Ab Mai 2024
„Und allein das ist ein Grund, darüber zu reden:
Weil er neugierig macht – der Tod – und gleichzeitig auch Angst.“
Ralph Caspers
Die tote Maus im Garten, der vertrocknete Regenwurm, der Opa, der im Sterben liegt. Mit der Endlichkeit des Lebens werden wir fast täglich konfrontiert. Das geht auch an Kindern nicht vorbei. Mit KLAPPE ZU, AFFE TOT beginnt das Museum für Sepulkralkultur am Sonntag, 26. Mai 2024 eine Veranstaltungsreihe für Kinder, die einen Raum für Fragen, Gedanken und Vorstellungen öffnet.
„Kinder haben Fragen zu den Themen Tod, Sterben und Bestatten, die oft von den Eltern nicht beantwortet werden können. Ich erlebe es immer wieder, dass Kinder fasziniert zuhören: Sie wollen manche Dinge einfach wissen“, sagt Gerold Eppler, der als Museumspädagoge regelmäßig in Kontakt mit Kindern und Jugendlichen ist. Zwar werde das Thema Tod in Kita und auch im Grundschulunterricht immer häufiger aufgegriffen, in den Fächern Religion oder Sachkunde zum Beispiel. „Doch Lehrer*innen können manche Fragen selbst nicht beantworten und oftmals fehlt da auch der Raum für die Auseinandersetzung mit emotional beanspruchenden Themen.“
Das Museum für Sepulkralkultur ist ein etablierter Ort für den Dialog über die Endlichkeit und ihre Facetten. „Wir beobachten dabei, dass junge Menschen oft sehr viel unbefangener mit den Themen Sterben und Tod umgehen als Erwachsene. Vorbehalte oder Ängste von Erwachsenen, die dazu führen, dass über den Tod nicht gesprochen wird, teilen wir nicht“, sagt Eppler. Mit Fingerspitzengefühl aus unserer gesammelten museumspädagogischen Erfahrung möchten wir nun regelmäßig genau hinschauen. Wir möchten Gelegenheiten bieten, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen – bevor Kinder von diesem existenziellen Thema überrascht werden.
„Gibt es im Himmel Eiscreme?“ lautete der Titel eines Vortrags von Mechthild Schroeter-Rupieper, den die Gründerin der Familientrauerarbeit und Autorin vor einigen Jahren hielt. Sie weiß aus ihrer täglichen Arbeit: Kinder haben ihre ganz eigenen Gedanken und Fragen, wenn es um den Tod geht. Dass es auf ihre Fragen oftmals genauso wenig eine Antwort gibt, wie auf die Fragen von Erwachsenen, liegt in der Sache selbst begründet: Wer gestorben ist, kann nicht mehr berichten, wie es war und wer tot ist, der ist für Fragen unerreichbar. Den Schmerz, der mit dieser Tatsache einhergeht, kann man Trauernden nicht nehmen. Doch die Beschäftigung mit der eigenen Existenz oder mit dem Ende des Lebens, an dem jeder eines Tages ankommt, bringt etwas mehr Licht ins Dunkel. Und mehr noch: Über das Ende des Lebens nachdenken, bedeutet automatisch das Leben selbst besser wahrnehmen zu können. „Wer den Tod als Teil des Lebens betrachtet, der wird auch bewusster leben“, sagt Dirk Pörschmann, der das Museum für Sepulkralkultur leitet.Im Fokus steht das Kinderbuch
KLAPPE ZU, AFFE TOT ist eine Veranstaltungsreihe für Kinder, bei der die Fragen der Jüngsten im Vordergrund stehen. Doch wie öffnet sich dieser Raum? Dazu greifen wir zurück auf ausgewählte Kinderbücher, die sich dem Tod, dem Abschiednehmen, aber auch dem Leben und dem Empfinden von Gefühlen widmen – darunter auch Neuerscheinungen, die im Museum für Sepulkralkultur erstmals vorgestellt werden. Über das Eintauchen in eine (fiktive) Geschichte können sich Denk-Räume öffnen und Fragen ergeben, die im Anschluss besprochen werden können. Liebevoll erzählte Geschichten und die Anteilnahme am Erleben sensibel gezeichneter Figuren setzen Emotionen frei und ermöglichen es dem jungen Publikum, sich beispielhaft auch mit schweren Themen wie Tod und Krankheit auseinanderzusetzen.
Auf dem Programm für dieses Jahr stehen Lesungen und Workshops, deren Konzepte immer auch eine Öffnung für das Publikum beinhalten. Neben dem Zuhören geht es darum, miteinander ins Gespräch zu kommen und es wird ein Raum geschaffen, sich kreativ mit Inhalten auseinanderzusetzen.An wen richten sich die Veranstaltungen?
Die Veranstaltungen der Reihe richten sich an Kinder ab sechs Jahren bis zur weiterführenden Schule. Angesprochen sind Familien genauso wie Lehrkräfte und Pädagogen, die die Veranstaltungen mit Gruppen besuchen können. So umfasst das Veranstaltungsprogramm der Reihe KLAPPE ZU, AFFE TOT sowohl Vormittagsveranstaltungen, für die sich Gruppen anmelden müssen, als auch solche, die nachmittags oder am Wochenende stattfinden.
Die Veranstaltungen werden auf der Website des Museums für Sepulkralkultur bekanntgegeben.
Für die Unterstützung der Reihe KLAPPE ZU, AFFE TOT geht unser herzlicher Dank an die WELL being Stiftung, die Gerhard Fieseler Stiftung, die Buchhandlung am Bebelplatz sowie an das Literaturhaus Kassel e.V.