1. Oktober 2023
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Ankauf zum Abschied

Ankauf zum Abschied

Trost-Ausstellung bis 29. Oktober verlängert – Freunde ermöglichen Ankauf von Fotografien

Die Sonderausstellung „Trost. Auf den Spuren eines menschlichen Bedürfnisses“ wurde bis zum 29. Oktober 2023 verlängert. Noch bis zu diesem Sonntag um 19 Uhr können sich Besucher*innen dem Phänomen Trost über zeitgenössische künstlerische Exponate und kulturhistorische Artefakte nähern. Der Freundeskreis des Museums ermöglicht indessen den Ankauf von vier Fotografien, die dem Museum auch nach dem Abbau der Ausstellung erhalten bleiben.

Zu sammeln, zu bewahren, zu forschen und zu vermitteln ist der öffentliche Auftrag eines Museums. „Das Sammeln ist substanziell für unsere Arbeit – der jährliche Etat für Ankäufe aber zu gering. Daher bin ich sehr glücklich, dass uns der Freundeskreis bei Ankäufen unterstützt“, sagt Museumsdirektor Dr. Dirk Pörschmann. Schließlich sei es auch ein Abschiedsschmerz, der mit dem Abbau einer jeden Ausstellung einhergehe. „Es wäre noch trauriger, wenn am Ende nichts von der Trost-Ausstellung übrigbliebe.“

Die Unterstützung von 5000 Euro macht den Ankauf von vier Fotografien möglich, darunter drei dokumentarische Arbeiten und eine künstlerische. Unter ihnen ist die Fotografie „The Embrace“ des dänischen Fotografen Mads Nissen, die die Umarmung von zwei Frauen während der Corona-Pandemie in Brasilien durch eine Folie dokumentiert. „Es ist das Plakatmotiv der Ausstellung und damit die Arbeit, die dauerhaft mit der Ausstellung assoziiert werden wird“, sagt Pörschmann, der das Motiv als „schrecklich schön“ bezeichnet. „Es ist berührend, wenn man sich das vorstellt, was eine solche Umarmung in der Zeit der Corona-Pandemie bedeutete“, sagt Bertram Hilgen, Sprecher der Freund*innen des Museums. Die Freunde, so Hilgen, verstehen sich als ideelle und finanzielle Unterstützer des Hauses. „Wir geben diesem einzigartigen Museum Rückhalt aus der Stadtgesellschaft.“ Dazu zähle auch, dabei zu helfen, die Sammlung weiter auszubauen.

Auch die beiden Fotografien des äthiopischen Fotografen Mulugeta Ayene, der am 13. März 2019 trauernde Hinterbliebene an der Absturzstelle des Ethiopian Airlines-Fluges ET302 südlich von Addis Abeba, Äthiopien, zeigen, sollen angekauft werden. „Sie machen den Schmerz des Verlusts in dramatischer Weise sichtbar. Und aus dem Schmerz heraus hat sich die Sepulkralkultur ja überhaupt erst entwickelt, hat Lösungen gesucht und gefunden“, erklärt Museumsdirektor Pörschmann, der die Ausstellung mit seinem Team innerhalb eines Jahres entwickelte. „Schmerz über Verlusterfahrungen ist der kleinste gemeinsame Nenner unserer Gesellschaft.“

Mehr Kunst als Dokumentarfotografie ist die vierte Arbeit, die in den Besitz des Museums übergehen wird: „Geister II“ des Kollektivs Schaum aus Deutschland. Pörschmann: „Das Motiv öffnet einen Raum des Nachdenkens: Was macht die Säkularisierung mit Tradition und Ritualen? Begebe ich mich in das christlich-religiöse Denken, dann gehe ich davon aus, dass es nach dem Tod weitergeht. Wenn ich sage: Am Ende ist einfach Schluss, da kommt nichts mehr, dann verlieren Rituale an Bedeutung und Traditionen gehen verloren.“ Die Fotografie gibt Anlass, sich zu fragen: Ist Kirche noch wiederzubeleben? Kann man Gewesenes zurückholen? Will man das überhaupt?

Bis Sonntag, 29. Oktober, ist die Ausstellung „Trost. Auf den Spuren eines menschlichen Bedürfnisses“ noch zu sehen. An diesem Tag hat das Museum bis 19 Uhr geöffnet.

Bereits ab 16 Uhr wird die Autorin und Journalistin Gabriele von Arnim aus ihrem Buch „Der Trost der Schönheit“ (Rowohlt) lesen, das Mitte August erschienen ist und sich hervorragend mit der Trost-Ausstellung verbinden lässt. Gabriele von Arnim hat sich nach ihrer Publikation „Das Leben ist ein vorübergehender Zustand“ (Rowohlt, 2021), in dem sie über das Leiden und Sterben ihres Mannes schrieb, dem Phänomen Trost zugewandt, um mit Worten zu ergründen, was ihr selbst Halt in Zeiten der Haltlosigkeit geboten hat.

Informationen zum Freundeskreis des Museums für Sepulkralkultur

Der 2020 gegründete Freundeskreis leistet einen direkten und sichtbaren Beitrag zur Entwicklung des Hauses, ohne jedoch die inhaltliche und personelle Ausrichtung des Museums zu beeinflussen. Eine zentrale Herausforderung ist die Unterstützung der seit dem Jahr 2017 laufenden Vorbereitungen für die umfassende Neukonzeption des Museums.

Für alle, die sich in dieser Weise für die Zukunft des Museums einsetzen möchten, werden besondere Einblicke geboten, etwa mit speziellen Führungen und Veranstaltungen. Die Freund*innen des Museums erklären sich ihrerseits bereit, jährlich mindestens 150,- Euro zu spenden. Diese Spenden werden stets konkreten Zwecken zugewiesen, wie etwa der Förderung neuer Positionen in Kunst, Design und Kunsthandwerk im Kontext der Sepulkralkultur oder auch Anschaffungen von Werken für unsere Museumssammlung. Auch Projekte der kulturellen Bildung im Rahmen der wichtigen pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen können auf diese Weise unterstützt werden.

Dirk Pörschmann und Bertram Hilgen (v.l.n.r.) © Museum für Sepulkralkultur

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