Gerold Eppler, Initiator des Leichenwagentreffs, über schicke Karren und morbiden Charme
Am Samstag, 18. April, rollen zahlreiche Leichenwagen nach Kassel, um sich am Museum für Sepulkralkultur zu treffen. Initiiert hat die Saisoneröffnung der Schwarzfahrer*innen Gerold Eppler. Der stellvertretende Direktor des Museums und Museumspädagoge brennt auch selbst für alte Fahrzeuge – umso mehr, wenn sie auch eine Geschichte mitbringen.
Gerold, was macht für dich die Faszination von Leichenwagen aus?
Gerold Eppler: Leichenwagen sind ein rollendes Memento mori. Sieht man einen im Straßenverkehr ist klar: Auch der schönste Road Trip geht einmal zu Ende. Und sie sind ein Statement. Es ist der morbide Charme dieser Fahrzeuge, der immer mit einer gewissen Gelassenheit verbunden ist. Die Fahrerinnen und Fahrer, die ich kennengelernt habe, sind mehrheitlich gechilled. Zum einen gegenüber der Endlichkeit. Denn sie wissen, trotz bester Pflege und Wartung werden auch sie und ihre Autos irgendwann das Zeitliche segnen. Zum anderen im Hinblick auf den Fahrstil: Einen Leichenwagenfahrer kann man sich nur schwer bei einem Autorennen vorstellen.
Auf welche Programmpunkte des Leichenwagentreffens freust du dich besonders?
Auf die Gespräche mit den Schwarzfahrerinnen und Schwarzfahrern. Hinter jedem der Autos steckt ja eine besondere Geschichte. Von wem stammt das Fahrzeug? Wo ist es schon überall gewesen? Wie ist man an den Wagen herangekommen? Was haben die neuen Besitzer alles mit dem Leichenwagen erlebt? Diese „Benzin“-Gespräche werden bestimmt unterhaltsam.
Was für Objekte findet man im Sepulkralmuseum zum Thema Leichentransport?
Neben Grafiken, Transportsärgen und einer DHL-Versandverpackung für Urnen sind zurzeit drei historische Kutschen und ein Chevrolet Impala, Bj 1978 zu sehen. In unserem Depots finden sich darüber hinaus Bahren, Kraxen, Leichenwagenanhänger und einer der wenigen 7er BMWs, die in Deutschland zum Leichenwagen umgebaut wurden.
Für das Leichenwagentreffen hast du extra brandneue Führungen entwickelt. Worum geht es da?
Im Rahmen der einen Führung erfährt man, wie sich die Transportmittel vom Sterbeort zum Friedhof in den letzten 200 Jahren verändert haben. Bei der anderen Führung berichten wir von den krassen Umständen, die dazu führten, dass das Sepulkralmuseum den Chevy günstig ankaufen konnte – von denen wir aber 1993 noch nichts wussten.
Lohnt sich die Veranstaltung auch für Kinder?
Auf jeden Fall. Denn wann haben Kinder schon einmal die Möglichkeit, sich hinter das Steuer eines Leichenwagens zu setzen. Und dann bieten wir den Kids neben Schminken und Riesenseifenblasen auch die Gelegenheit, mit Straßenkreide ihrer Fantasie auf dem Pflaster der Museumsterrasse freien Lauf zu lassen.
Die Fragen stellte Elisabeth Dietz, Referentin für Onlinekommunikation im Museum für Sepulkralkultur