiert die Künstlerin und Fotografin Sibylle Fendt in ihrem Projekt Bevor es so weit ist. Sie hat Sterbende und ihre Angehörigen in ihrem Zuhause dokumentarisch begleitet.

Musik III | Olaf Pyras, Lichte Klänge
Nelly Sachs: "Wir Steine / Wenn einer uns hebt / Hebt er Urzeiten empor - / Wenn einer
uns hebt / Hebt er den Garten Eden empor – / Wenn einer uns hebt / Hebt er
Adam und Evas Erkenntnis empor / Und der Schlange staubessende Verführung.“

Percussionist Olaf Pyras
Percussionist Olaf Pyras
© Sonja Rode
Fotografin Sibylle Fendt
Fotografin Sibylle Fendt
© privat

Veranstaltungen

Sonntag, 17. Mai 2026 | 10-17 Uhr | Internationaler Museumstag
11 Uhr | Playmobil-Führung für Kinder Über Tiere und ihre Beziehung zum Menschen
11.30 – 13.30 Uhr | Aktion Mexikanische Papierblumen basteln für die Tier-Ofrenda
14-16 Uhr | Spiel mit mir das Spiel vom Tod Spielnachmittag für die ganze Familie
Eintritt frei

Mittwoch, 20. Mai 2026 | 18.30 Uhr | Lesung
Der Oma hätte das gefallen. Bewegende und kuriose Erlebnisse eines Sargträgers
Oliver Fleischer ist nicht nur Schauspieler für Film, Fernsehen und Theater und macht Comedy – er hat auch einen Job als Sargträger. Als solcher häufen sich die Momente, von denen er erzählen muss. So ist jüngst bereits sein zweites Buch erschienen. In Der Oma hätte das gefallen widmet er sich als Autor den skurrilen und bewegenden Momenten, die ihn bis heute prägen. Eintritt: 12/9 Euro

Mittwoch, 27. Mai | 17 Uhr | Kuratorenführung
Bevor es so weit ist. Ein Projekt von Sibylle Fendt
„Sie sind heimgekehrt. Um zur Ruhe zu kommen, um noch einmal aufzuatmen“, schreibt Sibylle Fendt. Über einen Zeitraum von 18 Monaten hat sie 17 Menschen kennengelernt und deren letzte Lebensphase mit der Kamera begleitet: Menschen, die sich entschieden haben, zu Hause zu sterben – in vertrauter Umgebung, im Beisein bekannter Gesichter. Dirk Pörschmann stellt das Projekt Bevor es so weit ist in einer Führung vor. Museumseintritt: 8/5 Euro

18.30 Uhr | Vortrag
Mein Kind hat Fell. Status, Seelentröster, Familienmitglied: Die neue Rolle des Tieres in einer unsicheren Welt
Die Rolle des (Haus-)Tiers hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Dementsprechend groß ist auch der Abschiedsschmerz, wenn dieses Tier stirbt. Cordelia Noe, Expertin für Tiertrauer und mentale Gesundheit, greift bei ihrem Vortrag die starke emotionale Identifikation moderner Tierhalter auf. Wie hat sich die Beziehung verändert? Welche Umstände haben dazu geführt, dass Hund, Katze, Pferd heute als Familienmitglied, Partner- oder Kindersatz betrachtet werden? Und wie lässt sich das Phänomen psychologisch erklären?

Mittwoch, 17. Juni 2026 | 16-18 Uhr | Führung und Workshop | KLAPPE ZU, AFFE TOT
Eintagsfliege und Schildkröte: Wie lange leben Tiere? Familiennachmittag
Die Fliege lebt nur kurz, die Schildkröte bis zu hundert Jahre lang. Aber weißt Du auch, wie lange das Kaninchen oder eine Kuh leben? Bei einem Gang durch unsere Playmobil-Ausstellung stellen wir uns diese Fragen. Und wir sprechen darüber, was Du tun kannst, wenn Dein geliebtes Haustier stirbt. Im Anschluss kannst Du deiner Kreativität freien Lauf lassen: Schnipsel Dir Dein Tier zusammen und schreibe ihm einen Brief. In Kooperation mit der Familienarbeit des Forums Bildung und Gesellschaft der EKKW

Mittwoch, 24. Juni 2026 | 17 Uhr | Kuratorenführung
Wohin mit dem Hund? Führung durch die dazwischen 4.0
Erfahre mehr über die Mensch-Tier-Beziehungen und was sie über die Weise unseres Abschiednehmens verraten; lerne Orte besser kennen, an denen wir sterben und erfahre die Bedeutung des Zuhauses für einen würdevollen Tod. Von wegen Älter werden: Tauche ein in die Tricks der Lifestyle-Industrie und spiele das Spiel vom Tod.
Museumseintritt: 8/5 Euro

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Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V.

Zentralinstitut für Sepulkralkultur

Museum für Sepulkralkultur

Weinbergstraße 25–27
D-34117 Kassel | Germany
Tel. +49 (0)561 918 93-0
info@sepulkralmuseum.de

Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien
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