Gleich fünf unserer Exponate sind aktuell im Freilichtmuseum Finsterau zu sehen. Mit der Sonderausstellung Jetzt geht’s dahi – Sterben, Tod und Trauer lädt das Museum für das ländliche Siedlungswesen des Bayerischen Waldes zu einer Reise ein: „nicht weg vom Tod, sondern direkt hinein in seine vielen Gesichter“, wie es in der Ankündigung der Ausstellung heißt. „Zwischen alten Bräuchen und neuen Ideen öffnet sich ein Raum für Fragen, Erinnerungen und überraschende Perspektiven. Was passiert, wenn ein Leben endet? Wie wurde – und wie wird – Abschied genommen? Und: Wie wollen wir heute sterben?“
Und welche Objekte von uns sind dort zu sehen?
Eine Totenwaschschüssel aus Keramik aus etwa 1900 (AltM2025/2024), eine 2018 entstandene Replik eines historischen Totenhemdes aus Leinen aus 1871 (M 2019/7), eine Buddha-Figur aus Bronzeguss aus dem 21. Jahrhundert (M 2013/66) sowie ein Kasten für Räucherstäbchen mit reliefiertem Dekor in Form tibetischer Glückssymbole aus dem 21. Jahundert (M 2014/23) sowie ein tibetisches Totentanzkostüm mit Maske aus Textil und Pappmaché aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts (AötM 2012/101.1-2).
Die Totenwaschschüssel aus rotem Ton hat außen Zierrillen und der Schüsselboden besitzt ein scheinbar nachträglich hinzugefügtes Loch. Schüsseln, die bei der Totenwäsche zum Einsatz kamen, wurden manchmal mit einem in den Boden geschlagenen Loch unbrauchbar gemacht und aufbewahrt. Das hinzugefügte Loch weist also womöglich darauf hin, dass die Schüssel ihres eigentlichen Nutzungszwecks entledigt worden ist oder aber, dass sie im Zuge der Leichenwäsche Verwendung gefunden hat. Einen Beleg, dass diese Schüssel in genau diesem Kontext verwendet wurde, gibt es nicht.
Die Replik des historischen Totenhemdes aus Leinen aus dem Jahr 1871 ist weiß, weit und in einer leichten A-Linie geschnitten. Sein halbrunder Halsausschnitt teilt sich an der Brust und kann mit einem weißen Besatzband geschlossen werden, indem man einen Knoten oder eine Schleife bindet. Die Enden des Besatzbandes sind von Hand mit schwarzem Faden umnäht. Unterhalb des Halsauschnittes sind ebenfalls mit schwarzem Faden Buchstaben bzw. Initialen und eine Jahreszahl eingestickt [“BF” “HS” (1. Zeile), “18” “71” (2. Zeile)]. Ein Totenhemd ist ein Oberteil, welches eine verstorbene Person nach ihrem Tod trägt und in dem sie bestattet wird.
Die Buddha-Figur aus Bronzeguss zeigt die Bhumisparsha Mudra. Dabei handelt es sich um eine Erdberührungsgeste, die auf den Moment der Erleuchtung Buddhas unter dem Bodhi-Baum in Bodh Gaya verweist, als er die Erde als Zeugin seines Erwachens anruft.
Der Räucherstäbchen-Kasten dient als Halter für Räucherstäbchen, die senkrecht in die dafür vorgesehenen Öffnungen eingesetzt werden können. Auf der Vorderseite befinden sich vier der acht buddhistischen Glückssymbole (Ashtamangala). Von links nach rechts sieht man den Endlosknoten, einen Lotus, eine Muschel und das Dharmarad. Die Ashtamangala gehören zu den wichtigsten Bildmotiven des tibetischen Buddhismus. Ihnen wird eine schützende und glücksbringende Funktion nachgesagt und sie verweisen auf die zentralen Lehren des Buddhismus.
Das tibetische Totentanzkostüm mit Maske ist ein Kostüm für die sogenannten Durdag Cham. Dabei handelt es sich um eine Art traditioneller tibetisch-buddhistischer Tänze, die vor allem dazu dienen, an die Vergänglichkeit allen Seins zu erinnern und gleichzeitig dabei helfen soll, innere Hindernisse auf dem Weg zur Erleuchtung zu überwinden. Die Masken der Kostüme zeigen meist, wie auch bei diesem Exponat, einen menschlichen Schädel mit einem fröhlichen Gesichtsausdruck und auf der Kleidung ist typischerweise ein menschliches Skelett abgebildet.
Die Ausstellung in Finsterau setzt sich mit den vielfältigen kulturellen Traditionen, Ritualen und Vorstellungen rund um Sterben, Tod und Trauer auseinander. Sie kombiniert historische Objekte aus Niederbayern mit zeitgenössischer Kunst, Medienstationen und Klanginstallationen. Dabei verzichtet die Ausstellung bewusst auf eine düstere Inszenierung und setzt stattdessen auf eine farbenfrohe Gestaltung, die zum Nachdenken und zum offenen Austausch einlädt (freilichtmuseum.de)
Hier zu sehen: Freilichtmuseum in Finsterau, Museumsstraße 51, 94151 Finsterau
Laufzeit der Ausstellung: 28. März 2026 bis 04. April 2027
Weitere Informationen unter: Jetzt geht’s dahi – Sterben, Tod und Trauer – Freilichtmuseen Massing und Finsterau