Interview mit Anke Kuhl, Illustratorin des Buches „Radieschen von unten“
4. Oktober 2023
Frau Kuhl, gemeinsam mit Ihrer Kollegin Katharina von der Gathen haben Sie das Kindersachbuch „Radieschen von unten“ herausgebracht. Wie kamen Sie zu diesem Projekt?
Anke Kuhl: Die Idee kam von Katharina von der Gathen. Sie ist an mich herangetreten, weil wir schon mehrere Bücher zusammen gemacht haben. Ich hatte gleich Lust, mit ihr ein Buch für Kinder zum Thema Tod zu machen. Ich hatte sowieso schon länger darüber nachgedacht, mal ein Projekt zu machen, das sich ästhetisch und erzählerisch in diesen Bereich begibt, hatte es aber immer aufgeschoben. Ein Kinder-Sachbuch zum Tod fand ich dann eine sehr schöne Vorstellung. Da ich bei unseren vorangegangenen Projekten erfahren habe, dass Katharina vermeintlich schwierige Themen Kindern sehr einfühlsam und unaufgeregt nahebringen kann, hatte ich großes Vertrauen, dass ihr das auch hier gelingen würde. Mir liegt das Thema sehr am Herzen und ich hätte selbst als Kind so ein Buch gut gebrauchen können.
Wie ist es für Sie, Tote zu malen oder zu zeichnen? Was macht das mit Ihnen und gibt es einen Unterschied zum Malen von lebendigen Personen?
Anke Kuhl: Das ist eine interessante Frage, die mir jetzt häufiger gestellt wird. Natürlich ist es ein riesiger Unterschied, ob man Lebendige oder Tote zeichnet. Normalerweise bekomme ich oft gespiegelt, dass die Figuren in meinen Büchern sehr lebendig wirken. Viele Tote hatte ich bis „Radieschen von unten“ nicht gezeichnet. Aber ich habe mich schon immer extrem von der Darstellung von Toten angezogen gefühlt. In meinem Büro hängt zum Beispiel ein riesiges Bild von einem toten Specht, das ein befreundeter Künstler gezeichnet hat. Ich finde, dass von toten Menschen und Tieren eine ganz spezielle Schönheit und Ruhe ausgeht, vorausgesetzt sie sind nicht eines gewaltsamen, grausamen Todes gestorben. Verstörend finde ich den Anblick nicht und hatte auch keine Hemmschwelle, dazu zu zeichnen. Ich fand es fast beruhigend und habe es sehr gerne gemacht.
Wie schaffen Sie es bei den Themen Tod, Sterben und Trauer den Humor in Ihren Illustrationen beizubehalten?
Anke Kuhl: Ich wüsste gar nicht, wie es ohne Witz geht. Allerdings habe ich bei „Radieschen von unten“ etwas mehr über Art und Dosierung des Humors abgewogen, als bei vorangegangenen Projekten. In unseren Aufklärungsbüchern hatte ich das Gefühl, ich kann ziemlich hemmungslos drauf los witzeln. Beim Thema Tod habe ich gespürt, dass der Humor ein anderes Fingerspitzengefühl erfordert und habe stärker ausgelotet, wo er angemessen ist und wo nicht. Aber Katharina und ich waren uns sehr einig, dass es Anlass und Raum zum Lachen geben muss in unserem Buch.
Anke Kuhl, Jahrgang 1970, hat in Mainz und Offenbach das Zeichnen studiert und arbeitet seit 1998 in der Frankfurter Ateliergemeinschaft labor. Für ihr bei Klett Kinderbuch erschienenes Buch “Alles Familie!” wurde sie mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Frankfurt am Main.
Die Interviews führte Angelina Habeck, Praktikantin im Museum für Sepulkralkultur.