DAUERPRÄSENTATION
© Museum für Sepulkralkultur, Kassel, Bildarchiv

Sterben, Tod, Bestattung, Trauer und Gedenken

Das Museum für Sepulkralkultur besitzt Sammlungen, die vornehmlich aus der christlich-abendländischen Kultur stammen und bis heute ca. 22 000 Exponate aus dem Zeitraum vom 1. Jh. n. u. Z. bis heute umfassen. Durch Ankäufe und Schenkungen wird diese Sammlung kontinuierlich ausgebaut.
Derzeit zeigt das Museum in der Dauerausstellung die Entwicklung der Grabmalkultur vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Ein weiterer Teil sind brauchtümliche und volksreligiöse Exponate der Bestattungs-, Trauer und Gedenkkultur.

Aktuelle Entwicklungen sowie zeitgenössische künstlerische Positionen, die das facettenreiche Verhältnis des Menschen zu Sterben und Tod thematisieren, sind in einzelne Themenfeldern integriert.
Auch werden Bestattungsbräuche verschiedener Religionen und Kulturen in Deutschland und weltweit präsentiert. Sie alle dokumentieren menschliche Strategien im Umgang mit der Endlichkeit des Lebens. Wie wir mit dem Tod umgehen, sagt uns, wer wir sind, woher wir kommen, was wir denken und was wir glauben. Das Bewusstsein für die Sterblichkeit intensiviert dieses Leben und das Wissen um die Traditionen des Todes verstärkt das gegenseitige Verständnis.

Seit dem 21. Jahrhundert befindet sich die Bestattungskultur in Deutschland in einem grundlegenden Umbruch. Auch der Umgang mit Sterben und Tod unterliegt diesem allgemeinen gesellschaftlichen und kulturellen Wandlungsprozess.

So ist eine Neukonzeption vor dem Hintergrund dieses Wandels, der demographischen Entwicklung und der Migration durch aktuelle multikulturelle, ethische, soziologische, medizinische, sozialpsychologische und naturwissenschaftliche Aspekte im Umgang mit Sterben und Tod in Planung.
Groß angelegte Sonderausstellungen und Interventionen rücken regelmäßig verschiedene Aspekte der zeitgenössischen Entwicklung in den Fokus.

Im Außenbereich des Museums stehen hölzerne Grabzeichen stellvertretend für geschichtliche Zeitabschnitte vom Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert. Daneben wachsende Pflanzen verweisen auf Zusammenhänge zwischen Grab und Pflanze bis hin zur Entwicklung einer Grabbepflanzung. In anderen Bereichen werden gegenwärtige, künstlerische und handwerklich interessante Formen des Totengedenkens präsentiert.    

Neues aus der Sammlung

 

Fünf Fotografien aus Nancy Borowicks "The Family Imprint"

Schenkung

Nancy Borowick bezeichnet sich selbst als humanitäre Fotografin. Sie studierte Dokumentarfotografie und Fotojournalismus am International Center of Photography sowie Anthropologie und Fotografie am Union College, N.Y. Neben zahlreichen Publikationen und Ausstellungen hält sie Vorträge und gibt Beratungen an Universitäten und in Hospizeinrichtungen.
Der Fokus ihrer journalistischen Arbeit liegt auf dem Erzählen von Geschichten über persönliche Beziehungen und dem vorsichtigen und respektvollen Beobachten von Menschen in humanitären, gesundheitlichen oder gesellschaftlichen Krisen. Mit Demut, Mitgefühl und Vertrauen nähert sich Borowick ihrem Sujet und erforscht dessen facettenreichen Kosmos.

Die Arbeit The Family Imprint wurde durch die fast gleichzeitige Diagnose ihrer Eltern Howie und Laurel Borowick ausgelöst, die beide an unheilbarem Krebs erkrankt waren. Ihre Tochter bechloss, alles mit der Kamera festzuhalten, um so oft wie möglich bei ihnen zu sein und zugleich durch die Fotografie einen vertrauten Kontext, aber auch ein Sicherheitsnetz und eine Distanz zu schaffen, die sie von der tatsächlichen Realität abschirmten. Die Bilder zeigen eine Familie, die Momente des Verzweifelns durchsteht, aber dem Schicksal auch immer wieder mit Humor begegnet. Howie Borowick verstarb im Jahr 2013, Laurel ein Jahr später. Die 2017 erschienene Monographie The Family Imprint umfasst Fotografien, Briefe und Notizen, die die gemeinsame Zeit und den Verlust dokumentieren.
Die fünf Fotografien wurden, nachdem sie in der Sonderausstellung in Lamento – Trauer und Tränen zu sehen waren, für das Museum für Sepulkralkultur angekauft.

Nancy Borowick, „Die Umarmung“
aus „The Family Imprint“, 2017
© Nancy Borowick
Nancy Borowick, „Happy New Year“
aus „The Family Imprint“, 2017
© Nancy Borowick

Ein neues Gemälde für die Sammlung

Ankauf

La Tristesse

Öl auf Leinwand, um 1860

Die Lebenserwartung des Menschen war in früheren Jahrhunderten weitaus geringer als heutzutage. Dies belegt allein schon die höhere Sterblichkeit unter Kindern, insbesondere Säuglingen. Noch um 1870 vollendeten in Europa etwa im städtischen Raum 35 - 40% der Säuglinge nicht das erste Lebensjahr. Dieses Gemälde aus jener Zeit bildet somit ein Schicksal ab, wie es dereinst viele Eltern teilten. Das Bild betont dieses Schicksal auf ikonografisch besondere Art, denn es ist wie eine Vanitas-Darstellung komponiert. Solchen Darstellungen liegt die christliche Intention zugrunde, die Unausweichlichkeit des Todes über die Abbildung bestimmter Realien und gestalterischer Elemente symbolisch zu vermitteln, um darüber sogleich zu einer gottgefälligen Lebensführung anzuhalten – als Voraussetzung für die Erlangung des Ewigen Heils. So leiten sich die zentralen Bildthemen Tod und Verlust nicht allein aus der Darstellung des sterbenden Kindes und seiner trauernden Mutter ab, sondern ebenso aus der Symbolik ikonografischer und kompositorischer Details. Die Darstellung enthält aber ebenso Zuversicht symbolisierende Gegenstände und Elemente, wie den Wiegenüberwurf, der mit seiner grünen farbe für Hoffnung und ewiges Leben steht, sowie eine Rosenkranzkette auf dem Fußboden und die auf dem Tisch brennende Kerze neben einem Kruzifix, das vom Lichtschein erhellt und dadurch sichtbar wird.

"La Tristesse"
Gemälde von Jules Joseph Boulanger (1822–1868), Foto: Frank Hellwig
© Museum für Sepulkralkultur, Kassel, Bildarchiv

28 fantastische Särge aus Ghana

Schenkung

Im Dezember 2018 wurde dem Museum für Sepulkralkultur durch Antje Hegge (Köln) die "Sammlung Hermann Krause" (1944 – 2018) mit 28 figurative Särgen aus der Werkstatt des gahanischen Sargkünstlers Paa joe als Schenkung übergeben. Die imposanten Särge sind das Spiegelbild eines höchst kreativen Umgangs mit dem Verlust. Dies gibt Anlass, über den Stellenwert von Kreativität, die immer wieder auch Kennzeichen von Individualität ist, im Umgang mit Abschied und Trauer zu reflektieren sowie persönlich für sich auszuloten.

Interessant ist bei all dem, dass die Tieren, Pflanzen, Gebäuden, Alltags- und Gebrauchsgegenständen nachempfundenen Särge keineswegs schon immer im Totenkult der Ghanaesen verankert waren und somit alles andere als traditionell sind. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts begannen sie sich zu etablieren. Die Särge, die nicht für die Bestattung, sondern für Sammlungen und Museen angefertigt wurden, waren unter anderem in der Sonderausstellung "Mit dem Linienbus ins Jenseits" im Museum zu sehen. Ein Exemplar in Form einer Kuh ergänzt unseren Dauerausstellungsbereich "Multikulturelles Bestattungsbrauchtum".

Unser Sarg in Kuhform kommt an!
von Sargkünstler Paa Joe, Ghana
© Museum für Sepulkralkultur, Kassel, Bildarchiv
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Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V.

Museum für Sepulkralkultur

Zentralinstitut für Sepulkralkultur

Weinbergstraße 25–27
34117 Kassel | Germany
Tel. +49 561 918 93-0
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