Trost - Auf den Spuren eines menschlichen Bedürfnisses
01. April 2023 – 17. September 2023
Eine Sonderausstellung im Museum für Sepulkralkultur
Eröffnung: 31. März 2023 | 18 Uhr | Museum für Sepulkralkultur, Kassel
Presserundgang am Donnerstag, 30. März 2023, 11 Uhr
„Wer von uns weiß nicht von Momenten im Leben zu berichten, in denen wir getröstet werden wollten? “ (Jean-Pierre Wils)
Die aktuelle Sonderausstellung „Trost – Auf den Spuren eines menschlichen Bedürfnisses“ vollendet die Ausstellungstrilogie zum Themenfeld Trauer und Gedenken: „Lamento – Trauer und Tränen“ (2019); „Memento – Im Kraftfeld der Erinnerungen“ (2020).
Die Ausstellung beleuchtet das Phänomen Trost aus verschiedenen kulturellen, religiösen und künstlerischen Perspektiven und reflektiert, wie wir Verlusterlebnissen und den damit verbundenen Schmerzen begegnen können.
Traditionell gelten Religionen als Fundus des Trostes. Religiöse Rituale und Konzepte geben sowohl Sterbenden als auch Hinterbliebenen Hoffnung und Halt. Doch immer suchten und fanden Menschen auch Trost in der Literatur, in der Poesie der Sprache, die eine empathische tröstende Identifikation und Verbundenheit anbieten kann. Gleichermaßen gilt das auch für die Musik, die uns in heilende Resonanzen und andere Dimensionen versetzen kann. Auch die Natur, die Begegnung mit Tieren oder Erinnerungsstücke können Wegbegleiter durch ihre Gegenwart in Zeiten des Schmerzes sein. Ein menschliches Miteinander, Trostgespräche, Nähe und Gemeinschaft tragen vielfach dazu bei, dass das Leid gelindert werden kann.
Über zeitgenössische künstlerische Exponate und kulturhistorische Artefakte ermöglicht die Ausstellung den Besucher*innen ästhetische und sinnliche Erfahrungen sowie intellektuelle Zugänge, um das Thema Trost in seiner Komplexität greifbar zu machen.
Präsentiert werden Grafiken, Fotografien, Videos, Hör- und Klang-Installationen sowie skulpturale Interventionen von: Mulugeta Ayene (ETH), Nancy Borowick (USA), Nicola Brand-Distelhoff (DEU), Bazon Brock (DEU), EMPFANGSHALLE – Corbinian Böhm / Michael Gruber (DEU), Dirk Franz (DEU), Hamish Fulton (GBR), Jiaqi Hou (CHN), Cymene Howe (USA), Wolf von Kries (DEU), Alfons Mühlenbrock – Die Grüne Manufaktur (DEU), Terhi Nieminen (FIN), Mads Nissen (DNK), Christiane Rath (DEU), Kerstin Röhn (DEU), Jérémy Lempin (FRA), Gideon Mendel (ZAF), SCHAUM – Alexandra Lotz / Tim Kellner (DEU), THERE THERE Company (BEL), Oliver Vogt (DEU), Stefan Weiller (DEU)
In der eigens für die Ausstellung produzierten Reihe von Interviews berichten Expert*innen aus verschiedenen Tätigkeitsfeldern und Kulturen über ihre konkreten Erfahrungen im Kontext des Tröstens: Louise Brown (Journalistin und Trauerrednerin, Hamburg), Viviane Clauss (Sterbebegleiterin im Mehrgenerationenhospiz Heilhaus Kassel), Jürgen Dahlfeld („das Zeitliche segnen – Bestattungen“, Kassel), Emine Duman (Sozialarbeiterin und Sterbebegleiterin, Kassel), Karin Flachmeyer (Hebamme im Heilhaus Kassel), Pfarrer Martin Gies, (Pfarrei St. Antonius von Padua, Kassel), Johanna Klug (Autorin und Sterbebegleiterin, Berlin), Prof. Dr. Reinhard Lindner (Psychotherapeut, Kassel/ Hamburg), Shaul Nekrich (Rabbiner, Jüdische Gemeinde Kassel), Stefanie Silber (Dokumentarfotografin, Hamburg).
Nach „Lamento“ und „Memento“ zeichnet die Künstlerin Ella Ziegler (Berlin) bereits zum dritten Mal gemeinsam mit Dr. Dirk Pörschmann für die kuratorische Arbeit unter Mitarbeit von Dr. Ulrike Neurath und Museumspädagoge Gerold Eppler verantwortlich.
Dr. Jean-Pierre Wils, Professor für „Kulturtheologie der Moral im besonderen Hinblick auf die Religion“ an der Fakultät für Religionswissenschaft der Radboud Universität Nimwegen in den Niederlanden hat nicht nur die gleichnamige Publikation verfasst, er hat auch den kuratorischen Prozess der Ausstellung gewinnbringend begleitet. (Jean-Pierre Wils. Warum wir Trost brauchen. Auf den Spuren eines menschlichen Bedürfnisses, März 2023, S. Hirzel Verlag)
Partizipatives Ausstellungskonzept bis zur Neueröffnung
Die Ausstellung öffnet einen Raum für die aktive Beteiligung der Besucher*innen: Sie können ihre Vorstellungen für das Museum der Zukunft teilen, ihre Perspektiven auf ihre eigene Endlichkeit einbringen und ihre Gefühle und Wünsche hinsichtlich Sterben, Tod, Trauern und Gedenken kreativ ausdrücken. Die Ausstellung setzt als Rahmen hierfür in jeder neuen Ausgabe neue Schwerpunkte: mal geht es um die Vorstellungen von Seele, mal um den Totentransport, mal um die Grabmalgestaltung. Immer begleitet von Beiträgen zeitgenössischer Künstler*innen, Designer*innen, von Trauernden, Glaubensgemeinschaften oder anderen Communities, die sich auf ihre je eigene Weise mit dem Tod beschäftigen. Dabei lernt das Museum von den Beiträgen der Besucher*innen und Kooperationspartner*innen und bewahrt die Ergebnisse jeder dazwischen für die Konzeption der neu entstehenden Dauerausstellung auf.
Im dritten Update und der insgesamt vierten Ausgabe der Ausstellungsreihe dazwischen begeben sich die Besucher*innen auf eine Zeitreise durch die Geschichte des Museums und erfahren mehr über den ab 2027 geplanten Umbau des Hauses. In Bezug auf die Neukonzeption der Dauerausstellung werden zudem Themen behandelt, für die dem Museum Impulse aus der Gesellschaft fehlen: Ein Raum der 3.0 beschäftigte sich etwa mit der Personifikation des Todes. Warum wollen wir ihm überhaupt eine Gestalt geben? Welche Vorstellungen gibt es hierzu? Frauen gebären neues Leben, sind sie auch als Personifikation des Todes präsent? Der Tod als unvermeidlicher Teil des Lebens und die vielfältigen Ideen von dessen Gestalt, Aufgaben, sogar seines Charakters sollen Besucher*innen zum Nachdenken und zum Erstellen eigener Personifikationen anregen.
Ein weiterer Themenkomplex ist die Frage Was kostet der Tod? Hier kann ein Einkaufszettel für die eigene Beerdigung ausgefüllt werden: Einfach Budget festlegen und los geht der Einkauf für Ihre Bestattung – mit einer Marge von einfach bis pompös. Im Sarg-, Urnen- und Grabmalshop, bei der Wahl des geeigneten und leistbaren Bestattungsortes, den nötigen (kostenpflichtigen) Formularen und den Details für die Feierlichkeiten finden die Besucher*innen sowohl hilfreiche Informationen, als auch das eine oder andere Unerwartete.
Innerhalb der Themeninsel zu den Kosten rund um den Tod werden die Aspekte Leichenkleidung und Leichentransport hervorgehoben. Wie sich die Leichenkleidung oder der Leichentransport historisch bis in die Gegenwart entwickelt hat, wissen wir und vermitteln dies gerne. Wie aber die Zukunft aussieht, hängt von den Wünschen und dem Engagement der Menschen unserer Gesellschaft ab, für die auch unsere Besucher*innen stehen. Muss also das Leichenhemd immer weiß sein? Und überhaupt ein Hemd? Und erfolgt der Totentransport immer im dunkel-unauffälligen Leichenwagen? Oder wünschen sich die Besucher*innen nicht vielmehr die gute alte Kutsche zurück, präferieren das Elektrofahrrad – oder gar die Zustelldrohne? Hier gibt es Raum, die eigene Leichenkleidung zu entwickeln oder in der Ausstellung zu zeigen und in einem kleinen Zukunftslabor über den Leichentransport von morgen nachzudenken.
Was kostet der Tod? fordert dazu auf, sich ganz unmittelbar mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen, inspiriert durch die kunst- und kulturgeschichtlichen Entwicklungen. Die Ausstellung wird begleitet von Vorträgen, Diskussionen, Lesungen und künstlerischen Interventionen – für Kinder wie für Erwachsene.
Bitte beachten Sie unser vielfältiges Veranstaltungsprogramm.
Die Ausstellung dazwischen 3.0 wird von der in Nordhessen ansässigen gewe LagerTec GmbH unterstützt und erhält so die Möglichkeit, trotz knappen Budgets ein exemplarisches Schaudepot zu integrieren, das sich fortan passend zu den jeweiligen Themen neu bestücken und gestalten lässt.
Informationen zum Besuch des Museums
Di – So 10 – 17 Uhr | Mi 10 – 20 Uhr
Jeden Mittwoch um 17 Uhr findet eine öffentliche Führung statt.