30. Juli 2026
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„Man muss sich etwas trauen“

Museumspädagoge Gerold Eppler steht in der Rotunde des Museums für Sepulkralkultur. Um ihn herum sind an schnüren Postkarten aufgehängt. Sie scheinen zu schweben. Hinter ihm sieht man durch die Fenster die Stadt Kassel. Er verschränkt die Arme.

Steinmetz, Museumspädagoge, Leichenwagen-Fan – Gerold Eppler geht in den Ruhestand

Wenn Gerold Eppler auf seine ganz eigene, geheimnisvolle Weise von Objekten und ihren Geschichten des Museums für Sepulkralkultur erzählt, dann wird es mucksmäuschenstill. Kinder, Erwachsene, Senior*innen – dieser Mann zieht Zuhörer*innen in seinen Bann. Der gelernte Steinmetz, der im Museum als Museumspädagoge arbeitete, aber auch stellvertretender Museumsdirektor und Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal war, geht jetzt in den Ruhestand. Mit ihm geht einer, der eine unvergleichliche Vermittlung der Endlichkeit etabliert hat, aber vor allem ein geschätzter Kollege, mit dem (fast) alles erreichbar schien.

Gelernter Steinmetz, studierter Kunstpädagoge, ein Mann mit Schaffenskraft und viel Erfahrung – im Museum für Sepulkralkultur führte er seit 1992 die bis dato gesponnenen Fäden aus Studium, Ausbildung und Privatem zusammen. 34 Jahre lang ohne Pause und mit viel Mut. Schließlich ging es in seinem Job primär darum, Menschen die Endlichkeit vor Augen zu führen und sie dabei vor allem nicht zu verschrecken. „Es ist der Austausch mit den Menschen, der die Freude macht, sie lernen uns und wir sie kennen. Man muss sie abholen und dabei bloß nicht wissenschaftlich sein. Ich habe immer versucht, nicht wie der Fachmann zu sprechen, sondern wie ein Mensch, der etwas zu erzählen hat.“ Es gehe darum, zuzuhören, Reaktionen wahrzunehmen und das Interesse: „Worauf fällt der Blick? Hier gilt es dann, anzuknüpfen“, sagt Eppler.

Aus den Begegnungen resultierten viele Impulse, die wiederum in die eigene Arbeit einfließen. So wie neulich, als es darum ging, ein Skelett aus der schulbiologischen Sammlung, bei dem es sich um echte Knochen handelte, gemeinsam mit Schüler*innen beizusetzen. „Eine Schülerin sprach mich an und erzählte von dem Bestattungsritual in Litauen: dass sie ihre tote Großmutter noch einmal küssen musste, was für sie ganz befremdlich war. Das war mir neu und zugleich zeigte mir diese Begegnung wieder, dass das Brauchtum oftmals nicht den Bedürfnissen der Menschen entspricht.“ Es gebe so viele Dinge, die er noch nicht wisse – auch nach vielen Jahrzehnten der Beschäftigung mit der Sepulkralkultur. Das wohl wichtigste bei seine Arbeit sei das Echo gewesen: „Wenn ich das Gefühl hatte, dass das, was ich vermittelt habe, bei den Menschen nachhallt.“

Jede Zielgruppe brauche eine eigene Ansprache, einen individuellen Umgang. So habe ihn einmal die Nachfrage einer Dame irritiert, die wissen wollte, ob er auch einer Gruppe mit geistig eingeschränkten Menschen eine Führung anbieten würde. „Diese Frage stellt sich nicht“, habe er geantwortet. „Und dann ging ich mit diesen Menschen durch die Dauerausstellung und bekam außerordentlich unverstellte und direkte Reaktionen auf die eigenen Worte.“ Eine wertvolle Erfahrung, die ihm in Erinnerung bleibt.

Knoblauch als Schutz vor dem Grusel

Dass Gerold Eppler einer ist, der sich etwas traut, dafür gibt es zahlreiche Beispiele. So erzählt er begeistert von dem Begleitprogramm zu Ausstellung „Totenhochzeit mit Kranz und Krone“ (2007), in der es um Menschen ging, die unverheiratet gestorben sind. Für drei Abende hatte er die Filmrechte von Tim Burtons „The Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche“ besorgt und den Film gemeinsam mit der Kollegin Ulrike Neurath vor Grundschulkindern und ihren Eltern gezeigt. Um dafür zu sorgen, dass auch die gruseligen Szenen des Films gut überstanden werden, verteilte man zuvor aufgefädelte Knoblauchzehen. „Die ganze Cafeteria roch nach Knoblauch“. Hineingebissen, so wie es zum Schutz vor dem Grusel den Kindern vorab empfohlen wurde, habe keiner. Die Eltern hätte den Film teils gruseliger empfunden als die Kinder. Immerhin folgten sie den von Gerold Eppler in den Grundschulen verteilten Flyern und kamen ins Museum – zwei von drei Filmabende seien ausverkauft gewesen.

Voraussetzung für die Arbeit im Museum für Sepulkralkultur sei es, eine eigene Haltung zu entwickeln. „Nur so kannst du mit dem Thema umgehen, ohne es zu nahe an dich heranzulassen.“ Da stellt sich natürlich die Frage nach der Haltung von Gerold Eppler. Eine Ausbildung zum Steinmetz habe er absolviert und dort mit einem verwitterungsbeständigen Material gearbeitet. „Ich glaube nicht an ein Leben nach dem Tod, aber es wird etwas von mir bleiben.“ Einige Stücke von ihm seien „ganz gut“ geworden: „Auf diese Weise überdauere ich.“ Neben den Dingen seien es aber auch die zahllosen Begegnungen mit Menschen im Museum und bei seinen Projekten außerhalb, die ihn auch nach seinem Tod lebendig sein ließen. „Man hinterlässt Eindrücke.“

Ob bei Führungen oder Projekten oder im Kontakt mit Studierenden, die seine Expertise für die Diplomarbeit nachfragten – er habe nie etwas vorgegeben oder eigene ästhetische Vorstellungen als Maß gesehen, sondern vielmehr versucht, das Innere, Eigene herauszukitzeln. Wozu auch zählte, eigene Erfahrungen zu sammeln. Etwa beim Besuch im Krematorium, dessen technische Vorgänge manchen Nachwuchs zunächst erschütterten, bevor sie dazu beitrugen, neu auf eine Sache zu blicken. Ähnlich habe er es auch bei seinem Sohn versucht, der heute 27 Jahre alt ist. „Ich hätte nie gewollt, dass er meinen Vorstellungen entspricht.“ Dazu sei es auch nicht gekommen. Während er selbst nach dem Abitur den Wehrdienst verweigerte, um in einer Institution mit flachen Hierarchien Zivildienst zu leisten, arbeite sein Sohn mittlerweile bei der Bundespolizei. Das Interesse seines Sohnes schon als Kind an Geschichte habe er aber gern mit Besuchen von Burgen, Schlössern und Museen gefüttert. „Im zweiten Schuljahr sollte er ein Referat über Richard Löwenherz halten und wurde nach 45 Minuten vom Lehrer harsch unterbrochen“, erinnert sich Gerold Eppler stolz. Er selbst habe sich übrigens nie in der Schule gesehen, dafür hätte die Bewertung dort eine viel zu große Rolle. „Hier im Museum ist der Lernerfolg daran zu messen, wie sich Schüler*innen auf das Thema einlassen.“ Dank spielerischer Formate mit großem Erfolg: „Es war schon häufiger so, dass eine Lehrkraft am Ende zu mir kam und feststellte, sie habe einen Schüler gar nicht wiedererkannt.“

„Irritationen erzeugen Denkanstöße“

Wenn man von einer Mission sprechen möchte, dann ist es wohl, Menschen von jung bis alt zu bewegen und zu öffnen. Der Weg, der dorthin führte, war nicht der angepasste. So ergab sich aus dem Gespräch mit Thorsten Teubl, damals noch Tanzdramaturg am Staatstheater Kassel, eine Modenschau von Tänzer*innen, die sich in mit Totenköpfen versehener Kleidung zwischen Grabsteinen auf dem Laufsteg bewegten. Die Männer trugen unter anderem Dessous mit Memento Mori-Motiven und Laien wurden dazu gebracht, ihre Tätowierungen zu präsentieren. Das alles passierte begleitend zur Ausstellung „Buy now, die later“ (2015). „Das Extrem ist nicht der Zugang, aber Irritationen erzeugen Denkanstöße“, sagt Eppler, der auch im Team des Museums vor allem der ist, der einfach mal sagt „Probieren wir es aus.“ Seine Offenheit für neue Formaten und Zugängen zum Thema, die Empfänglichkeit für Begeisterung über die Ideen der Kolleg*innen, das ist, nebenbei bemerkt, war ein großes Glück im Miteinander. Das Publikum sei durch die Modenschau zum Schmunzeln gebracht worden – und das wiederum könne ein Türöffner sein.

Er selbst habe sich immer im Spannungsfeld von Empfinden und persönlichem Einfühlen,  Distanzeinnehmen und Reflektieren befunden. Dieser Fähigkeit ist es zu verdanken, dass Gerold Eppler in seiner Zeit des Wirkens eine Museumspädagogik aufgebaut hat, die wirkt. Manchmal sei die Abgrenzung aber auch eine Herausforderung. Etwa, der Traurigkeit verhaftet zu bleiben, wenn verwaiste Eltern von ihrer Erfahrung berichten. So ging es in der Ausstellung „… und die Sterne begannen zu leuchten“, einer Kabinettausstellung, um verstorbene Kinder. In der Ausstellung sollte unter anderem gezeigt werden, welches Warenangebot es für Eltern verstorbener Kinder gibt. Eppler und seine Kollegen lösten die Darstellung mit der Einrichtung eines Kinder- und Jugendzimmers, in dem Gegenstände mit Memento-Mori-Motiven zu sehen waren, vom Radiergummi bis zur Bettwäsche – so habe man das Thema greifbar gemacht, ohne zu verschrecken. Eine erfolgreiche, kleine Ausstellung sei das gewesen – viel wertvoller jedoch das, was danach kam. Aus dem Erstkontakt mit verwaisten Eltern entstand eine Regelmäßigkeit. So wird bis heute mit dem World Wide Candlelighting jeden November eine große Gedenkveranstaltung im Museum für Sepulkralkultur gefeiert, bei der am Ende eine lange Kette an Kerzenlichtern von der Terrasse des Museums in den Himmel strahlt.

Anknüpfungspunkte an die aktuelle Lebenswelt der Menschen zu finden, das sei eine Stärke des Hauses. „Kinder sollen bei einem Kindergeburtstag Spaß haben und Betroffenen muss deutlich gemacht werden, dass sie mit ihrem Verlust nicht allein sind.“ Es ist das Spannungsfeld von Leben und Tod. „Ich weiß nicht, ob das anderen Museen auch so gut gelingt, dieses Spannungsfeld aufrechtzuerhalten.“ Dabei geht es laut Eppler nicht darum, einen Sandkasten auf den Friedhof zu stellen, sondern Angebote zu schaffen, die um der Vermittlung des Themas willen Brücken bauen.

Der Himmel unterm Autodach

Hilfreich ist dabei seine Einstellung, Dinge auch einfach mal auszuprobieren, etwas Neues zu wagen und zu beobachten. Übrigens eine Eigenschaft, die er als die Verbindung zu seiner südhessischen Heimat betrachtet: „das Einschätzen von Vorschriften als Empfehlung“. Die extrovertierte Umsetzung dieses, ja vielleicht Gerold Epplers Lebensmottos, hat er allerdings hinter sich. Etwa mit dem abgemeldeten VW Käfer seines Kumpels am Rhein entlangzufahren. „Da gibt es ein Bild, bei dem ich während des Fahrens auf dem Dach liege und mich an den Fensterrahmen festhalte.“ Oder mit den Kumpels aus dem Kunst-Leistungskurs verbotenerweise in der Natur zu zelten und morgen in der Mofa-Kolonne zur Schule zu fahren – nur eines von zahllosen Bildern, die Gerold Eppler einfallen, wenn es um seine Jugend geht. „Einmal malten wir einen Himmel unter das Autodach eines Kumpels. Der Direktor brauchte einen Moment, um zu erkennen, dass es ein Projekt innerhalb des Schulunterrichts war.“

Mit den Kumpels aus dem Kunst-LK stehe er immer noch lose in Kontakt. Die seien mittlerweile „alle verbürgerlicht“: verheiratet, Kinder, Haus. Alle fünf Jahre findet das Abitreffen in Gernsheim statt, ansonsten laufe der Kontakt über Whatsapp. „Ich bin aber nicht der Whatsapp-Schreiber. Oft weiß ich nicht, was ich schreiben soll und lasse es dann oder aber meine Nachrichten fallen ganz förmlich aus.“ Whatsapp sei auch der Kanal, über den kommuniziert werde, wenn wieder einer aus der Clique gestorben ist. Neben der guten alten Zeit mit Super-8-Film und Motorrad verbindet ihn mit den Kumpels aus dem Kunst-LK die Schulzeit mit einem Lehrer, der ihn sehr beeinflusst habe. „Wir waren damals der erste Jahrgang, an dem die reformierte Oberstufe mit Kurssystem eingeführt wurde. Wir wünschten uns damals einen Kunst-LK, allerdings waren die Pläne alle schon geschrieben, alle Unterrichtszeiten verteilt.“ Also nahm man die Sache selbst in die Hand und schuf zusätzliche Unterrichtzeiten außerhalb des bestehenden Stundenplans. „Wir hatten dann am Vormittag Freistunden und am Nachmittag dann Kunst-LK.“ Dank der guten Kontakte seines Lehrers besuchte man viele Ausstellung und stellte sogar selbst im Landesmuseum Darmstadt aus. Ein paar seiner Bilder liegen noch auf dem Dachboden, erzählt Eppler. „Ich habe gern gegenständlich gemalt.“

Die Begegnung mit Herrn Weiß, wie sein Kunstlehrer hieß, habe sein Leben beeinflusst. Es ist einer von vielen Fäden, die letztlich in seiner Arbeit für das Museum für Sepulkralkultur zusammenfließen. Ein weiterer ist sein Zivildienst in der Psychiatrie im Landeskrankenhaus Riedstadt. Hier stieß er als 20-Jähriger auf aufgeschlossenes und wertschätzendes Fachpersonal und konnte sich in den Bereich Arbeitstherapie, heute Ergotherapie, einbringen. Nach dem Zivildienst begann er ein Studium der Architektur, brach es aber zugunsten einer Lehre zum Steinmetz und Steinbildhauer ab. Zur Bildhauerei kam er über seinen Schulkollegen Uwe Dotzert, der sich bereits in der Steinmetzlehre befand. Nach dem Abschluss führte die beiden der Weg nach Frankfurt am Main, um dort Kunstpädagogik mit den Nebenfächern Kunstgeschichte und Psychologie zu studieren. Um seine Leidenschaft für das Motorradfahren zu finanzieren, jobbte er schon seit der Lehre parallel als Hilfskraft im Krankenhaus – seine erste Berührung mit Toten. „Ich zog Braunülen, wusch die Toten, hängte Zettelchen an den Zeh und fuhr sie dann runter in die Kühlung.“ Hier wurde Gerold Eppler auch das erste Mal konfrontiert mit der Frage, wie man bei einem Menschen den Tod feststellt. „Ich kam in das Zimmer eines Patienten und sah, dass er noch gar nichts gegessen hatte. Also wollte ich ihm helfen und versuchte es mit Joghurt. Bis eine Schwester ins Zimmer kam und sagte ‚Gerold, der ist schon tot‘. Aber er hatte ja kurz vorher noch geatmet …“

Im Studium habe er den Raum für die künstlerisch-kreative Arbeit genossen, ebenso wie die Freiheit, sich auszuleben. So schloss er sich in den ersten Semesterferien mit anderen Kommilitonen zusammen, um in den drei Monaten Workshops anzubieten. „Die Werkstätten waren leer und wir hatten Zeit, das wollten wir nutzen und luden alle ein.“ Eine andere Aktion führte ihn mit Kumpels nach Carrara zum historischen Marmorsteinbruch Cave Nicoli. Dort, wo sich berühmte Bildhauereiateliers befinden, besorgten sich die Studierenden Material. „Wir sagten uns, was brauchen wir einen Kurs, wir können das ja, also fuhren wir mit dem Opel Rekord zum Steinbruch und holten uns Steine. Die Wege waren ziemlich schmal und beim Hochfahren musste man Hoffen, dass einem kein LKW mit Steinblöcken entgegenkommt.“ Eine sichtbare Erinnerung ist eine kleine Narbe am linken Handgelenk von der scharfen Kante eines Steinbrockens. „Ja, wer viel fragt, heißt es ja, der bekommt eben auch Antworten. Deshalb haben wir oftmals einfach nicht gefragt.“

In seiner Abschlussarbeit widmete er sich der Bildhauerei. Die Steinskulpturen würden noch heute in den Gärten seiner Kumpels stehen: meist figürliche Arbeiten mit abstrakten Elementen wie etwa der „Bischof mit der dicken Lippe“ oder ein Glaserkopf. Auch, dass er es mit seinen Arbeiten mithilfe einer nicht ganz legalen Aktion sogar in das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt gebracht hat, ist Epplers Aktionsgeist zu verdanken. Der von Hans Hollein entworfene, postmoderne Museumsbau sei damals Baustelle gewesen und sollte Ort eines Rave werden. Freunde von ihm hatten sich eine Drehgenehmigung besorgt, um auf dem Gelände zu filmen – ein Türöffner, den Eppler nutzte. So brachten er und seine Kumpels ihre bildhauerischen Arbeiten ins Haus und riefen daraufhin Jean-Christophe Ammann, der künftige Direktor des Museums an. „Schauen Sie mal vorbei, hier gibt es schon die erste Ausstellung zu sehen.“ Das sei kein Quatsch gewesen, sondern „Kulturarbeit“, merkt er spaßhaft an. Und die sei glimpflich ausgegangen.

Mehr als nur ein Mitarbeiter

Seine erste Begegnung mit oder vielmehr auf dem Friedhof war verstörend. Als Elfjähriger fuhr er mit Freunden auf den Friedhof im Ort, um ein bisschen Rad zu fahren. „Es war gar nicht so leicht über diese engen Wege mit dem Rad zu fahren. Da kam der erboste Pfarrer rausgeschossen und drohte uns Prügel an.“ Kaum zu glauben, dass Gerold Eppler sich nach diesem Erlebnis mit dem Friedhof als Ort und seinem Personal angefreundet hat. Denn das wurde schließlich eines einer Hauptthemen in den folgenden Jahrzehnten seiner Arbeit für die Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal. Wolf Spemann, sein Professor für Bildhauerei an der Uni Frankfurt, die beiden hatten schon diverse Projekte gemeinsam gestartet, machte ihn auf eine Stellenanzeige in Kassel aufmerksam. Er selbst war bereits Mitglied des Vereins, das gerade ein Museum gebaut und eröffnet hatte. Vor dem damaligen Direktor Rainer Sörries und dem Vorstand stellte sich Eppler vor – seine Projekte, die Steinmetzlehre, das Studium der Kunstpädagogik und seine Fertigkeit, wissenschaftlich arbeiten zu können, führten letztlich zu einer Zusage und Gerold Eppler startete im September 1992, in eine lebendige, von der documenta IX geprägte Stadt. „Auf den Straßen war viel los, die Programmkinos hatte längere Öffnungszeiten und auch im Museum war spätsommerlicher Betrieb.“ Nach zwei Wochen dann die erste große Aufgabe. „Eine Dame kam auf mich zu und fragte nach einer Führung für die Goethe-Gesellschaft. Die Goethe-Gesellschaft! Ich bin so frisch hier und die wissen mehr über die Objekte als ich, aber gut, du wirst dafür bezahlt. Also gab ich meine erste Führung.“ Nach dem Sommer kam der Herbst, die documenta war verschwunden – „und plötzlich war alles dunkel. Ja, das war mein Start in die Arbeit im Museum für Sepulkralkultur.“

Vom Start zum Ende. Mit Gerold Eppler verlässt ein Mann das Museum für Sepulkralkultur, der mehr war, als ein Mitarbeiter. Als Mann der ersten Stunde einer für den Dialog über die Endlichkeit bis heute unverzichtbaren Museumpädagogik ging Eppler neue Wege, etablierte sie und trug zur angewandten Museumsarbeit bei, die nicht nur „irgendwie gut“ ging. Er konzipierte Ausstellungen, schuf Angebote in Bildung und Vermittlung, füllte zusammen mit Dagmar Kuhle den Fortbildungsbereich Friedhofsentwicklung mit Inhalten. Er beriet Friedhofsträger in ganz Hessen und arbeitete zuletzt mit an der Etablierung einer Friedhofsplakette, mit der Friedhöfe ausgezeichnet werden sollen. Was Eppler in einer Person vereinte, wird nun von mehreren Köpfen weitergeführt. Aber das ist eben auch das Schöne an der Einmaligkeit: diesen Gerold Eppler, den gibt es nur einmal.

Text: Anna Lischper

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